Friedrich
Schiller

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Briefe von Friedrich Schiller

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      Schiller, Friedrich
         Briefe
            1795

Friedrich Schiller an Friedrich Cotta.

Jena den 20. Juli [Montag] 95.

Ehe ich es vergesse, lieber Freund, so bitte ich Sie in den Ergießungen von Jacobi einen Schreibfehler zu verbessern, und anstatt Maximilian Kaiser Leopold zu setzen. Jacobi hat mir von Hamburg aus dieses Versehen gemeldet.

Wenn es Ihnen nichts verschlägt, so wünschte ich, daß Sie Jacobin ein FreiExemplar der Horen (das erste Stück habe ich ihm schon geschickt) senden wollten. Es ligt mir daran, ihn für die Horen in Eifer zu setzen und darinn zu erhalten. Auch weiß ich, daß er für eine solche Aufmerksamkeit sehr empfindlich ist. Es müßte aber ein Exemplar auf Postpapier seyn. Seien Adresse ist an Hrn. GeheimenRath Jacobi nach Eutin, wo er sich vier Wochen aufhalten wird. Die folgende Exemplare an ihn können Sie, biß auf weitere Nachricht, an mich einschließen.

Ich habe, um nicht zu viele kleine Geldberechnungen mit Gablern allhier zu haben, für die an ihn eingeschlossenen Paquete kein Porto genommen; damit wir ihm aber nichts schenken, so seyen Sie so gut von dem achten Stück an die Adresse umzukehren, und das für mich bestimmte Paquet an ihn einzuschließen.

Hier der dritte Aufsatz zum achten Stück, den vierten und letzten werde ich nächsten Posttag senden. Auch das achte Stück wird nicht volle 7 Bogen enthalten. Ich hoffe, daß Sie die Gedichte, welche ich Ihnen zur Fürsorge für das siebente Stück geschickt, nicht werden nöthig gehabt haben und mir also zurückschicken können.

Göschen ist noch immer sehr unwillig und beträgt sich überhaupt höchst plump. Ich bin überzeugt und kann es aus seinen neuesten Aeußerungen schließen, daß er in seinem Grimm auf mich, besonders wenn ich diesen noch mehr erregen sollte, mir auch den Karlos an den Hals werfen wird, um zu zeigen, daß er mich nicht brauche und nichts mit mir zu schaffen haben wolle. Was meynen Sie, wenn ich ihn jetzt noch etwas in Zorn brächte, und ihm alsdann für ein großes Honorar den Verlag meiner Schauspiele anböte? Ich will indeß diesen Schritt nicht thun, ohne Ihre Einwilligung, aber so wie die Sachen stehen, bin ich fest überzeugt, daß er die Offerte grob zurückweisen und uns auf diese Art über den Carlos freye Hand lassen wird. Ich werde ihm 5 Ldors für den Bogen abfodern, eine Summe, die ich von Ihnen nie verlangen werde, und sollte er gegen alle meine Erwartung die Foderung eingehen, so zahle ich Ihnen 2 Ldors von jedem Bogen heraus, denn 3 Ldors ist alles, was ich für den Bogen meiner theatralischen Schriften verlangen kann.

Ueberlegen Sie meinen Vorschlag und beantworten ihn bald. Der Ihrige

Sch.


Bemerkungen

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Empfangs- und Beantwortungsvermerk:
29. Jul.
eod.

1 Zu S. 211. Z. 6. Am 20. Juli empfing Sch. einen Brief von Jacobi. Vgl. K., in dem dieser vermutlich den Schreibfehler anmeldete. Die Antwort auf Nr. 876 (Schillers Brief vom 9. Juli) konnte es noch nicht sein, da Jacobi Schs. Brief erst in Eutin am 18.Juli empfing.
2 Zu Z. 17. Gabler war Buchhändler in Jena.
3 Zu Z. 22. Der 3. Aufsatz des 8. Horenstücks war von Gros (Über die Idee der Alten vom Schicksal), der 4. von Bendavid (Über griechische und gothische Baukunst). Gros hatte am 17. Juli aus Göttingen diesen Aufsatz mit einem Brief an Sch. abgesandt; der Brief im Brfw. m. C. S. 100. Über Carl Heinrich Gros und Lazarus Bendavid vgl. die Allgem. Deutsche Biographie.
4 Zu Z. 28. Vgl. Nr. 849.
5 Zu S. 212. Z. 5. Cotta lehnte die Einwilligung zu diesem geschäftlich gewagten und nicht gerade feinem Schritte edelsinnig ab. Vgl. Z.

 
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