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               29.12.1795 an Schiller
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               17.2.1803 an Humboldt
               18.8.1803 an Humboldt
               27.8.1803 an Schiller
               12.9.1803 an Humboldt
               22.10.1803 an Schiller
               2.4.1805 an Humboldt

XXIV.

Jena, den 5 October 1795.              

   Den letzten Freitag, da ich Ihnen schreiben wollte, liebster Freund, kam Meyer auf seiner Reise nach Italien hier durch, und brachte noch einen Tag mit uns zu, welches mich abhielt, meinen Vorsatz auszuführen. Aus dem, was er mir sagte, erhellt, daß weder er, noch Goethe auf einen langen, oder gar bleibenden Aufenthalt in Italien denken, sondern in spätestens zwei Jahren Alles abgethan zu haben glauben. Er spricht schon von Abgüssen, die er von einigen Antiken machen werde, um solche nach Weimar für Rechnung des Herzogs zu liefern, und dort in Ruhe darnach zu zeichnen. Heute ritt Goethe zu mir herüber, und ist so eben wieder abgereist. Nächsten Donnerstag geht er mit einem Auftrag vom Herzog nach Frankfurt, wo er einige Wochen zu bleiben gedenkt. Er grüßt Sie freundlichst, und wird Ihnen bald schreiben. In den letzten Wochen war er so beschäftigt, daß er das Zimmer kaum verließ, weil Unger Manuscript haben wollte, und er über seinen italienischen Sachen den Rest des sechsten Buchs von Meister hatte liegen lassen. Er will mir vor oder auf der Reise eine kleine Schrift der Madame Stael: von der Erfindung (nur etliche Bogen stark) übersetzen, welches wir dann, mit einigen Anmerkungen in die Horen setzen wollen. Sonst ist für dieses Jahr schwerlich mehr etwas von ihm zu erwarten. Ihre längere Abwesenheit beklagt er sehr. Auch der Anatomie wegen hat er sich auf Ihr Hierseyn im Winter gefreut. Würden Sei sich dazu entschließen können, ihm Ihr Logis zum Absteigequartier zu erlauben, wenn er den Winter eine Zeit lang hier zubrächte? Für Ihre Sachen, die etwa aus dem Wege zu räumen wären, würde Lolo schon Sorge tragen.

   Für heute nur kurze Nachrichten und Anfragen, denn ich habe den bewußten Horentag, auf den ich immer meine Briefe anstehen lasse. Der Druck des Almanachs gefällt mir wohl, und ich habe an den ersten Bogen nichts auszusetzen, als daß noch so viele leere Räume geblieben sind, wozu nach meiner Meinung die kleinen Stücke hätten benutzt werden können, die jetzt (wie der Unwandelbare etc.) eine neue und eigene Seite anfangen. Daß Sie die Druckfehler auf den folgenden Bogen noch bemerkt, ist ein wahres Glück, so wie überhaupt Ihre jetzige Gegenwart in Berlin dem Almanach sehr wohlthätig ist. Wie beruhigt es mich, mein theurer Freund, daß ich dieß Geschäft in Ihren Händen weiß! Die Nachrichten von dem Glück, das Ihre und meine Aufsätze in naturhistorischen Schriften machen, haben mich sehr unterhalten. Zweifeln Sie gar nicht, mein theurer Freund, daß Ihre Ideen über das Geschlecht endlich noch ganz current und als wissenschaftliche Münze ausgeprägt werden, sobald Sie nur noch eine ausführlichere Darstellung daran wenden. Diese ist allerdings noch nöthig, und die Sache verdient sie auch so sehr. Ich warte jetzt nur auf einige öffentliche Stimmen des Beifalls über Würde der Frauen, und eine schickliche Gelegenheit, um es öffentlich zu sagen, wie viel in jenen Aufsätzen liegt. Goethe wird Sömmering in Frankfurt aufsuchen, und mir von der feuchten Seele schreiben. Was für seltsame Dinge doch die Sucht nach dem Neuen und Außerordentlichen ausheckt!

