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               17.2.1803 an Humboldt
               18.8.1803 an Humboldt
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               12.9.1803 an Humboldt
               22.10.1803 an Schiller
               2.4.1805 an Humboldt

XXXVII.

Jena, den 7 December 1795.              

   Ich glaubte, lieber Freund, Ihnen heute das eilfte Horenstück senden zu können, aber die fahrende Post hat mir das große Paquet noch nicht überbracht, obgleich das Stück schon seit dem 24sten vorigen Monats im Drucke fertig geworden ist. Indeß ist ja Vieles davon schon in Ihren Händen, und Ihre Neugier braucht nicht so groß zu seyn.

   Ihren Entschließungen wegen Ihrer Arbeit pflichte ich vollkommen bei, und setze nur überhaupt noch hinzu, daß Sie eher darauf denken müssen, mit Vielem wenig, als mit Wenigem viel zu sagen. Jemehr Sie das Allgemeine aus dem Einzelnen können von selbst hervorgehen lassen, desto besser wird es seyn, und vor Wiederholungen allgemeiner Begriffe brauchen Sie sich nicht zu fürchten, sobald nur die Anwendung verschieden ist. Man kann in solchen feinen Materien für so wenig feine Urtheiler nicht zu deutlich seyn. Daß Sie nicht mit dem Homer anfangen wollen, billige ich auch, aber überhaupt, däucht mir, daß Sie sich von einer strengen Ordnung in der Art, wie Sie die Materien folgen lassen, dispensiren können. Sie können von Hinten, in der Mitte, wo Sie glauben, daß das Interesse am ersten zu erregen sey, anfangen; denn einen ordentlichen Plan, so sehr er in Ihnen ist, brauchen Sie in der Ausarbeitung gar nicht zu beobachten.

   Es würde vielleicht nicht übel gethan seyn, wenn Sie die Hauptzüge des griechischen Charakters einzeln und in besondern Aufsätzen entwickelten, und bei jedem solchen einzelnen Zug, allemal durch die ganze Literatur durchliefen. Die Einheit ist viel leichter zu fassen, und die Mannichfaltigkeit in der Anwendung fällt zugleich mehr auf. Machen Sie hingegen einen Schriftsteller zur Einheit und legen die Mannichfaltigkeit darein, daß Sie ihn durch alle dichterischen Kategorien durchführen, so ist die Einheit weniger interessant, und die Mannichfaltigkeit weniger leicht. Ueberhaupt schickt sich ein Begriff besser zu der ersten und Beispiele besser zu der zweiten, weil jene doch immer das schwierigere ist. Macht man ein Individuum, ein Factum, kurz einen einzelnen Fall zur Einheit, so ist es immer zweifelhaft, ob dieser interessirt, und man ist in die Nothwendigkeit gesetzt, die Mannichfaltigkeit durch abstracte Begriffe hervorzubringen, welches schon viele Anstrengung für die Leser erfordert. Ich weiß nicht, ob ich mich deutlich genug mache, aber von der Sache bin ich überzeugt. Man erhätl auf dem Wege, den ich vorschlage, noch den Vortheil, daß man den Begriff doch bei so vielen Anwendungen nothwendig klar machen muß, und also dem Leser, auch dem stumpfsinnigsten, ein Resultat zu geben versichert ist.

   Vielleicht entwerfen Sie zu Ihrem eigenen Gebrauche eine Art von Register über die Materien im Einzelnen, worüber Sie sich verbreiten wollen, um erst das Feld zu übersehen. Alsdann bin ich vielleicht im Stande, Ihnen meine Gedanken anschaulich und annehmlich zu machen.

   Auch schickt es sich vielleicht, daß Sie in den Einkleidungen der Materie wechseln und hier und da eine Veranlassung von Außen, wenn es auch eine polemische wäre, nehmen können. Es ist ja endlich nicht so nöthig, daß man sich nennt. Auch ließe sich Manches in Kritiken einzelner Werke, alter und neuerer, theoretischer und praktischer, einkleiden. Voß, Stolberg, Klopstock, Ramler, Gedicke, Schlosser und andere geben Ihnen vielleicht Veranlassungen zur Prüfung und zur Widerlegung.

