Friedrich
Schiller

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Briefe von Friedrich Schiller

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            1795

Friedrich Schiller an Sophie Mereau.

Den 23 December [Mittwoch] 95.

Der Fall von dem Sie schreiben, ist das Schicksal so vieler, die ihr Talent zu einer höheren Thätigkeit bestimmte und manche vorzügliche Fähigkeit geht dadurch für das Beste der Kunst und der Wissenschaft verloren. Aber glauben Sie mir, daß wenn es möglich ist, sich aus einer solchen Lage zu reißen, dieses nur durch eine strenge Beharrlichkeit auf dem guten Wege, und durch keine Abweichung von demselben, durch keine Nachgiebigkeit gegen den fehlerhaften Geschmack geschehen kann.

Man glaubt oft, mit der Quantität weiter zu kommen, als mit der Qualität, aber außerdem daß man nur durch die letztere sich selbst genug zu thun im Stande ist, so ist auch nur von dem Guten und nicht von dem Vielen ein wahrer äußerer Vortheil zu erwarten. Ich gestehe, daß ich für Sie fürchtete, sobald ich von dem vorhabenden Journale erfuhr. Eine solche Unternehmung schien mir nachtheilig für sie, und ich konnte auch keine äußern Vortheile davon für Sie erwarten, den Ihnen eine andere Art schriftstellerische Beschäftigung, wobey Sie mit Muße und Liebe beharrten, nicht in einem viel höheren und für Sie selbst unendlich befriedigenderem Grade gewährte. Sie haben gar keine Ursache zu zweifeln, Arbeiten, die auf diese Art entstanden, und ausgeführt worden, auch in demjenigen Sinne zu nutzen, wie jeder Schriftsteller jetzt den seinigen nutzt. Auch Ihre Wahl ist gar nicht begrenzt, da Sie außer Uebersetzungen, welche die leeren Stunden füllen können, Ihre fröhlichen Momente poetischen Arbeiten in Versen und Prosa, besonders Erzählungen widmen können. Zu allen diesen Arbeiten stehen Ihnen mehrere Journale offen. Wieland wird Beiträge von Ihnen mit Vergnügen in den Mercur aufnehmen. Die Flora, eine Zeitschrift für das Frauenzimmer, welche Cotta herausgiebt, wird Sie gern zur Mitarbeiterin haben, und was Sie mir für die Horen anbieten, werde ich, sobald es sich irgend mit dem Zwecke derselben verträgt ebenso bereitwillig aufnehmen. Der Vortheil von diesen verschiedenen Journalen ist zwar nicht gleich, aber es ist auch nicht nöthig, daß die Arbeiten gleich sind und ein eigenes Journal wenigstens würde Sie auch hierin nicht weiter führen. Es müßte Ihnen nicht schwer werden, in einer Sphaere die Ihrem Genie eigenthümlich ist, mit innerer Güte auch Fruchtbarkeit zu verbinden. Haben Sie keine Lecture in den französischen Erzählungen und Märchen? Es ist eins der lieblichsten Fächer in der Dichtkunst und dabei so angemessen für die Zeit. Ich kann Ihnen, wenn Sie Lust haben, Schriften in diesem Fache schaffen, welche Ihre Einbildungskraft gewiß wecken und Ihnen sowohl Stoff als Lust dazu geben werden. In diesem Fache würden Sie im Verlauf eines Jahres mit Leichtigkeit 18 bis 20 Bogen machen und bei einer sehr angenehmen activitaet 40, 50 Ld’ors gewiß erwarten. Für jeden Bogen, den ich zum Zweck der Horen anwenden kann, kann ich Ihnen 5 Ld’ors bezahlen; nach dem alten Druck wären es 6 gewesen aber der nächste Jahrgang wird weiter gedruckt werden. Die Flora und der Mercur bezahlen wenigstens 1 Carolin für den Bogen.

Ich überlasse Ihnen nun, welchen Gebrauch Sie von meinem Rathe machen wollen, der wenigstens aus der aufrichtigsten Gesinnung fließt. Haben Sie Lust sich an Cotta zu wenden, so kann es durch mich geschehen; und bei Wieland brauchen Sie keine Mittelsperson.

Die Musen-Alamanche sind noch nicht angekommen, aber ich erwarte sie jeden Posttag. Ich werde alsdann auch die doppelte Schuld von Seiten dieses Almanachs und der Horen gegen Sie abtragen können.

Ihrem Wunsche gemäß gebe ich Ihren Brief in Ihre eigne Hände zurück.

Ihr                        
aufrichtig ergebener Freund

Schiller.

 
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