Friedrich
Schiller

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Briefe von Friedrich Schiller

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      Schiller, Friedrich
         Briefe
            1798

Friedrich Schiller an Wolfgang von Goethe.

Jena 2. Febr. [Freitag] 98.

Ihre Bemerkung über die Oper hat mir die Ideen wieder zurückgerufen, worüber ich mich in meinen aesthetischen Briefen so sehr verbreitete. Es ist gewiß, daß dem aesthetischen, so wenig es auch die Leerheit vertragen kann, die Frivolität doch weit weniger widerspricht, als die Ernsthaftigkeit, und weil es dem Deutschen weit natürlicher ist, sich zu beschäftigen und zu bestimmen, als sich in Freiheit zu setzen, so hat man bei ihm immer schon etwas aesthetisches gewonnen, wenn man ihn nur von der Schwere des Stoffs befreit, denn seine Natur sorgt schon hinlänglich dafür, daß seine Freiheit nicht ganz ohne Kraft und Gehalt ist.

Mir gefallen darum die Geschäftsleute und Philister überhaupt weit beßer in einer solchen spielenden Stimmung, als die müßigen Weltleute, denn bei diesen bleibt das Spiel immer kraft und Gehaltleer. Man sollte einen jeden immer nach seinem Bedürfniß bedienen können, und so würde ich den einen Theil in die Oper und d andern in die Tragödie schicken.

Ihr Nürnberger Meistersänger spricht mich wie eine Stimme aus einem ganz andern Zeitalter an, und hat mich sehr ergötzt. Wenn Sie Knebeln schreiben, so bitten Sie ihn doch, auch mich zu 1 Exemplar mit Kupfer unter den Subscribenten anzumerken. Ich halte es wirklich für nöthig daß man sich bei diesem Werklein vorher meldet, weil es sonst vielleicht nicht zu Stande kommt, denn der gute Freund hat sein Zeitalter überlebt, und man wird ihm die Gerechtigkeit schwerlich erzeigen, die er verdient. Wie wärs wenn Sie nur ein paar Seiten, zu seiner Einführung ins Publicum, in den Horen sagten? Er scheint es wirklich so sehr zu brauchen als zu verdienen.

Nach allem, was von der unparteiischen Welt geurtheilt wird, dauert mich unser Freund Knebel sehr, und ich fürchte, das Joch wird seinem Nacken nicht sanft aufliegen.

Mit Boie habe ich nur einmal Verkehr gehabt, aber seit fast 1½ Jahren nicht wieder. Ich weiß also nicht wie es mit dem Paquete steht; daß er es werde erhalten haben, ist wohl kein Zweifel, und daher glaube ich, daß Sie ihm zu viel Ehre anthun würden, wenn Sie weiter darnach fragten. Gelegenheitlich kann mans schon an ihn bringen.

Möchten Sie nur endlich einmal herkommen. Nehmen Sie Sichs nur auf 4 oder 5 Tage vor, so werden Sie schon in dem alten Schloß die Muse finden, die Sie halten wird. Leben sie recht wohl.

S.


Bemerkungen

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1 Zu S. 336. Z. 6. Goethe hatte in X. von der Aufführung einer neuen Oper (Il marito desperato) Von Cimarosa am 30. Januar sehr befriedigt geschrieben. Der Text war von Einsiedel unter dem Titel: Die bestrafte Eifersucht frei und geschmackvoll übertragen (Düntzer). Zu Z. 23. Der Nürnberger Meistersänger, den Goethe in X. einen letzten Abkömmling der Nürnberger Meistersänger lobend genannt hatte, war Johann Konrad Grübel, Stadtflaschner (Klempner) und Harnischmacher in Nürnberg (Düntzer). Durch Knebel, hatte Goethe geschrieben, werde er das Buch, das er im Manuskript Schiller mitteilte, erhalten, wenn es herauskomme.
Zu S. 337. Z. 5. Goethe hatte geschrieben, daß dem Freunde Knebel seine Schöne d. h. Luise Rudorf, die Weimarer Kammersängerin, das Joch der Ehe auf seinen alten steifen Nacken legen werde. Die Vermählung fand am 9. Febr. 1798 statt. Zu Z. 7. Goethe hatte gebeten, Schiller möge, wenn es ihm möglich sei, in Erfahrung bringen, ob Boie die 6 Bände seiner neuen Bände erhalten habe. Vgl. Nr. 1131.

 
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