Friedrich
Schiller

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Briefe von Friedrich Schiller

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            1795

Friedrich Schiller an Friedrich von Matthisson.

Jena, den 18. Juni [Donnerstag] 1795.

Schon viele Monate habe ich Sie, mein lieber Freund, wie einen verlorenen Tropfen im Ocean, in der ganzen bewohnbaren Welt aufsuchen lassen, aber meine Kundschafter haben mich so schlecht bedient, daß ich erst seit wenig Tagen den Ort Ihres gegenwärtigen Aufenthalts habe erfahren können. Was ich Ihnen zu sagen haben, überlasse ich Ihrem eigenen Gewissen. Sie haben ein doppeltes Versprechen zu erfüllen, und ich schenke es Ihnen nicht. Schon sechs Monate sind die Horen in der Welt, und Sie thun noch gar nicht, als wenn Sie mit zu unserer Societät gehörten. In sechs Wochen muß ich den Musen-Almanach in Druck geben, zu dem ich mit Schmerzen Beyträge von Ihnen erwarte. Diese letztern, als das pressanteste, lege ich Ihnen jetzt dringend ans Herz. Senden Sie mir, um der Neuen Musen willen, binnen fünf Wochen, einige frische Blumen in den Kranz, den ich flechte.

Für die Horen hoffe ich, wenigstens noch in diesem laufenden Jahr, etwas von Ihrer Hand zu erhalten. Ich nehme keine Entschuldigung an. Ihr langes Stillschweigen läßt mich hoffen, daß Sie recht fleißig gewesen sind, und vielleicht an einem größern Ganzen gearbeitet haben. Darf ich wissen, was Sie beschäftigt hat?

Für jetzt und für immer

Ihr aufrichtiger Freund

Schiller.


Bemerkungen

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Zum Datum bemerkt Boxberger, der das Original gesehen haben muß: Ich lese 13. Dazu würde stimmen, daß Sch. auch an Herder in Nr. 859 schreibt, nach 6 Wochen soll der Druck des Almanachs beginnen.
S. 188. Z. 25. Lies: Neun (Neuen Druckfehler).
1 Zu S. 188. Z. 15. Matthisson war damals wohl schon in Dessau.
2 Zu Z. 19. Die Horen brachten nur im 5. Stück 1796 Matthissons Elegie.
3 Zu Z. 22. Der Almanach für 1796 brachte nichts von Matthisson.

 
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