Friedrich
Schiller

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Briefe von Friedrich Schiller

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      Schiller, Friedrich
         Briefe
            1795

Friedrich Schiller an Gottfried Körner.

Jena, den 10. April [Freitag] 1795.

Es freut mich, daß die Büste glücklich angekommen ist, und Dir gefällt. Du wirst den Professor Dannecker recht erfreuen, wenn Du ihm einige Worte darüber schreibst.

Deinem Aufsatz sehe ich mit Verlangen entgegen. Uebereilen darfst Du Dich aber nicht; denn glücklicherweise habe ich das Manuscript für den Anfang des Stücks in Händen; wenn ich also Deinen Aufsatz nur vor dem 21sten April habe, so ist es noch Zeit damit.

Das Stück, worin er erscheint, wird sehr reichhaltig. Es wird 8 verschiedene Aufsätze enthalten.

Kant hat mir einen recht freundschaftlichen Brief geschrieben; bittet aber in Ansehung der Horen um Aufschub. Ueber meine ästhetischen Briefe, die er sehr rühmt, will er mir mehr schreiben, wenn er sie erst studirt hat. Mich freut indessen nur, daß wir den Alten doch in unserer Societät haben.

Goethe ist schon seit 14 Tagen hier, und erscheint jeden Abend pünktlich, wo dann allerlei durchgesprochen wird. Er ist jetzt mit einem Trauerspiel im alt-griechischen Geschmack beschäftigt: der Inhalt ist die Befreiung des Prometheus.

Der zweite Theil Meisters erscheint gewiß auf der Messe.

Hast Du ein Gedicht von Wieland: Die Wasserkufe, in einem der letzten Stücke des Mercurs gelesen1. Es ist recht artig.

Was denkst Du zu einer Charakteristik des Goetheschen Genies aus allen seinen Schriften? Wäre dies nicht eine interessante Arbeit für Dich? – Denn jetzt mußt Du doch ernstlich auf einen neuen Aufsatz denken?

In 3 Tagen beziehe ich ein neues Logis, worauf ich mich sehr freue, weil ich dort eine viel angenehmere Existenz haben werde.

               Dein

Sch.


1) Merkur 1795 März S. 239 ff. ­


Bemerkungen

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S. 163. Z. 8. MDM. 2te. Z. 19. Als Z. 19. schalte ein nach MDM. Lebe wohl. Herzliche Grüße an alle. Z. 20. Als Z. 21. schalte ein nach MDM. Inliegender Brief ist an Dorchen.
1 Zu S. 162. Z. 21. Körners Aufsatz über Charakterdarstellung in der Musik, der im 5. Horenstück erschien.
2 Zu Z. 26. Reichhaltig war das 5. Stück, insofern es 9 Nummern zählte; sonst nannte es Schiller im Brief an Goethe vom 27. Januar 1796 das schlechteste von allen. Körners Aufsatz aber schätzte er wirklich.
3 Zu Z. 29. Kants Brief vom 30. März 1795. Vgl. zu Nr. 719.
4 Zu S. 163. Z. 16. Schiller zog in das Griesbachsche Haus. Vgl. Litzmann, Schiller in Jena S. 111.

 
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