Friedrich
Schiller

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Briefe von Friedrich Schiller

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            1795

Friedrich Schiller an Heinrich Meyer.

Jena den 5 Februar [Donnerstag] 1795.

Für die überschickten Folianten danke ich Ihnen bestens. Noch habe ich über Geschäften nicht dazu kommen können, mich darüber zu machen.

Durch Ihre Beantwortung meiner Anfrage die Künstlerkritik betreffend haben Sie mir eine recht angenehme Hoffnung erweckt. Die Anzahl von Meistern mit denen Sie bekannt sind ist schon so beträchtlich groß, daß sich etwas darauf unternehmen läßt. Viel Kunst in der Einkleidung erfordert eine solche Arbeit gerade nicht. Es ist genug, bestimmt und kurz zu seyn. Auch bin ich zufriden, wenn nach gemachtem Anfang monatlich nur zwey oder drey gedruckte Blätter geliefert werden. Wollen Sie, bis wir uns mündlich unterreden können, einstweilen nur auf Ihren Vorrath und auf die etwa dabei zu treffende Ordnung denken?

Von der Thalia, die Sie durchblättern wollen, übersende ich Ihnen was ich gerade bei der Hand habe. Auch lege ich ein Avertissement von einem neuen Jouurnal-Institut bei, welches sich zunächst mit Kunstkritik abgibt, von dem ich mir aber noch nicht sonderlich viel versprechen kann. Sehen Sie doch, ob Sie unter Ihrer Bekanntschaft keinen Liebhaber dazu finden. Wir müssen dieses Journal wohl lesen, damit wir wissen, was andere über einen Artikel sagen, von dem wir auch handeln wollen. Fragen Sie doch den Herrn Geh. Rath, welche Journale er auf seinen Antheil nehmen will, daß ich mich in Vertheilung der übrigen darnach richte. Ich will dann dafür sorgen, daß keines uns unbekannt bleibe.

Mit dem Siegel der Horen mag es ganz so gehalten werden, wie Sie schreiben.

Herr Coadjutor von Dalberg schreibt mir daß er uns bald einen Aufsatz über Kunstschulen zu den Horen einsenden werde. Das ist etwas, was Sie angeht.

Jetzt weiß ich endlich, was die Kunst ist. „Die Kunst ist diejenige mechanische Handgeschicklichkeit, durch welche vermittelst gewisser Werkzeug ein natürlicher Körper zur Waare gemacht wird.“ Ich bitte Sie, sich dieses gesagt seyn zu lassen, und sich ja künftig immer zu erinnern, daß Sie einen natürlichen Körper zur Waare machen, wenn Sie einen Genius von Carrache oder dergleichen ausführen. Machen Sie ja den Herrn Geh. Rath mit diesem Funde bekannt. Wo ich ihn aufgetrieben habe, sollen Sie einmal hören.

Ich wünschte, daß bei Ihnen in Weimar die Geschäfte besser gehen mögen als bei mir. Seit acht Tagen und länger fehlte es mir sowohl an Lust und Laune als an Gesundheit zu meinen Geschäften, und was das Schlimmste ist, so habe ich mich so gewöhnt, daß ich, wenn ich nicht ganz bei meiner Arbeit bin, gar nicht dabei seyn kann.

Leben Sie recht wohl und empfehlen mich dem Herrn Geh. Rath aufs beste.

Von Herzen der Ihrige.

Sch.

N. S. Das achte Heft der Thalia, worin der Abschied steht, theilen Sie dem Herrn Geheim. Rath mit.


Bemerkungen

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1 Zu S. 121. Z. 8. Die Folianten waren wohl die in Meyers Brief vom 23. oder 24. Januar (Urlichs S. 208) verheißenen Werke: Das Proporzionen-Buch d. Alb. Dürer, Reineke der Fuchs etc.
2 Zu Z. 11. Vgl. Nr. 806.
3 Zu Z. 24. Das Journal-Institut kenne ich nicht.
4 Zu Z. 30. Goethe antwortete hierauf erst am 11. März.
5 Zu S. 122. Z. 3. Vgl. zu Nr. 806.
6 Zu Z. 5. Dalbergs Aufsatz erschien im 5. Horenstück.
7 Zu Z. 15. Sollte die Definition von Eberhard von Rochow herstammen? Vgl. Goethe an Sch. vom 12./14. Mai 1795.
8 Zu Z. 27. Im 8. Heft der Thalia hatte Schiller ein Fragment aus dem zweiten Teile des Geistersehers veröffentlicht unter der Überschrift: Der Abschied.

 
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