Friedrich
Schiller

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Briefe von Friedrich Schiller

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      Schiller, Friedrich
         Briefe
            1795

Friedrich Schiller an Wolfgang von Goethe.

Jena den 27. Feb. [Freitag] 95.

Wenn die freundlichen Tage, die wir hier haben, auch von Ihnen genoßen werden, so wünsche ich dem Vierten Buch von W. Meister dazu Glück. Mich hat diese Ankündigung des Frühlings recht erquickt und über mein Geschäft, das dessen sehr bedurfte, ein neues Leben ausgegoßen. Wie sind wir doch mit aller unsrer geprahlten Selbstständigkeit an die Kräfte der Natur angebunden, und was ist unser Wille, wenn die Natur versagt! Worüber ich schon 5 Wochen fruchtlos brütete, das hat ein milder Sonnenblick binnen 3 Tagen in mir gelöst; freilich mag meine bißherige Beharrlichkeit diese Entwicklung vorbereitet haben, aber die Entwicklung selbst brachte mir doch die erwärmende Sonne mit.

Ich bemächtige mich meines Stoffes immer mehr und entdecke mit jedem Schritt, den ich vorwärts thue, wie fest und sicher der Grund ist, auf welchem ich baute. Einen Entwurf, der das Ganze umstürzen könnte, habe ich von nun an nicht mehr zu fürchten, und gegen einzelne Irrthümer in der Anwendung wird die strenge Verbindung des Ganzen selbst mich sicher stellen, wie den Mathematiker die Rechnung selbst vor jedem Rechnungsfehler warnt.

Mit unserem Transcendentalphilosophen, der die academische Freyheit so wenig zu schätzen weiß, habe ich – da er selbst nicht sichtbar ist – durch Niethammers mediation es dahin geleitet, daß er sich mit dem zeitig. Prorector friedlich setzen will, und also wahrscheinlich auch wird in Frieden gelassen werden. Ich habe keine Ursache zu glauben, daß er Facta verdreht hat; wenn er aber die Wahrheit sagt, so hat sich Hr. Prof. Schmidt das Praedicat, das er ihm gegeben, selbst zuzuschreiben; denn, wie Weißhuhn versichert, so hat ihm derselbe mit ausdrücklichen Worten versichert, daß er biß auf Ostern in Ruhe gelaßen und ihm keine Erklärung, seines Hierbleibens wegen, abgefodert werden solle; nachher aber hat er sein gegebenes Wort abgeläugnet u. d. gl. Da Weißhuhn meynte, daß ein solches Betragen nicht von dem Prorector Schmidt, sondern von dem Professor Schmidt herrühren könne, so hat er, bey allem Respect gegen den ersten, den andern impertinent gefunden.

Die neuen Horen sind fertig, und ein Exemplar davon ist mir schon mit der Briefpost zugeschickt worden. Morgen erwarte ich das Paquet. Wir haben in dem 2ten Heft die Schuld völlig getilgt, die wir in dem 1ten machten, denn es enthält anstatt 7 Bogen und 8 und ¼ Bogen.

Ihrem Versprechen gemäß können wir mit jedem Tag einen Besuch von Ihnen erwarten, worauf ich mich herzlich freue. Alles ist wohl und empfiehlt sich Ihnen aufs beßte.

Schiller.

NS. Die Synonymen haben Sie letzthin beyzulegen vergeßen.


Bemerkungen

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1 Zu S. 136. Z. 17. Das Ganze sind die Briefe über die ästhetische Erziehung.
2 Zu Z. 12. Weißhuhn. Vgl. zu Nr. 815.
3 Zu S. 137. Z. 14. Vgl. zu Nr. 815.

 
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