Friedrich
Schiller

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Briefe von Friedrich Schiller

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      Schiller, Friedrich
         Briefe
            1795

Friedrich Schiller an Gottfried Körner.

Jena d. 1. May [Freitag] 95.

Mit Ungeduld habe ich schon 3 Posttage auf Nachricht von Dir gewartet, und kann mir das Ausbleiben nicht erklären. Auch kann ich Dir Deines Aufsatzes wegen keine längere Frist geben, und muß solchen schlechterdings Montag als den 4ten May von hier absenden.

Ich befand mich seit einigen Wochen gar nicht recht wohl, weil ein heftiger Catarrh mir stark zusetzte. Jetzt fange ich wieder an mich zu erhohlen, und mich in meiner neuen schönen Wohnung der angenehmen Jahrszeit zu erfreuen. Auch meine Frau war nicht gesund; nur der Kleine hat sich wohl befunden.

Göthe ist noch immer hier, und wir bringen viele vergnügte Stunden miteinander zu. Wärst Du doch auch in unserem Kreise.

Cotta, der vor einigen Tagen hier durchkam, hat von den Horen große Hofnungen. Er ist nicht weit von 1800 Exempl. und äuserst zufrieden.

Mache nur, daß Du fleißig Antheil an dem Journal nehmen kannst. Du erhältst für den Bogen sechs Ldors., und der enge Druck wird im nächsten Jahr aufhören.

Die Fortsetzung meiner Briefe folgt im 6ten Stück, nebst Göthens Elegien.

Fichte wird diesen Sommer nicht hier seyn. Er hat sich in die academische Ordens Geschichte gemischt, worüber die Studenten so ergrimmt worden sind, daß sie ihm alles Herzeleyd anthaten. Nun hat er den übeln Weg ergriffen, sich zurückzuziehen und dem wilden Gesindel das Feld zu räumen.

Humboldt reist diesen Sommer auf 3 Monate nach Berlin. Wie bist Du mit seinem Aufsatz über Männl. und Weibl. Form zufrieden?

Meine Frau grüßt herzlich Dich und die Frauen. Lebewohl

               Dein

Sch.


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1 Zu S. 164. Z. 3. Vgl. zu Nr. 841.
2 Zu Z. 11. Zu Fichtes Händeln vgl. Goethe, Tag- und Jahreshefte 1795, 120.

 
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