Friedrich
Schiller

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Briefe von Friedrich Schiller

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      Schiller, Friedrich
         Briefe
            1795

Friedrich Schiller an Gottfried Körner.

Jena, den 19 8br. [Montag] 95.

Ich habe in diesen schönen Herbsttagen ordentlich wieder aufgelebt und mich eine Zeitlang ganz erträglich befunden. Heute fuhr ich spazieren, nachdem ich wohl 3 Monate nicht ins Freye gekommen war. Meine Krämpfe regten sich immer stärker, wenn ich ausgehen wollte.

Wenn ich aber physisch wohl bin, so bin ich gewöhnlich moralisch desto müssiger. Ich habe ausser meiner Abhandlung über das Naive, die jedoch mehr Skitze als ordentliche Ausführung ist, nichts gearbeitet. Diese Abhandlung wird im XI. Stück der Horen erscheinen, so wie eine andere ganz kleine über die Gefahr aesthetischer Sitten, eine Fortsetzung des im IXten Stück angefangenen Aufsatzes über die nothwendigen Grenzen des Schönen. –

Du willst von jenem Stück die Verfasser wissen. Schwarzburg ist von einem Frauenzimmer, der Professorin Mereau von hier, die schon verschiedene artige Sachen hat drucken lassen.

Apollo ist von Göthen übersetzt, der Beytrag zur Neuen Kunstgeschichte von Meyern.

Zu dem Trauerspiel bin ich ernstlich entschlossen, werde aber vor 4 bis 6 Wochen noch mit andern Arbeiten für die Horen beschäftigt seyn, ehe ich auf den Plan denken kann. Meine Ideen mit den Chören werde ich Dir, sobald ich Musse habe, vorlegen.

Die Fr. v. Kalb ist willens nächstens Frühjahr wo nicht diesen Winter eine Zeitlang in Dresden zuzubringen. Wir sehen sie jetzt öfters, und ich bin leidlich mit ihr zufrieden, obgleich das angespannte Wesen sie nie verläßt. Du wirst Dich hoffentlich hüten, ihr Dein Logis anzubiethen. Zuweilen gesehen wird sie auch nicht unangenehm seyn, aber eine engere Liaison ist nicht anzurathen.

Schlegel schreibt mir von einem Aufsatz seines Bruders: Diotima: in der Berlin. Monathsschrift, den er für seine beßte Arbeit hält. Hältst Du ihn auch dafür, so schicke mir ihn doch, wenn Du ihn hast, auf einige Posttage zu. Der andere Schlegel hat mir gestern einen andern Beytrag zu den Horen, Poesie und Sylben-Maaß betreffend, geschickt, den ich aber noch nicht gelesen. Doch habe ich ein gutes Vorurtheil für alles, was er schreibt, weil er sich selbst streng ist und die Materien lange mit sich herumzutragen scheint.

Vielleicht ist der HE v. Stein bei euch, wenn dieser Brief ankommt. Grüss ihn schön von uns allen.

Die Musik zum Tanz hat nicht mehr gestochen werden können, aber sie soll schon gedruckt worden seyn. Ich werde sie bald erhalten. In 5 Wochen aber nicht früher wird der Musen Almanach zu haben seyn.

Lebewohl mit den Deinigen

               Dein

Sch.


Bemerkungen

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1 Zu S. 296. Z. 21. Die Malteser.
2 Zu Z. 32. W. Schlegel an Sch. d. ? Okt. 1795 (eingetr. d. 17.). Preuß. Jahrb. IX. 2.
3 Zu S. 297. Z. 5. Briefe über Poesie.
4 Zu Z. 9. Vgl. Nr. 921.

 
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