Friedrich
Schiller

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Briefe von Friedrich Schiller

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      Schiller, Friedrich
         Briefe
            1795

Friedrich Schiller an Gottfried Körner.

Jena den 20. Jul. [Montag] 95.

Um nicht wieder zu vergessen, Dir die Verfasser des 5ten Stücks der Horen zu nennen, will ich gleich damit anfangen: 1) Ueber den Nationalcharakter der Franzosen, von Woltmann. 2) Ueber das Spiel in der engsten Bedeutung, von M. Weißhuhn, der vor 8 Wochen hier gestorben ist. 3) Der Rhodische Genius, von Alexander von Humboldt. 4) Literarische Sansculottismen von Göthe. 5) Gedichte von Voß.

Im 7ten Stücke erscheint die Fortsetzung von Schlegels Dante, ein Aufsatz von D. Erhardt aus Nürnberg über die Idee der Gerechtigkeit als Princip einer Gesetzgebung (zugleich Kritik der plat. Republik), einige Briefe von F. Jacobi1, philosophische Gegenstände betreffend, auch einige Gedichte von Voss, Pfeffel und Woltmann. Dieses Stück wird in 12 Tagen in Deinen Händen seyn.

Es that mir leid, daß Du über meine Briefe im Sechsten Stücke nicht ausführlicher seyn konntest. Wenn Dich diese Veranlassung aber zu einem neuen Aufsatz für die Horen bringt, so will ich sehr damit zufrieden seyn. Dein Aufsatz im Vten Stücke interessirt jedermann, und die Horen befinden sich sehr gut dabey. Könntest Du mehrere kleine Aufsätze von 6 bis 10 Blatt ausarbeiten, so würde dies für uns um so zweckmäßiger seyn. Auch Du selbst würdest Dich leichter dazu gestimmt finden, und in Athem bleiben. Ueber die Tanzkunst, über Terpsichore u. dgl. scheinen sich sehr gut zu solchen kleinen Ganzen zu qualificiren. Wenn Du übrigens machen kannst, daß ich für jedes der 3 letzten Stücke dieses Jahrs (deren Gehalt für den Vortheil des Journals besonders viel entscheiden wird, weil man sich in dieser Zeit zur Subscription entschließt) erhalte, so würdest Du mir damit große Freude machen.

Langbein kannst Du versichern, daß mir sein Anerbieten große Freude macht. Von den ersten Tagen des August an wird der Druck des Almanach angefangen, den die neue HofBuchhandlung in Neu-Strelitz verlegt, und Unger in Berlin druckt. Wenn nun also Herr Langbein etwa in zwölf Tagen etwas schickt für die ersten Bogen und ohngefähr gegen den 14. August wieder etwas für die letzten Bogen, so ist es gut. Nach dem 14. August möchte es aber zu spät seyn, denn der Almanach soll mit den ersten Tagen Septembers abgedruckt seyn.

Von Goethens Elegien sind die derbsten weggelassen worden, um die Decenz nicht zu sehr zu beleidigen.

Mein Beytrag zum Almanach wird sich schwerlich über 3 Gedichte erstrecken; denn die 8 Wochen, die ich dazu bestimmte, sind bald vorüber, und ich bin noch am 3ten Gedicht. Seit vierzehn Tagen haben meine Krämpfe mich so geplagt, daß ich fast gar keine Feder ansetzen konnte.

Lebewohl. Herzliche Grüße von uns allen an euch.

               D.

Sch.


1) Diese erschienen erst im achten Hefte.


Bemerkungen

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1 Zu S. 213. Z. 10. Von Körner erschien erst wieder im 12. Horenstück 1796 ein Beitrag.
2 Zu Z. 15. Körner hatte in X. einen Brief von einem Gebhardt an ihn mitgesandt, in dem dieser schrieb, Langbein sei bereit, in Schillers Musenalmanach Beiträge zu geben. Vgl. Urlichs, Brfe. a. Sch. S. 222.
3 Zu Z. 24. Vgl. Goethe an Sch. vom 12. und 17. Mai und Sch. an Goethe vom 15. Mai.
4 Zu Z. 26. Der Musenalmanach Beiträge zu geben. Vgl. Urlichs, Brfe. a. Sch. S. 222.
5 Zu Z. 24. Vgl. Goethe an Sch. vom 12. und 17. Mai und Sch. an Goethe vom 15. Mai.
6 Zu Z. 26. Der Musenalmanach auf 1796 enthielt 24 Gedichte Schillers.

 
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