Friedrich
Schiller

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Briefe von Friedrich Schiller

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      Schiller, Friedrich
         Briefe
            1795

Friedrich Schiller an Wolfgang von Goethe.

Jena den 31. Aug. [Montag] 95.

Nur zwey Worte heute, Ihnen für Ihr Andenken aus Ilmenau zu danken. Es ist heute der ExpeditionsTag der Horen, wo ich immer viel zu schreiben habe, da ich die Pakete benutze, um Briefe einzuschließen.

Zu einem kleinen „prosaischen“ Amüsement lege ich Ihnen den Extract der Subscriptionsliste für die Horen bey, den mir Cotta heute gesendet hat.

Meinen und H. v. Humboldts Brief, den ich Ihnen nebst den HorenPaketen vorgestern nach Weimar gesendet, haben Sie, weil es ein großes Paket ist, wohl nicht erhalten. Es ist mir aber daran gelegen, auf einige Punkte daraus schnell Ihre Resolution zu erfahren.

1) Schlug ich Ihnen vor, ob wir das Mährchen nicht lieber auf einmal im X Stück geben wollen. Das Publikum ist immer mit dem Abbrechen unzufrieden, und jetzt müssen wir es bey guter Laune erhalten. Für das Neunte Stück weiss ich Rath: dieß darf Sie also nicht bestimmen, wenn Sie sonst nicht wünschen, daß es getrennt erscheint.

2) Fehlt zu dem 101. Epigramm der letzte halbe Pentameter

– – – Es deutet die fallende Blüthe dem Gärtner,
Daß die liebliche Frucht

Wollen Sie mir diese 2 Punkte mit dem schnellsten beantworten?

Mögen Sie in dem stillen geschäftigen Kreis, wo Sie jetzt sind, recht zufrieden seyn und sich unserer mit Liebe erinnern. Frau von Kalb ist seit einigen Tagen hier und bleibt noch einige Tage. Meine Frau grüßt Sie schönstens.

Sch.

         N. S.

In Nr. 28 steht unterständig, wovon ich nicht weiß, ob es Schreibfehler ist. Es gerade zu dafür zu nehmen und unverständig dafür zu setzen, wäre in dem Contexte, worinn es steht, eine zu große Commentators Freyheit. Uebrigens kenne ich kein solches Wort, wenn es wirklich unterständig heißen soll. Resolvieren Sie bald möglichst darauf.


Bemerkungen

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1 Zu S. 246. Z. 9. Goethe muß nach seinem Brief vom 25. Aug. den Anfang des Märchens, Schiller am 24., als er in Jena war, übergeben haben und Schiller zunächst einen ungünstigen Eindruck davon erhalten haben.
2 Zu Z. 26. Goethe wünschte erst in Z., daß das Märchen auf zwei Horenstücke verteilt würde. Aber er stimmte später zu, daß es ganz im 10. Stück abgedruckt werde.
3 Zu Z. 28. Vgl. Nr. 899.
4 Zu S. 247. Z. 19. Die Subskribentenliste ist nicht erhalten, wenigstens mir nicht bekannt. Cotta wollte sie nach dem Briefe vom 7. Aug. am 9ten anfertigen. Auch ein Begleitbrief, in dem Cotta meldete, daß einige Subskribenten mitten im Jahr abgesprungen seien, ist nicht erhalten. Vgl. Nr. 901 und Cotta an Schiller vom 11. Sept.
5 Zu Z. 22. Nach dem Kalender wäre Nr. 898 erst am 30. August, also gestern, abgesandt. Goethe war zu dieser Zeit in Ilmenau.
6 Zu Z. 6. Goethe ergänzt ein Z. den Pentameter: schwellend im Herbste gedeiht.
7 Zu Z. 15. Gemeint ist das 29. Epigramm. Goethe antwortete: „ter ist in be (unbeständig) verwandelt, so mag es wohl noch hingehen.“ Darnach hatte Goethe anfänglich bewußt unterständig geschrieben; ich glaubte erst im Sinne von „dreist“, „in Überhebung“ wie sich unterstehen = sich erdreisten; im Gespräche mit Freunden bin ich eines bessern belehrt worden: Unterständig = unter dem rechten Stand = unterwertig bleibend = inferior.

 
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