Friedrich
Schiller

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Briefe von Friedrich Schiller

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      Schiller, Friedrich
         Briefe
            1795

Friedrich Schiller an Friedrich Cotta.

Jena den 11. Dec. [Freitag] 95.

Die Horen nebst der Schachtel habe erhalten, und danke Ihnen für Ihre Bemühung wegen der letztern. Die Unkosten welche Sie dabey gehabt, sind Sie so gütig mir in Rechnung zu bringen.

Sie haben mir dießmal nur 24 Stücke Horen gesendet, 12 auf Postpapier und eben soviel auf Schreibpapier. Ich musste deßwegen mehrere warten lassen und bitte mir mit erster Post die noch restierenden nachzusenden.

Die nächste und letzte Lieferung in diesem Jahre sind Sie so gütig unmittelbar an mich zu adressieren, da Gabler bey der Schachtel zuviele Auslagen gehabt.

Die SchriftArt, davon Sie mir einen Abdruck gesandt, kann beybehalten werden, und auch die Eintheilung der Zeilen. Um etwas mehr Raum zu gewinnen, könnte allenfalls der Strich oben wegbleiben und also eine Zeile früher angefangen werden. Die Ueberschriften über den Columnen lassen Sie mit der bißherigen Notenschrift aber durchschossen drucken. Es sieht nicht bloß feiner aus, sondern ist auch zweckmäßig, da zuweilen die Ueberschriften weitläuftiger ausfallen könnten. Sonst wird die bißherige Notenschrift zu künftigen Noten und zu allen Gedichten ohne Unterschied beybehalten.

Aber die Titel der einzelnen Aufsätze dürfen künftig nicht mehr mit so großer Schrift wie bißher gedruckt werden: diese macht, besonders bey ganz kleinen Sachen, wie die Epigramme, die mit kleiner Schrift gedruckt sind, kein gutes Ansehen. An statt derselben können Sie eine kleinere nehmen lassen. Giebt es keine mittlere Schrift zwischen dieser großen und der bißherigen Textschrift, wie ich aber hoffe, so müßte man wenigstens bey Gedichten, die mit kleinerer Schrift gedruckt sind, die bißherige Textschrift aber undurchschossen zur Ueberschrift nehmen.

Die „Horen“ auf dem Titelblatt lassen Sie künftig auch mit der kleineren Schrift drucken, wie diejenige, womit sie auf der ersten Seite jedes Hefts gedruckt sind, und zu der letztern nehmen Sie künftig die Schrift, wie bißher der „Jahrgang“ gedruckt ist. Zum Jahrgang die unmittelbar darauf folgende u. s. w.

Auch die Zahlen bey den Nummern sind bißher zu groß gewesen, welches besonders bey kleinen Epigrammen sehr übel aussah. Alsdann bitte ich auch den Setzer anzuhalten, daß er die Ueberschrift des Aufsatzes nicht so eng an die Nummer andrückt, sondern immer etwas freyer abstehen läßt.

Das Papier ist recht gut, so wie es auf dem Probeblättchen ist. Es ist weißer als das bißherige Schreibpapier, wofür uns das Publikum, welches das solide nicht zu schätzen scheint, schlecht gedankt hat.

Der gefärbte Titel macht sich gut, außer daß das graulichte Papier die rothe Farbe etwas schmutzig macht.

Hier ein Verzeichniß der beträchtlichsten Druckfehler, die noch nachzuhohlen waren.

Im ersten Stück des neuen Jahrgangs kommt ein sehr großer Aufsatz von mir, und der nicht nur leicht zu verstehen ist, sondern auch durch seinen polemischen Innhalt Sensation machen muß.

Für Anson danke ich Ihnen sehr. Ich freue mich auf diese Lecture.

Hier der Anfang des neuen Jahrganges. Ich habe Engeln geschrieben, daß, wenn die Fortsetzung des Lorenz Stark noch zum 1. Stück fertig werden könne, er sie unmittelbar an Sie senden solle. Leben Sie recht wohl

Sch.


Bemerkungen

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Empfangs- und Beantwortungsvermerk:
19. Dez.
22. Dez.

1 Zu S. 350. Z. 18. Gabler war ein Jenenser Buchhändler, an den die Horenpakete für Schiller gesendet wurden.
2 Zu S. 351. Z. 27. Beschluß der Abhandlung über naive und sentimentalische Dichter.
3 Zu Z. 30. Reise um die Welt.
4 Zu Z. 32. Die Fortsetzung des Lorenz Stark erschien erst im 2. Horenstück 1796.

 
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