Friedrich
Schiller

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Briefe von Friedrich Schiller

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      Schiller, Friedrich
         Briefe
            1795

Friedrich Schiller an Wolfgang von Goethe.

Jena d. 18. May [Montag] 95.

Nur zwey Worte, um Ihnen den Empfang der Elegien zu melden, und für den II Theil Meisters meinen und meiner Frau herzlichen Dank zu sagen. Was ich in der Geschwindigkeit (denn ich wollte ihn gleich binden lassen) von Serlos Geschichte las, ist äuserst unterhaltend, und ich freue mich nun schon auf den Eindruck, den dieser Theil im Zusammenhang auf mich machen wird.

Zu den Elegien wollten Sie Anmerkungen geben, welches gewiß nicht überflüssig wäre. Da solche am Ende derselben, wie man es jetzt gewöhnlich zu halten pflegt, folgen könnten, so wäre dazu noch biß Montag Zeit. Das Publikum läßt sich gern alles erklären.

Daß Sie wieder beßer sind, hat mir H. v. Humboldt zu meiner herzlichen Freude versichert. Ich habe ihm auf Ihre Erlaubniß die Terpsichore gegeben, die mir Herder unterdessen geschickt hat. So weit ich darinn las, ist es eine sehr glückliche Arbeit, und ein solcher Dichter war es in jedem Betrachte werth, in einer so schönen Form aus der Vergeßenheit aufzustehen.

Wenn wir zu den Ueberschriften der einzelnen Elegien recht viel Raum übrig lassen, so können wir jede auf einer eigenen Seite anfangen, ohne daß sie zu hoch oben aufhört. Ich werde denselben Druck wie bey den Episteln dazu nehmen lassen. Und so wandre denn der Centaur in einer guten Stunde in die Welt.

Mich erfreut sehr, Sie in einigen Wochen zu sehen. Wenn ich darauf rechnen kann, daß Sie am letzten des Monats gewiß hier sind, so hoffe ich Ihnen meine Briefe noch vorher lesen zu können, ehe sie abgehen, welches mir sehr lieb seyn sollte.

Daß Sie für das Siebente Stück so freundlich sorgen, dafür sey Ihnen tausend Dank gesagt. Unterdessen haben sich wieder 3 Mitarbeiter gemeldet, deren Arbeiten ich alle nicht brauchen kann.

Leben Sie recht wohl.

Sch.


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1 Zu S. 175. Z. 10. Goethe urteilte über die Terpsichore auch sehr günstig. Vgl. X. und Tag- und Jahreshefte 1795, 127.
Zu Z. 18. Der Centaur ist das 6. Horenstück, das nur Goethes Elegien und Schillers Fortsetzung der aesthet. Briefe brachte.

 
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