Friedrich
Schiller

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Briefe von Friedrich Schiller

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      Schiller, Friedrich
         Briefe
            1795

Friedrich Schiller an Gottfried Körner.

Den 17. Aug. [Montag] 95.

Dein langes Stillschweigen schon seit einem Monat fängt an, mich zu beunruhigen, da ich es mir aus keiner natürlichen Ursache zu erklären weiß. Zwei Briefe von mir an Dich sind noch unbeantwortet, ich erwarte schon seit 14 Tagen Langbeins Gedichte, und hoffte auch von Dir selbst Manuscript zu erhalten. Von allem nichts und ich muß nun beinahe fürchten, daß Du krank seist. Schreib, oder laß in dem letzten Falle mir doch gleich schreiben, was Du machst. Sobald ich Nachricht von Dir habe, kann ich Dir auch etwas zu lesen schicken.

Ich selbst habe mich diesen Sommer nie recht wohl befunden, und ob ich gleich Lust und Kräfte zum Arbeiten hatte, so erlauben mir doch meine Krämpfe kaum, das Haus zu verlassen. Zum Glück wohne ich jetzt angenehm und frei, und kann also das Ausgehen eher missen.

Goethe ist seit 8 Tagen wieder zurück, und dies bringt wieder einige Veränderung in meine Einsamkeit.

Lebe wohl für heute; mit Ungeduld warte ich auf ein Lebenszeichen von Dir, und werde alsdann auch mehr zu schreiben haben.

Mein Musenalmanach ist, was das Manuscript betrifft, in wenig Tagen ganz fertig, und ich denke, daß er unter seinen Brüdern keine schlechte Figur machen soll. Von Goethe allein sind über 150 zusammengehörender Epigramme darin, von Herder auch über 20 Stücke, und von mir etwa 15 kleine und große Gedichte. Die Goetheschen Epigramme kann ich Dir vorher noch senden, sowie meine eigenen Gedichte, weil von beiden Abschriften genommen werden. Auch in dem 9ten Stück der Horen erscheinen zwei größere Gedichte von mir1. Du kannst daraus auf meine poetische Fruchtbarkeit in diesen letzten 7 Wochen den Schluß machen.

S.


1) Das Reich der Schatten, Natur und Schule, Das Bild zu Sais, die Antike an einen Wanderer, Deutsche Treue, Weisheit und Klugheit, An einen Weltverbesserer, Das Höchste, Ilias, Unsterblichkeit. ­


Bemerkungen

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1 Es scheint, daß als Körner am 23. August an Sch. schrieb, er diesen Brief noch nicht erhalten hatte.
S. 237. Als Z. 32. ist nach MDM. einzuschalten: „Lebe recht wohl. Bei mir ist alles wohl, wie ich auch bei Dir hoffe. An M. u. D. herzliche Grüße von uns. Dein.“
Zu S. 237. Z. 5. Die beiden Briefe sind vom 20. Juli und vom 3. August.
Zu Z. 6. Ein Gedicht Langbeins schickte Körner am 23. Aug.
Zu Z. 15. Schiller wohnte seit Mitte April 1795 im Griesbachschen Hause.
Zu Z. 19. Ein Brief Körners vom 18. Aug. traf am 22. bei Schiller ein.
Zu Z. 25: Es stehen im Musenalmanach auf 1796 23 Gedichte Herders und 24 Schillers.

 
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