Friedrich
Schiller

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Briefe von Friedrich Schiller

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      Schiller, Friedrich
         Briefe
            1795

Friedrich Schiller an Wilhelm Schlegel.

Jena den 14. Sept. [Montag] 95.

Ich habe es lange anstehen lassen, Ihnen, mein vortreflicher Freund, für Ihren schönen Beytrag zu dem Almanach Dank zu sagen. Aber ich wollte Ihnen nicht eher schreiben, als biß ich über das Schicksal des Almanachs selbst mehr im reinen seyn würde, welches durch eine sonderbare Verknüpfung von Umständen eine Zeit lang ganz zweifelhaft gewesen ist. Sie haben vielleicht schon gehört, daß der Geschäftsträger von Michaelis 1000 rthl. von demselben zu Auszahlungen bestimmt auf der Post unterschlagen, so wie alle Briefe an Michaelis von hier aus, und von demselben zurückgehalten hat. Da sich die Ursache dieses unbegreiflichen Stillschweigens unmöglich vermuthen liess, so veranlaßte solches ein großes Mistrauen gegen Michaelis, welches sich auch mir mittheilte, und mich nöthigte, die Uebergabe des Mscrpts an denselben biß zu weiterer Aufklärung der Sache zu verschieben. Diese ist nun erfolgt, und der Almanach wie ich höre schon unter der Presse.

Ihr Beytrag, der Ihre Gepräge ganz unverkennbar trägt, war mir sehr willkommen, so wie es alles seyn wird was Sie mir senden. Erfreuen Sie mich bald mit einem neuen Beytrage zu den Horen. Es wäre mir besonders lieb, den letzten 3 Stücken soviel Mannichfaltigkeit als nur immer möglich ist, zu geben. Könnten Sie nicht Muße und Bücher finden, um uns zuweilen einen kleinen Aufsatz von historischem Innhalt zu verschaffen. Daran sind wir vorzüglich arm, sobald etwas vorzügliches erwartet wird.

Was die Herausgabe Ihres ganzen Dante anbetrifft, so sollen Sie darinn durch die Gesetze unsers Journals auf keine Weise geniert seyn. Diese gelten in ihrer ganzen Strenge nur von solchen Aufsätzen, die für sich ein ganzes ausmachen, und wo freylich ein neuer Abdruck ein Nachdruck seyn würde. Ist aber die Schrift nur theilweise in den Horen eingerückt und die größere Parthie zurückgeblieben, so sind anderthalb Jahre ein hinlänglicher Zwischenraum.

Das VII. Horenstück habe ich nach Dresden für Sie gesendet. Das VIII folgt hier.

Im Ixten das in 14 Tagen erscheint, werden Sie viel Poesie antreffen. Der Almanach hat mich aus meinen metaphysischen Distractionen mit neuem Vergnügen zu derselben zurück geführt.

Leben Sie recht wohl, und erschienen Sie mir bald in einem schönen Gedicht oder in einer lieblichen Erzählung. Ganz der

Ihrige

Schiller.

 
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