Friedrich
Schiller

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Briefe von Friedrich Schiller

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      Schiller, Friedrich
         Briefe
            1795

Friedrich Schiller an Friedrich Cotta.

Jena den 6. Juli [Montag] 1795.

Haben Sie die Güte lieber Freund beykommende Briefe baldmöglichst zu besorgen.

Ich bin in Sorgen, daß das Ihnen zugeschickte Manuscript für das Siebente Stück nicht hinreichen möchte, und alles was ich noch sonst schicken könnte ist viel zu groß für dieses Stück und darf doch nicht abgebrochen werden. Sehen Sie also, wie Sie es machen, daß wenigstens 6 Bogen voll werden, wen auch nicht von ordentlichen Aufsätzen, doch von Avertissements und dgl. Wenn das Manuscript nur einige Blätter über 5 Bogen füllt, so ist es zur Noth schon genug. Können Sie aber vielleicht einige Stücke von Pfeffel, die für die Flora bestimmt sind, missen, so borgen Sie sie den Horen. Ich will Ihnen dann den Valor auf irgend eine andre Art für die Flora erstatten. Dieß ist aber nur in dem Fall nöthig, daß von dem abgeschickten Manuscript nicht über 5 Bogen angefüllt werden sollten.

Hier folgt auch neues Manuscript für das 8te Stück. Die ersten 5 oder 6 Zeilen dieses Aufsatzes befinden sich noch auf dem vorhergehenden Mscpt. des Dante und Sie werden so gut seyn, die Ueberschrift und Nummer zu besorgen.

Jetzt eine Hauptfrage. Wir haben hier mit einander überlegt, ob es nicht für die Horen empfehlend seyn würde, wenn wir von dem nächsten Jahr an einen achten Bogen, bloß Critik enthaltend lieferten, in welchem wir uns anheischig machten, alles was von einer Messe zur andern im Fach der schönen Litteratur herauskommt kurz, aber beurtheilend, anzuzeigen, so daß nichts übergangen würde. Wir würden dadurch leisten, was selbst die Allg. Litt. Zeitung nicht leistet, nehmlich Vollständigkeit in dem Fache, das wir erwählen. Wir würden uns fruchtbar machen, und was das vornehmste ist, eine erstaunliche Mannichfaltigkeit in die Horen bringen, indem der einzige achte Bogen zwischen 40-50 Schriften jeden Monat anzeigen müßte.

Dazu würde aber gehören, daß Sie uns die Recensenda lieferten, welches immer da das Fach der Schönen Litteratur gegen 700 Schriften enthält, ein beträchtliches Objekt seyn würde. Ich zweifle aber nicht, daß Sie sowohl als wir viele Schriften umsonst erhalten würden, und von den meisten Buchhändlern würden Sie wenigstens die Hälfte Rabatt erhalten. Sobald eine MeßLieferung recensirt wäre, so erhielten Sie die Exempl. entweder zurük, oder ließen solche dem Recensenten um den Rabatt. Auch könnten die Schriften hier und in Halle verauctioniert werden.

Der achte Bogen würde sehr enge gedruckt, und Sie bezahlten ihn mit 6 Louisdor Honorar.

Denken Sie dem Vorschlage nach – er kostet Sie freylich mehr, aber hier ist zu überlegen, ob man nicht die Existenz des ganzen Journals durch diese Ausgabe sicher stellt. Indessen wollen wir Ihrem eigenen Vortheil keineswegs zu nahe treten, und finden Sie die Sache zu kostbar, so stehen wir gern davon ab.

Eben fällt mir ein, daß ich ein paar kleine Gedichte aus meinem Almanach aufopfern und für das Siebente Stück hergeben kann. Doch wenn das alte Manuscript 84 Seiten beträgt, so behalten Sie die Gedichte ja zurück und schicken sie mir wieder. Adieu.

Dante will ich mit nächster Post nachsenden.


Bemerkungen

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Empfangs- und Beantwortungsvermerk:
15. Juli.
17. Juli.

1 Zu S. 204. Z. 19. Die mitgesandten Briefe kenne ich nicht.
2 Zu S. 205. Z. 4. Das Manuskript war Schlegels Ugolino und Ruggieri, Fortsetzung von Dantes Hölle.
3 Zu Z. 8. Cotta erklärte sich in Z. dieser Hauptfrage gegenüber breit, aber äußerte doch Zweifel am Erfolge. Schiller ließ den Plan fallen. – Wir – natürlich Goethe und Schiller. Der Plan wird besprochen sein bei Goethes Aufenthalt in Jena am 29. Juni. Vgl. auch Nr. 863.
4 Zu S. 206. Z. 6. Cotta schickte die Gedichte zurück.

 
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