Friedrich
Schiller

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Briefe von Friedrich Schiller

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         Briefe
            1795

Friedrich Schiller an Wolfgang von Goethe.

Jena den 23. Dec. [Mittwoch] 95.

Für die Elegien danke ich schönstens. Ich denke nicht, daß jetzt noch etwas darinn seyn sollte, was den Crittlern Gelegenheit geben könnte, über kleinen Versehen gegen den schönen Geist des Ganzen sich zu verhärten.

Lorenz Stark ist, wie mir Humboldt schrieb, ehmals zu einer Comödie bestimmt gewesen, und nun zufälliger Weise in die erzählende Form gegoßen worden. Ein ziemlich leichter Ton empfiehlt es, aber es ist mehr die Leichtigkeit des Leeren als die Leichtigkeit des Schönen. Solchen Geistern wie Herrn E. ist das Platte so gefährlich, wenn sie wahr und naiv seyn wollen. Aber die göttliche Platitude: das ist eben der Empfehlungsbrief.

Haben Sie denn auch die schönen Abbildungen vom Seifersdorfer Thal mit H. Beckers (in Dresden) Beschreibungen gesehen? Als einem so großen Liebhaber von Kunstgärten und sentimentalischen Produktionen empfehle ich Ihnen dieses Werk. Es verdient neben Rackenitz Schrift eine gelegentliche würdige Erwähnung in den Horen.

Mit der Religieuse von Diderot weißt mich Herder an Sie zurück; auch meynt er, daß sie entweder schon übersetzt sey, oder mit andern Erzählungen von Diderot künftige Ostern erscheinen werde. Es scheint demnach für uns keine sichere Entreprise zu seyn.

Der Himmel verlängere Ihnen jetzt nur die gute Laune, um den Roman zu endigen. Ich bin unglaublich gespannt auf die Entwicklung und freue mich recht auf ein ordentliches Studium des Ganzen.

Das Glück, welches das kleine Gedicht die Theilung der Erde zu machen scheint, kommt mit auf Ihre Rechnung, denn schon von vielen hörte ich, daß man es Ihnen zuschreibt. Hingegen ist mir von andern der Litterarische Sanscülottism zugeschrieben worden.

Von der zu erwartenden Recension der Horen durch Schütz hörte ich gestern, daß es Ernst damit sey, und daß wir sie in wenigen Wochen zu Gesicht bekommen werden. Ob ich sie noch in Mscrpt zu lesen bekomme, zweifle ich, da ich mit Schützen seit einiger Zeit weniger Verkehr habe. Er hat aber doch dem jungen Schlegel den poetischen Theil derselben zu recensieren aufgetragen, sowie auch die Unterhaltungen u. s. w., und dieser hat die Recension, wie er mir heute schrieb, schon an Schütz gesendet. Wenn er nichts an diese Arbeit hineinpfuscht, so erwarte ich etwas gutes davon.

Von Cotta habe nichts wieder gehört, und der Almanach ist auch noch nicht angelangt.

Zum heiligen Christ wünschen wir alles Gute. Möchten Sie ihn hier bey uns zubringen! Leben Sie recht wohl.

Sch.


Bemerkungen

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1 Zu S. 360. Z. 24. Humboldt hatte an Sch. am 20. Nov. als Vermutung, nicht als Thatsache geschrieben, daß Lorenz Stark ursprünglich von Engel als Lustspiel geplant worden war, Humboldts Vermutung war aber richtig. Vgl. Koberstein, Grundriß der Gesch. d. deutschen Nationallitteratur. 5te Aufl. V. S. 102.
2 Zu Z. 27. Zu dem Gegensatz der Leichtigkeit des Leeren und Leichtigkeit des Schönen vgl. die tabula votiva Der schöne Geist und der Schöngeist. Vgl. zu Nr. 961.
3 Zu S. 361. Z. 6. Goethe an Sch. vom 15. Dez. Am 22. Dez. hatte Sch. an Herder geschrieben und am 23. Antwort erhalten. Schs. Brief fehlt, Herders ist meines Wissens im Weimarer G. Sch. Archiv.
4 Zu Z. 25. Der junge Schlegel ist Wilhelm Schlegel. Er war damals 28 Jahr alt. Er hatte über die Recension im Dez. 1795 an Schiller geschrieben (Preuß. Jahrb. IX. S. 204). Der Brief war am 23. Dez. bei Sch. eingetroffen nach K., also nicht gestern, wie es in unserem Briefe heißt. Vermutlich hätte er aber im Kalender unter dem 22. eingetragen werden müssen.

 
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