Friedrich
Schiller

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Briefe von Friedrich Schiller

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            1795

Friedrich Schiller an Wolfgang von Goethe.

[Jena den 24. October Sonnabend 1795.]

Ich habe mit dem Expressen, der Ihnen diesen Brief bringt, ein Intelligenzblatt der Litt. Zeitung in Correctur an Herdern geschickt, worinn ein höchst grober und beleidigender Ausfall Wolfs in Halle auf den Herderischen Aufsatz im IXten Horenstück abgedruckt ist. Ich finde es schlechterdings nöthig, wie Sie gewiß auch finden werden, daß Herder irgendwo darauf repliciert. Sie werden aber finden, daß nicht wohl etwas anders geschehen kann, als den Philister zu persiflieren.

Mir wäre es sehr lieb, wenn Sie den Ausfall lesen, und mit Herdern darüber communicieren könnten, ehe Sie hieher kommen, so können wir vielleicht gemeinschaftlich etwas beschließen.

Vielleicht sehe ich Sie morgen, welches mir recht angenehm seyn würde, denn wir haben uns wieder vielerley zu sagen.

Ich habe meine Abhandlung über das Naive einen Posttag zurück behalten, um sie Ihnen, wenn Sie morgen oder übermorgen kämen, noch vorlesen zu können.

Meine Frau und Schwiegermutter empfehlen sich.

Sch.


Bemerkungen

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1 Zu S. 297. Z. 23. Wolfs herbe Kritik des Herderschen Horenaufsatzes: „Homer, ein Günstling der Zeit“ bestärkte Goethe in dem Gedanken, überhaupt Gericht über alle, die im allgemeinen und im besondern gegen die Horen geschrieben hatten, zu halten. „Wenn man dergleichen Dinge in Bündlein bindet, brennen sie besser.“ Vgl. an Sch. vom 28. Okt. Aus diesem Gedanken entwickelten sich die Xenien, die in der That brannten. Vgl. Schriften der Goethe-Gesellschaft VIII. S. XVI.
2 Zu S. 298. Goethe erwartete die Geburt eines Kindes, das aber nach wenigen Wochen schon starb.
3 Zu Z. 13. Goethes Übersetzung der Frau von Stael Versuch über die Dichtungen erschien im 2. Horenstück 1796.
4 Zu Z. 31. Herder hatte Schiller am 26. Okt. in Jena besucht. Vgl. K.
5 Zu S. 299. Z. 6. Den Göttinger (Herausgeber Reinhard) und den Voßschen Musenalmanach.

 
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