Friedrich
Schiller

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Briefe von Friedrich Schiller

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      Schiller, Friedrich
         Briefe
            1795

Friedrich Schiller an Christoph Gottlieb von Murr.

Jena den 5. May [Dienstag] 95.

Was werden Sie von mir denken, Hochgeehrtester Herr, daß ich Ihnen für die angenehmen Geschenke, die Sie mir im vorigen Jahr so gütig übersandt haben, noch immer nicht Dank gesagt habe? Damals als ich Sie empfieng hinderte mich meine Krankheit, Ihnen sogleich zu antworten, und nachher kamen soviel zerstreute Geschäfte dazwischen, daß diese Bezeugung meiner Schuldigkeit von Tag zu Tag hinaus geschoben wurde, so daß ich endlich, wie es oft geschieht, aus Beschämung schwieg. Vergeben Sie mir also, würdiger Mann, diese meine Unhöflichkeit und Undankbarkeit, und denken Sie darum nicht schlimmer von mir. Mit dem aufrichtigsten Herzen versichere ich Ihnen, daß jene Zeichen Ihrer freundschaftlichen Gesinnungen gegen mich den größten Wert für mich haben und mich zu Ihrem verpflichteten Schuldner machen. Nicht um diese Schuld zu tilgen, bloß um Ihnen ein kleines Zeichen meiner Hochachtung zu geben, nehme ich mir die Freyheit, einige Kleinigkeiten von meiner Feder beyzulegen, die ich in Ihrer Büchersammlung aufzustellen bitte. Die Sammlung prosaischer Aufsätze wird durch mehrere Bände fortgesetzt, welche ich, sowie sie erscheinen, Ihnen zuschicken werde.

Ihre Anfrage wegen des Dante kann ich nicht sogleich beantworten, weil der Verfasser dieser Uebersetzung gegenwärtig außerhalb Deutschland sich befindet.

Hochachtungsvoll verharre ich

         Ew. Hochwohlgeb.
                  gehorsamster Diener

Schiller.


Bemerkungen

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1 Zu S. 168. Z. 4. Murr hatte am 8. Juli 1794 ein Paket an Schiller gesandt. Es waren Bücher, die Murr verfaßt hatte, darin, deren eines „Haoh Kjöh Tschwen, d. i. die angenehme Geschichte des Haoh Kjöh. Aus dem Chinesischen in das Englische und aus diesem in das Deutsche übersetzt“ sich in der Erfurter Bibliothek befindet und die Widmung trägt: Celeberrimo vati, F. SCHILLERO d. d. q. interpres d. 5. Juli 1794. Ein zweites Buch Murrs: Beyträge zur Geschichte des dreißigjährigen Kriegs, benutzte Schiller bei seinem Wallenstein. Vgl. Boxberger, Arch. f. Littgesch. II. 169 ff.
2 Zu Z. 22. Murr hatte zu Schlegels Danteaufsätzen in den Horen für diesen historische Notizen zum canto 33 angeboten. Schiller vergaß in seinem Brief an W. Schlegel vom 12. Juni 1795 dieses Anerbieten zu erwähnen.

 
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