   Hier die Elegie. Ich habe sie heute auch Goethen gelesen, auf den sie sehr gewirkt hat. In Ansehung der Versification bin ich auf Ihre Warnung strenger gegen mich gewesen, und ich denke nicht, daß Sie einen erheblichen Fehler dagegen finden werden. Ich bin voll Erwartung, was Sie dazu sagen werden. Körners Urtheil habe ich schon. Es sind unterdessen auch sechs bis acht kleinere Stücke fertig geworden, die Sie mit einigen Herderischen vermischt, aus dem zehnten Horenstücke herauslesen werden. Dieses Stück enthält auch wieder sechszehn Artikel, und ich hoffe das eilfte bis auf fünf und zwanzig zu steigern, da ich noch mehrere von Herder übrig habe, und hoffentlich selbst noch zuweilen einen Einfall haben werde. Das hier folgende neunte soll uns schon ziemlich Credit verschaffen.

   Noch wollte ich, um einem langen Wunsch nachzugeben, und ich zugleich in einer neuen Gattung zu versuchen, eine romantische Erzählung in Versen machen, wozu ich auch den rohen Stoff schon habe. Aber ob ich gleich voraussehe, ihn überwältigen zu können, so fürchte ich doch, daß es nicht ohne großen Zeitaufwand abgehen werde, welches Opfer für eine bloße Grille am Ende doch vielleicht zu groß ist. Scheiben Sie mir Ihre Gedanken darüber, lieber Freund, und bringen Sie dabei auch eine kleine Eitelkeit von mir in Rechnung. Ich habe mich nach und nach in so vielen Fächern und Formen versucht, daß die Frage entsteht, ob ich den Kreis nicht vollenden soll. Auch ist das Publicum, wie es scheint, auf diese Mannichfaltigkeit bei mir aufmerksam geworden, und sie scheint ein Ingredienz der Vorstellung zu seyn, unter der ich den meisten Lesern erscheine. Auf diesem Wege scheint also der Kranz zu liegen, der für mich zu erringen ist. Nehmen Sie aber auf diese öffentliche Stimme auch nicht mehr Rücksicht, als sie verdient, und bringen meine Eitelkeit nicht anders in Anschlag, als insofern sie die Quelle von etwas Gutem werden kann.

   Ich möchte auf der andern Seite gern sogleich an meine Malteser gehen, wozu ein recht ungeduldiges Verlangen mich treibt. Da ich Hoffnung habe, von December inclusive bis zum April für die Horen nicht so sehr nöthig zu seyn, so könnte ich in diesen vier Monaten sehr weit kommen, wo nicht ganz und gar mit jenem Trauerspiel fertig werden. Oder sollte ich vielleicht überall keinen Gedanken daran haben? Zuweilen traue ich mir etwas darin zu, und besonders dürfte dieses Sujet noch am wenigsten mißlingen. Da es mit Chören verbunden ist, so knüpft es sich auch schon eher an meine jetzige lyrische Stimmung an. Es enthält eine einfache heroische Handlung, eben solche Charaktere, die zugleich lauter männliche sind, und ist dabei Darstellung einer erhabenen Idee, wie ich sie liebe.

   Denken Sie, lieber Freund, noch einmal recht streng über mich nach, und schreiben mir dann Ihre Meinung. Poesie wird auf jeden Fall mein Geschäft seyn; die Frage ist also bloß, ob episch (im weiten Sinne des Worts) oder dramatisch?

   Adieu, theurer Freund. Der guten Caroline sagen Sie die herzlichsten Grüße. Lolo, denke ich, wird auch schreiben, und Ihnen die hiesigen Neuigkeiten melden. Ich umarme Sie von ganzem Herzen. Ihr

Sch.              

Ü   Þ

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