Friedrich
Schiller

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Briefe von Friedrich Schiller

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      Schiller, Friedrich
         Briefe
            1803

Friedrich Schiller an August Kotzebue.

[? 1803.]

Ich habe mir schon vorgestern Abend die Kleinstädter vom Herrn Ghrth Goethe zum Lesen ausgebeten, da Sie mich dazu autorisirt hatten. Nach sorgfältigem Durchlesen des Stücks finde ich nichts willkürliches in seiner Verfahrungsart; er hat keine anderen Stellen weggestrichen, als solche, die den Partheigeist reizen konnten, den er von dem Theater verbannen will; und das Stück hat dadurch von seinem theatralischen Werth nichts verloren, weil jene Stellen weder zur Handlung noch zur Charakterzeichnung nothwendig sind. Was mich betrifft, so versichre ich Ihnen nochmals, daß ich aus dem Stücke nichts auf mich beziehe, wiewohl ich versichert bin, daß alle diejenigen, welchen es darum zu thun seyn könnte, Streit zwischen uns zu erregen, nicht ermangeln werden, jene Stanze, womit Sie einen Akt schließen, und wobei Sie schwerlich nur an mich gedacht haben, als einen Ausfall auf mich vorzustellen. Und selbst, wenn dem wirklich so wäre, würde ich Ihnen keinen Krieg darüber machen, denn die Freiheit der Comödie ist groß, und die gute heitre Laune darf sich viel herausnehmen; nur die Leidenschaft muß ausgeschlossen seyn.

Diß ist mein aufrichtiges Bekenntniß sowohl über diesen besondern Casus als über alle ähnliche Fälle; und ich setze bloß noch hinzu, daß Sie, nach meiner Einsicht, das Stück ohne Bedenken, so wie es jezt ist, können spielen lassen, und daß Ihre Nachgiebigkeit Ihnen nicht anders als zur Ehre gereichen kann.

Hochachtungsvoll

Der Ihrige               
Schiller.


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1 Zu S. 91. Z. 21. Kuhlmey bemerkt mit Berufung auf Döring, Leben Kotzebues S. 252, daß der Schluß des III. Aktes der Kleinstädter auf Sch. zu deuten sei. Nach K. wurden sie am 7. Nov. in Weimar aufgeführt.

 
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