Friedrich
Schiller

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Briefe von Friedrich Schiller

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            1795

Friedrich Schiller an Wolfgang von Goethe.

25. Dec. [Freitag] 95.

Hier einen kleinen Beytrag zu der Interpretation des Mährchens. Er ist mager genug, da Sie mir mit dem beßten schon zuvorgekommen sind. In dergleichen Dingen erfindet die Phantasie selbst nicht soviel, als die Tollheit der Menschen wirklich ausheckt und ich bin überzeugt: die schon vorhandenen Auslegungen werden alles Denken übersteigen.

Was Sie von der vermehrten Subscription auf die Horen schreiben überraschte mich, und es möchte wohl nur sehr particulär seyn, denn daß die Summe im Ganzen abnehmen muß, ist nach dem erstaunlichen Geschrey, nach den Klagen sovieler Buchhändler selbst, wie z. b. Ungers in Berlin und andrer, keine Frage. Auf Cottas Aufrichtigkeit dürfen wir uns, biß auf einen gewissen Punkt wenigstens, ganz sicher verlassen. Er hat mehr Eitelkeit als Eigennutz und er fürchtet sich zu sehr, daß mein Eifer erkalten möchte, als daß er dasjenige verschweigen könnte, was ihn beleben kann.

Was die Goldlieferung anbetrifft, so vergaßen Sie, daß die Zahlung von einer OsterMesse zur andern ist ausgemacht worden. Etliche Tage vor Jubilate erscheint Cotta mit einer Geldkatze um den Leib, und zwar pünktlich wie „eine wohlberechnete Sonnenfinsterniß,“ um das Honorar für das ganze Jahr abzutragen. Früher wollte ich ihm nicht gern eine starke Zahlung zumuthen, da er sich einmal auf die Abrede verläßt, ob er gleich, sobald man es fodert, damit parat seyn wird.

Eben sendet mir Woltmann ein selbstverfertigtes Trauerspiel nebst einer Operette. Ich hab es noch nicht angesehen, werde Ihnen aber, wenn Sie hier sind, hoffentlich allerley davon zu erzählen haben.

In 10-12 Tagen werden Sie die Horen in der L. Z. recensiert lesen. Den poetischen Theil hat glücklicherweise Schlegel und nicht Schütz recensiert. Dieser hat sich bloß das philosophische u historische vorbehalten.

Leben Sie recht wohl.

Schiller.


Bemerkungen

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1 Zu S. 364. Z. 3. Goethe hatte eine Erklärung des Märchens von Charlotte von Kalb gesandt (Goethe, Jahrb. XIII. S. 53) und eine eigene Auslegung beigefügt (vgl. X. u. Goethe an Sch. vom 15. Dez.). Zu dieser letzteren scheint Sch. einiges beigefügt zu haben.
2 Zu Z. 22. Citat aus Egmont 4. Aufzug (Silva).
3 Zu Z. 27. Vgl. Nr. 972.

 
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