   In der That, liebster Freund, rechne ich für den nächsten Jahrgang der Horen sehr auf Ihre Mitwirkung. Sie müssen sich durch das Schicksal Ihrer ersten Aufsätze gar nicht abschrecken lassen; denn hier war die Materie mit einer erstaunlichen Trockenheit und Schwierigkeit behaftet; auch liegt es so entschieden am Tage, daß der Gegenstand für die Stumpfsinnigkeit der Leser nur zu fein und zu scharf behandelt war. Sobald Sie faßlichere Materien wählen, und sich die Sache selbst leichter machen, so werden Sie auch andere Wirkungen sehen. ich möchte doch einmal etwas mehr Historisches von Ihnen ausgeführt sehen. Hier würde der Gegenstand Ihre Tendenz zur Schärfe und Intellectualität (ich weiß jetzt nicht sogleich ein ander Wort) in Schranken halten, und auf der anderen Seite würden Sie mehr Verstandesgehalt in den Gegenstand legen. wir wollen davon sprechen, wenn wir erst wieder beisammen sind. Sie beklagen es, daß ich die Horen aufgeben will, und tadeln, daß ich mich von der philosophischen Schriftstellerei zurückziehen will. Aber Sie thun mir Unrecht, wenn Sie glauben, daß mich das Publicum allein oder auch nur vorzüglich zu diesem Entschluß bestimmte. Nein, lieber Freund, was mich dazu bestimmt, ist erstlich die unwiderstehliche Neigung, in meinen Arbeiten keinem fremden Gesetz zu gehorchen, und besonders der poetischen Thätigkeit mich vorzugsweise zu überlassen, und zweitens die schlechte Unterstützung von Seiten der Mitarbeiter an den Horen. Nur durch eine unermüdete Sorge habe ich das Ganze bisher zusammengehalten, und ich wäre dennoch nicht damit zu Stande gekommen, wenn mich der Zufall nicht unterstützt hätte, aber ein Zufall, auf dessen Wiederkehr ich nicht so sicher mehr zählen kann. Goethe’s Elegien, Schlegels Dante, meine Briefe waren mehr oder weniger vorgearbeitete Sachen, und der Vorrath ist aufgezehrt. Weißhuhns, Engels, Meyers Aufsätze warf mir das Glück zu, Archenholz macht sich für die Zukunft zu nichts mehr anheischig. Ich habe, wenn ich meine Hoffnungen für das folgende Jahre überzähle, kaum zu Besetzung von drei Stücken Aussicht, sobald ich meinen Antheil abrechne, und noch dazu ist unter Allem, was ich zu hoffen habe, nichts, was allgemein interessiren kann. Schlegel ist allerdings eine treffliche Acquisition, aber nicht das Journal in Schwung zu bringen, oder auch nur darin zu erhalten, sondern bloß um demselben eine Masse zu geben, mit der ein Kenner zufrieden seyn kann. Von Goethe erwarte ich, da er nach seinem eigenen Geständniß noch an dem Roman viel zu thun hat, und die Vorbereitung auf die Reise und dergleichen ihn erstaunlich zerstreut, da er selbst im August abgeht, so viel als nichts, von Herder wenig tröstliches. Die anderen Quellen wissen Sie selbst und wie wenig darauf zu zählen. Wollte ich also die Horen nicht aufgeben, so müßte ich, ich allein, mich im nächsten Jahr denselben ganz sacrificiren, und nicht einmal mit der sicheren Hoffnung, meinen Zweck zu erreichen. Was das Unglück noch vermehrt, so hängt das Schicksal auch des Almanachs im nächsten Jahre von mir ganz allein ab, da Goethe, der fast den vierten Theil in diesem Jahre dazu gegeben, wegfällt, und auch Herder seinen ganzen Vorrath hingegeben hat. Ich selbst habe meine poetische Fruchtbarkeit in diesem Jahre doch zum Theil der langen Pause zuzuschreiben, die ich in poetischen Arbeiten machte, und die mich Kräfte sammeln ließ. Im nächsten Jahre wird es langsamer auch mit mir gehen, besonders da ich schwerere Gegenstände vor mir habe, und gegen mich selbst strenger seyn werde. Was bleibt mir also, wenn Sie alles Dieß in Betrachtung ziehen, übrig, als gegen das Glück der Horen im nächsten Jahre völlig gleichgültig zu seyn, um meine Thätigkeit nicht mehr dadurch bestimmen zu lassen. Bin ich aber gleichgültig dagegen, so ist das Journal eo ipso moralisch todt und muß es auch physisch werden.

   Von Körner habe ich schon einen ganzen Monat keine Zeile gesehen.

   Adieu, liebster Freund! Unsere herzlichen Grüße. Ihr

Sch.              

Ü   Þ

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