Friedrich
Schiller

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Briefe von Friedrich Schiller

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      Schiller, Friedrich
         Briefe
            1795

Friedrich Schiller an Siegfried Lebrecht Crusius.

Jena den 5. 8br. [Montag] 95.

Von meinen prosaischen Schriften kann der Zweyte Theil diesen Winter gedruckt werden, wenn es Ihnen gefällig ist. Gerne hätte ich meine Gedichtesammlung auch in dem nächsten Jahre bey Ihnen drucken lassen, aber die Zeit und Sorgfalt, welche diese Arbeit mich kostet, wird mir, ich will es Ihnen aufrichtig gestehen durch das Honorar von 1 Carolin für den Bogen, so wenig vergütet, daß ich mich biß jetzt unmöglich habe entschließen können, meine Zeit die ich für andre Arbeiten ganz anders nutzen kann, derselben aufzuopfern. Ich glaube daher von Ihrer Billigkeit erwarten zu dürfen, daß Sie einen Vorschlag, den ich Ihnen deßhalb thue, gerne genehmigen werden.

Wenn ich nicht offenbaren Schaden haben soll, so müßte mir die Zeit, die ich auf die Revision meiner Gedichte und auf Verfertigung einiger neuen verwenden soll, wenigstens so bezahlt werden, als sie mir durch jeden andern Aufsatz, den ich in dieser Zeit fertigen könnte, vergütet wird. Ich schlage Ihnen also vor, mir entweder für den Bogen das Honorar von vier Ldors zu akkordieren oder wenn Ihnen dieser Preiß zu stark ist, die Entschädigung selbst zu bestimmen, gegen welche Sie mir die Disposition über meine Gedichte wieder abtreten wollen.

Ich will so wenig Ihren Schaden, als ich erwarten darf, daß Sie den meinigen wollen werden. Da Sie so gütig waren, mir eine Summe Geld schon seit 7 Jahren auf meine kleinen Schriften und einschließlich auch auf meine Gedichte zu praenumerieren, wovon der größte Theil noch nicht abgetragen ist, so ist es nicht mehr als billig, dass ich Ihnen nicht nur die Interessen dieser Summe (soviel davon auf Einen Alphabetband Gedichte fällt) sondern auch noch etwas darüber erstatte. Ich bezahle Ihnen also, sobald ich Ihre Willensmeinung weiß, alles was ich Ihnen noch schuldig bin baar heraus, und noch außerdem verinteresse ich Ihnen 21. Carolin (denn soviel betrüge das Honorar der Gedichte nach unserm alten Contracte) auf 7 Jahre lang mit 6 pro Cent also mit der Summe von 9 Carolin. Zu dieser Summe will ich gerne noch etwas legen, um Ihre Entschädigung vollkommen zu machen. Sobald Sie mir Ihre Rechnung übersenden erhalten Sie die Bezahlung meiner ganzen Schuld nebst jener Entschädigung, und Sie können mir dann die folgenden Bände meiner prosaischen Schriften, die ich Ihnen für das alte Honorar lassen will, jedesmal wenn sie gedruckt sind, bezahlen.

Da ich mein Anerbieten für billig halten kann, so erwarte ich eine baldige und befriedigende Antwort, und bin mit aller Werthschätzung

Ihr

ergebenster

F Schiller.

Auch die noch rückständige Bücherrechnung bitte ich mir bey dieser Gelegenheit aus, um sie zu liquidieren.


Bemerkungen

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Beantwortungsvermerk: pro resp. 7./8.
Der Briefbogen trägt einen Stempel S. A. 3 Kr.
1 Crusius bot in Z. bereitwillig 20 Thlr. pro Bogen, glaubte aber zwischen den Zeilen zu lesen, daß Sch. lieber den Verlag einem befreundeten Verleger überbringen würde. Er bat Sch., dies dann ohne Umschweif ihm mitzuteilen. Es würde ihm weh thun, aber er möchte dann auch nicht durch mißfällige Zudringlichkeit stören.

 
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