Friedrich
Schiller

www.wissen-im-Netz.info

Briefe von Friedrich Schiller

Homepage
   Literatur
      Schiller, Friedrich
         Briefe
            1795

Friedrich Schiller an Friedrich Cotta.

Jena den 30. Jan. [Freitag] 95.

Die Horen nehmen sich recht gut aus, und finden allgemeinen Beyfall. Daß die Postpapierexemplarien in kleinerm Format sind, ist freilich Schade, aber was nicht geändert werden kann, muß man sich gefallen lassen.

Auch hier herum ist starke Nachfrage nach den Horen. Ich weise aber alles nach Stuttgardt, was sich an mich wendet. Gebe der Himmel, daß wir gleich im ersten Jahre über die ersten 2000 hinaus kommen. Für die Erhaltung des guten Willens will ich dann schon sorgen.

Fürchten Sie nicht, daß ich durch NebenUnternehmungen den Horen Abbruch thun werde. Vom ganzen Jahre ist alle meine Zeit biß etwa auf 6 Wochen Ihnen gewidmet. Diese 6 Wochen, in welchen höchstens 2 oder 3 Gedichte zu Stande kommen, habe ich für den MusenAlmanach bestimmt. Den Horen entgeht dadurch kaum 1 Bogen Arbeit von mir, und wenn ich rechne, daß ich durch diese kleine Aufopferung von Zeit eine fortlaufende poetische Schrift beleben und unterhalten kann, so ist die Zeit nicht schlimm angewendet. Ohnehin wäre es nicht gut, wenn die Horen mehr Beyträge von mir erhielten, als sie ohnehin bekommen werden, weil nicht bloß die Güte, sondern auch die Abwechslung der Aufsätze zur Aufnahme eines Journals dient. Seyen Sie also keinen Augenblick in Sorgen, daß ich unsern Horen auch nur im geringsten meine Aufmerksamkeit entziehen werde. Es ist eine EhrenSache von mir, die ich vor dem ganzen Publikum eingegangen bin, und ich werde gewiß meine Ehre lösen. Zugleich bin ich ganz und gar nicht gleichgültig gegen die Vortheile, die uns beyden dadurch zufließen sollen, und es ligt mir ganz ernstlich daran, einen guten Fischzug zu machen. An sehr guten Mitarbeitern fehlt es uns nicht, wenn ich Göthen und mich hinwegrechne, die wir beyde zusammen gewiß 40 Bogen liefern, und ich verspreche Ihnen, daß im ganzen Jahre kein Aufsatz erscheinen soll, der mit den weniger guten in dem 1sten Stück nicht wenigstens von gleichem Werthe wäre.

Die Recension des 1sten Stücks ist schon in der Druckerey, und hat den Hofrath Schütz selbst zum Verfasser. Nun müssen Sie aber jeden Monat eine Anzeige des Inhalts in den Hamburger Correspondenten, in die Frankfurter Zeitung und in den ReichsAnzeiger (den der Rath Becker in Gotha herausgiebt) einrücken lassen. Der Letztere, der auch das ganze Avertissement hat einrücken lassen, fodert keine InsertionsGebühren sondern ein Exemplar des Journals, davon ich ihm auch das 1ste Stück schon zugesandt habe. In 2 Berliner Zeitungen und in der Bayreuther Zeitung ist die Anzeige auch schon längst erschienen. Den Betrag aller dieser Sachen will ich Ihnen mit Gelegenheit zusenden. Sorgen sie nun ja dafür, daß das 2te Stück bald folgt, denn je schneller sich die ersten Lieferungen drängen, desto stärkere Nachfrage entsteht.

Lichtenberg will ich mit nächster Gelegenheit einladen.

Für Ueberdruckung der innern Seite des Umschlags stimme ich nicht; wenigstens wollen wir es vor der Hand noch unterlassen, damit Leser, die auf Nettigkeit sehen, keinen Anstoß daran nehmen.

Die Recension der Flora kommt diese Woche noch zu Stande. Ich mußte sie einem andern auftragen, weil meine jetzigen Arbeiten mich ganz absorbieren, aber ich sehe sie durch, ehe sie abgegeben wird.

Ich danke Ihnen, daß Sie an meine Familie Exemplare haben abgeben lassen.

Herrn Zahn ersuche ich in der IIten Epistel auf der 2ten Seite unten, wo es heißt:

– – zu füllen, zu leeren

anstatt leeren schöpfen zu setzen. In dem Aufsatz über den GeschlechtsUnterschied werden die beyden Citate von Blumenbach und Alex. von Humboldt weggelassen. Vergessen Sie das ja nicht. Leben Sie wohl.

Sch.


Bemerkungen

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 7 8 9 10 11 12 13 14 15

Empfangs- und Beantwortungsvermerk:
8. Febr.
9. Febr.

1 Zu S. 115. Z. 24. Vgl. zu Nr. 807.
2 Zu Z. 31. Vgl. zu Nr. 788.
3 Zu S. 116. Z. 4. Eine Einladung an Lichtenberg zu den Horen kenne ich nicht.
4 Zu Z. 5. Vgl. X. Vom 19. Januar.
5 Zu Z. 9. Von wem die Rezension ist, weiß ich nicht.
6 Zu Z. 19. Vgl. Goethe an Sch. vom 27. Januar.

 
Google
© 1999-2007 Copyright by Jürgen Kühnle
Über Anregungen und Kommentare zu diesen Seiten würde ich mich freuen juergen@kuehnle-online.de.