Friedrich
Schiller

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Briefe von Friedrich Schiller

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      Schiller, Friedrich
         Briefe
            1795

Friedrich Schiller an Wolfgang von Goethe.

Jena den 17. Dec. [Donnerstag] 95.

Wie beneide ich Sie um Ihre jetzige poetische Stimmung, die Ihnen erlaubt recht in Ihrem Roman zu leben. Ich habe mich lange nicht so prosaisch gefühlt, als in diesen Tagen und es ist hohe Zeit, daß ich für eine Weile die philosophische Bude schließe. Das Herz schmachtet nach einem betastlichen Objekt.

Es ist prächtig, daß der scharfsinnige Prinz sich in den mystischen Sinn des Mährchens so recht verbißen hat. Hoffentlich lassen Sie ihn eine Weile zappeln: ja wenn Sie es auch nicht thäten er glaubte Ihnen auf Ihr eigenes Wort nicht, daß er keine gute Nase gehabt habe.

Daß in Weimar jetzt die Hundsposttage graßieren, ist mir ordentlich psychologisch merkwürdig; denn man sollte sich nicht träumen lassen, daß derselbe Geschmack so ganz heterogene Massen vertragen könnte, als diese Produktion und Clara du Plessis ist. Nicht leicht ist mir ein solches Beispiel von Charakterlosigkeit bey einer ganzen Societaet vorgekommen.

Das Gedicht, welches Sie mir so gütig waren copieren zu lassen, hat der Verfasser vorigen Sommer in Mscrpt an mich gesendet. Es freut mich, daß man doch hie und da etwas wachsen und blühen sieht, und lieb ist mir die öffentliche Erscheinung gerade jetzt, da es die Widersacher gewaltig verdrießen wird.

Cotta, der mir vor einigen Tagen schrieb, weiß von der neuen Subscription noch nichts zu sagen. Daraus, daß jetzt noch nicht schon abbestellt wird, schließe ich doch etwas gutes.

Herdern will ich zu disponieren suchen, daß er die Religieuse übersetzt. Den Staelischen Aufsatz bringe ich nicht später als im Februar. Eine Uebersetzung gleich im ersten Stück, wo schon eine poetische sich findet, würden uns die Herren auch aufgemutzt haben.

Leben Sie recht wohl. Meine Frau dankt schönstens für Ihr Andenken. Gezeichnet ist nicht viel worden.

Sch.


Bemerkungen

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1 Zu S. 352. Z. 5. Goethe hatte in X. Bedenken gegen den Schluß des Aufsatzes über sentimentalische Dichter geäußert, zumal der Aufsatz gerade in einer Gegeneinanderstellung Goethes u. Wielands auslaufe.
2 Zu Z. 13. Die Elegien des Properz von Knebel übersetzt.
3 Zu Z. 26. Das Honorar für Goethes Beiträge zum Musenalmanach.
4 Zu S. 353. Z. 8. Prinz von Gotha.
5 Zu Z. 13. Hesperus von Jean Paul.
6 Zu Z. 16. Clara du Plessis von Lafontaine.

 
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