Friedrich
Schiller

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Briefe von Friedrich Schiller

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      Schiller, Friedrich
         Briefe
            1795

Friedrich Schiller an Wolfgang von Goethe.

Jena den 29. Nov. [Sonntag] 95.

Der Brief des Prinzen August hat mich unterhalten. Er hat, für einen Prinzen besonders, viel guten Humor.

Könnten wir nicht durch diesen Prinzen Vergünstigung erhalten, die Diderotische Erzählung La religieuse, die sich in dem geschriebenen Journale befindet und, so viel ich weiß, noch nicht übersetzt ist, für die Horen zu übersetzen? Aus demselben ist auch Jaques le Fataliste gezogen und in Berlin bey Unger übersetzt herausgekommen. Ich kanns nicht lassen. Bey einem Prinzen fällt mir immer zuerst ein, ob er nicht zu etwas gut sey?

Hier das verlangte 7te Stück.

Ich erwarte in dieser Woche Exemplarien von dem MusenAlmanach.

Wenn es angeht, so will auch ich zu der Weimarischen Journal-Gesellschaft förmlich treten, und kann Drey Journale dazu stiften, entweder

Clio, oder

Posselts Europaeische Annalen, oder

Flora.

Hätte man diese Journale schon und wollte sie nicht abbestellen, so will ich den gewöhnlichen Antheil an Geld bezahlen.

Bey dieser Gelegenheit fällt mir ein, daß ich an den Herrn -us (ich weiß die AnfangsSilben nicht), der mir das Siegel zu den Horen gestochen, noch ½ Carolin zu bezahlen habe. Mögen Sie wohl so gütig seyn und diese Zahlung einstweilen an ihn leisten?

Die Stolbergische Vorrede ist wieder etwas horribles. So eine vornehme Seichtigkeit, eine anmaßungsvolle Impotenz, und die gesuchte, offenbar nur gesuchte Frömmeley – auch in einer Vorrede zum Plato Jesum Christum zu loben!

Von Jacobi habe ich eine Ewigkeit lang nichts gehört, da er mir doch, Höflichkeits halber über einige Gedichte die ich ihm geschickt, und auf Verlangen geschickt, etwas hätte sagen sollen.

Wenn Sie meinen Aufsatz etwa mit der heutigen Post nicht hätten abgehen lassen, so sind Sie wohl so gütig ihn Dienstags auf die Post zu geben, es sei denn daß Sie ihn länger brauchen könnten. Ich wollte ihn Humboldten senden. Sehr erwartend bin ich auf Ihre Meinung darüber. Wenn ich jetzt zurücksehe, wie weit ich mich hier, ohne Führer, bloß mit Hülfe der Principien, die aus dem Ganzen meines Systems fließen, gewagt, so freut mich die Fruchtbarkeit dieser Principien gar sehr, und ich verspreche mir noch mehr davon für die Zukunft.

Der Rest des Aufsatzes, der jetzt erst fertig geworden, und die Idylle abhandelt, ist noch nicht copiert. Sie erhalten ihn morgen oder übermorgen. Ein Nachtrag zu dem Aufsatz kommt unter der Aufschrift: Ueber Platitude und Ueberspannung (die zwey Klippen des Naiven und Sentimentalen) im Januar. Hier habe ich Lust, eine kleine Hasenjagd in unserer Litteratur anzustellen und besonders etliche gute Freunde, wie Nicolai und Consorten, zu regalieren.

Leben Sie recht herzlich wohl.

Sch.


Bemerkungen

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Der Brief kreuzte sich mit dem Goethes vom 29. Nov. (eingetr. d. 30.).
X. Vom 25. Nov.
1 Zu S. 331. Z. 25. Vgl. wegen der Journalgesellsch. G. an Sch. vom 11. März 1795. X.
2 Zu S. 332. Z. 4. Der Name war Facius.
3 Zu Z. 8. Vorrede zu den auserlesenen Gesprächen des Plato.
4 Zu Z. 13. Vgl. Nr. 929.
5 Zu Z. 30. Vgl. Gödeke, S. S. X. S. 497 ff.

 
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