Friedrich
Schiller

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Briefe von Friedrich Schiller

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         Briefe
            1795

Friedrich Schiller an Gottfried Körner.

Den 4. Jul. [Sonnabend] 95.

Nur 2 Worte, um diese Sendung der Horen zu begleiten. Ich habe heute eine schreckliche Expedition von Briefen.

Göthe ist in Karlsbad und Humboldt auf 2 Monate nach Berlin. Ich bin also ziemlich verlassen hier. Dafür will ich desto fleißiger seyn. Ich lebe jetzt ganz cavalierement; denn ich mache – Gedichte für meinen Musen Almanach. Närrisch genug komme ich mir damit vor.

Dein Aufsatz macht überall viel Sensation und wer von dem 5ten Stück d. Horen spricht, der erwähnt ihn zuerst. Du kannst also mit Deinem Debüt in den Horen wohl zufrieden seyn. Ein Aufsatz von Dir über lyrische poesie soll mich sehr freuen. Die Materie ist sehr für Dich. Laß ihn nur ja nicht liegen.

Vor einiger Zeit las ich im deutschen Merkur einen Aufsatz von Deinem Schlegel über die Grenzen des Schönen1. Welche Verworrenheit des Begriffs und welche Härte der Darstellung herrschte darinn. So etwas mußt Du ihm nicht schenken, wenn Du ihm die Wahrheit sagen darfst. Er hat Kenntnisse, und denkt über seinen Gegenstand. Aber er bringt es nicht biß zur Klarheit, und eben deßwegen auch nicht zur Leichtigkeit in der Diction. Ich fürchte doch, er hat zum Schriftsteller kein Talent.

Ist Langbein nicht in Dresden, und könntest Du mir nicht etwa einige Kleinigkeiten für meinen Almanach von ihm verschaffen?

Lebe wohl. Von meiner Frau an euch alle die herzlichsten Grüße.

               Dein

Sch.


1) Von Fr. Schlegel. Merkur 1795, Mai. S. 79-92.


Bemerkungen

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1 Zu S. 201. Z. 10. Über Charakterdarstellung in der Musik. Vgl. Humboldt an Sch. 17. Juli.
2 Zu Z. 13. Vgl. X. Der Aufsatz ist wie so viele Körnersche Pläne nicht ausgeführt worden.
3 Zu Z. 16. Friedrich Schlegel.
4 Zu Z. 24. Langbein ließ durch Gebhardt an Körner seine Bereitwilligkeit erklären. Vgl. Urlichs, Brfe. an Sch. S. 222.

 
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