Friedrich
Schiller

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Briefe von Friedrich Schiller

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      Schiller, Friedrich
         Briefe
            1795

Friedrich Schiller an Friedrich Cotta.

Jena den 7. Sept. [Montag. 1795].

Hier der Beschluß des Neunten Stückes, er enthält nunmehr 17 Artikel, worunter 11 poetische Stücke von mir, nebst einem prosaischen Aufsatz. Wenn ich, wie zu vermuthen, noch über das Manuscript zum Almanach disponieren kann, (denn noch hat der Verleger nicht die geringste Anstalt zum Druck gemacht) so können die 3 letzten Horenstücke jedes zu 20 oder 25 Artikel anwachsen, ohne daß die Bogenzahl überschritten wird. Auch arbeite ich gegenwärtig an einem wichtigen Aufsatz, den sein Ton sowohl als Inhalt zu einer allgemein verständlichen Lecture machen. Ein anderer Aufsatz von mir ist schon biß aufs Abschreiben fertig, und was ich in diesem Monate noch ausarbeite, ist alles für die Horen bestimmt. Von Göthen ligt schon ein Mährchen fertig, womit das X. Stück soll angefangen werden. Er giebt noch mehreres, und vielleicht kann ich ihn noch bereden, einige ungedruckte Scenen aus dem Faust zu geben. Dieß ist indessen noch eine zweifelhafte Sache. Herder wird zu seinem Aufsatz über Homer einen Pendant über Ossian machen. Archenholz hat einen großen historischen Aufsatz zu schicken versprochen. Auch Jacobi will noch etwas leisten.

Dieß sind unsere Erwartungen. Ich verspreche mir demohngeachtet von der Dankbarkeit des Publikums nicht viel; denn mit dem Guten gefällt man selten. Aber, wenn es auch mit den Horen zu Ende geht, so sollen sie doch auf eine ehrenvolle Art aufhören.

Ich muß Sie bitten, in Natur und Schule die Veränderungen vorzunehmen, die hier folgen. Sollte das Stück schon abgedruckt seyn, so müßten Cartons gemacht werden, versteht sich auf meine Kosten. Es ligt mir allzuviel daran, jene Nachlässigkeiten im Silbenmaaß zu verbessern, da Herr Voß sich einbildet, er könne allein Hexameter machen.

Seyen Sie auch so gütig, mir gleich nach Empfang dieses noch 1 PostpapierExemplar des 8ten Stücks zu übermachen, weil ich an den Verfasser des Nr. 4 eines habe abgeben müssen. Ich bitte auch um den Julius der Flora, der vergessen worden ist. Für dieses Journal will ich Ihnen doch einige Kleinigkeiten bald schicken, von der Art wie ich mehrere im Almanach habe. Ich kann Ihnen überhaupt noch recht artige Kleinigkeiten von Andern dazu abgeben, die in meinem Almanach durch die Bogen Zahl ausgeschlossen worden.

Leben Sie recht wohl und behalten guten Muth. Der Ihrige

Sch


Bemerkungen

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Nr. 901 ging erst am 4. Sept., 902 erst am 8. (vgl. Nr. 918) ab.
X. Vom 17. u. 25. Aug. Z. Vom 11. u. 16. Sept.

Empfangs- und Beantwortungsvermerke:
10. Sept.
11. Sept.

 

Empfangs- und Beantwortungsvermerke:
16. Sept.
eod.

1 Zu S. 249. Z. 29. Von den nothwendigen Grenzen des Schönen besonders im Vortrag philosophischer Wahrheiten im 9. Horenstück 1795.
2 Zu S. 250. Z. 22. Der Commissionär ist Wilhelm von Humboldt.
3 Zu S. 251. Z. 6. Vgl. zu Nr. 899.
4 Zu Z. 26. Über das Naive (11. Horenstück 1795).
5 Zu Z. 28. Über die Gefahr ästhetischer Sitten (11. Horenstück 1795).
6 Zu S. 252. Z. 2. Aus dem Faust erschien nichts in den Horen.
7 Zu Z. 4. Herders Aufsatz Homer und Ossian erschien im 10. Horenstück 1795. – Archenholz’ Sobiesky im 12. Horenstück 1795.
8 Zu Z. 6. Von Jacobi erschien nichts mehr in den Horen.
9 Zu Z. 13. Die Änderungen, auf Humboldts Veranlassung vgl. Gödeke, S. S. XI. 436.
10 Zu Z. 20. Der Verfasser der Nr. 4 (8. Horenstück 1795) ist Bendavid.
11 Zu Z. 22. Für die Flora schickte Sch. keine Gedichte.

 
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