Friedrich
Schiller

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Briefe von Friedrich Schiller

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      Schiller, Friedrich
         Briefe
            1795

Friedrich Schiller an Gottfried Körner.

Jena den 4. May [Montag] 95.

Zu meiner großen Freude erhielt ich gestern Deinen Aufsatz, und heute sende ich ihn ab. Kaum habe ich ihn flüchtig durchlaufen können, weil ich ihn zur Fürsorge noch einmal copiren lassen muß. Wenn ich ihn abgedruckt lese, will ich Dir darüber mein Urtheil sagen.

Was Du über Arbeiten dieser Art überhaupt schreibst, finde ich nur allzubegründet. Man ist in die Nothwendigkeit gesetzt, bei jeder einzelnen Ausführung in dieser Gattung erst eine Elementarphilosophie vorauszuschicken, weil man sich auf nichts allgemein Geltendes berufen kann; und diese Generalia machen alsdann die Sache für ein Journal viel zu trocken. Aber eben darauf gründe ich meinen schriftstellerischen Plan für die Horen. Absichtlich sende ich in meinen Briefen meine Elementarphilosophie voraus, um nachher bei einzelnen Ausführungen darauf zurückweisen zu können. Auf diese Art hoffe ich in der Folge mehrerer Jahre keinen wichtigen Satz aus den 2 und 3 ersten Lieferungen unerörtert zu lassen; denn habe ich nur erst das Allgemeine vorangehen lassen, so nehme ich einzelne Materien vor, auf welche ich dann jene Hauptsätze anwende.

Schlegeln werde ich nächstens schreiben. Du wirst dieser Tage sechzehn Carolin für ihn von Cotta erhalten, oder erhalten haben; die Anweisung habe ich schon gegeben. Ich bezahle ihm für jeden Bogen 5 Ldors.

Funks Zurückkunft freut mich sehr. Auch mißfällt mir sein Abfall von der Geschichte nicht; er hat doch zu wenig historische Kenntnisse im Ganzen, um es in der Geschichte zu etwas Vorzüglichem bringen zu können. Philosophische Beschäftigungen haben so viele gelehrte Zurüstungen nicht nöthig, machen den Geist gesunder, und geben unendlich mehr Genuß.

Ich wünschte nun herzlich, Dich mit einer neuen Arbeit für die Horen beschäftigt zu sehen. Ist Dir noch nichts eingefallen? Denke doch nach, und schreib mirs. Eine kritische Darstellung irgend eines merkwürdigen Dichters oder dergl. wäre offenbar ein Thema für Dich; nur weiß ich noch nicht, welchen Mann ich Dir in Vorschlag bringen soll. Deine Gründe, warum Du Goethe nicht erwählen magst, kann ich nicht mißbilligen.

Matthissons Briefe sind ein herzlich mittelmäßiges Product. Du mußt ihn in einer Deiner toleranten Stunden gesprochen haben; denn sonst zweifle ich, daß Du hättest Geschmack an ihm finden können.

Hier ein Brief von Huber, den ich heute erhalten habe. Vielleicht erfährst Du doch gern, wie es jetzt in ihm und bei ihm aussieht. Schicke mir aber den Brief zurück, und dann vergiß nicht, mir zu schreiben, ob das Geld für Schlegeln ausbezahlt worden.

Dein

S.


Bemerkungen

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S. 166. Z. 28. MDM. Hubern. Als Z. 33. einzuschalten nach MDM. Herzliche Grüße an alle von mir und meiner Frau. Humboldt habe ich seit Deinem Brief noch nicht gesprochen.
1 Zu S. 166. Z. 7. Das Geld war Honorar für Wilhelm Schlegel, das ihm sein Bruder senden sollte. In Wilhelm Schlegels Brief vom 4. Juni (Preuß. Jahrb. IX. S. 199 meldet er, daß sein Bruder ihm den Empfang des Geldes gemeldet habe.
2 Zu Z. 11. vgl. X.
3 Zu Z. 22. vgl. X.
4 Zu Z. 28. Hubers Brief meines Wissens noch unbekannt. Vgl. zu Nr. 844.

 
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