Friedrich
Schiller

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Briefe von Friedrich Schiller

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      Schiller, Friedrich
         Briefe
            1795

Friedrich Schiller an Heinrich Meyer.

Jena den 27 Jan. [Dienstag] 95.

Laßen Sie mich doch wißen, lieber Freund, ob sich entweder in Ihren Papieren oder in Ihrem Gedächtniß Vorrath genug findet, um nach und nach eine gewiße Reyhe von Mahlern die Critik paßiren zu laßen. Es wäre dann überaus vortheilhaft für das Publikum und für die Horen, wenn Sie diese Kunst Critik etwa unter dem gemeinschaftlichen Titel: Gemählde Gallerie in den Horen fortlaufen ließen. Einem sehr großen Theil der Leser, deren Urtheile über Kunstwerke noch so schwankend sind, und so oft irre geleitet werden, geschähe dadurch ein wichtiger Dienst, und uns würde ein solcher fortlaufender Artikel ungemein nützlich seyn. Wenn bey dergleichen Arbeiten nach einem gewißen Totale gestrebt wird, so erhält jedes einzelne dadurch einen größern Halt und Werth, und was, durch seine abgebrochne isolierte Erscheinung die Aufmerksamkeit nur flüchtig beschäftigt hätte, wird dann zu einer ernstlichen Angelegenheit des Lesens. Soviel ich über ihre Bemerkungen über Carrache urtheilen kann, so müssen sie demjenigen, der mit den Werken dieses Künstlers bekannt ist, viel zu denken geben.

Wenn Sie finden, daß etwas, meiner Idee ähnliches executiert werden könnte, so wollen wir uns dann über die Einkleidung selbst weiter besprechen.

Die beyden Köpfe ziehen mich äuserst; und in die Juno besonders will ich suchen mich hinein zu studieren. Wenn Sie dann einmal wieder hier sind, so helfen Sie mir das Verständniß darüber öfnen.

Weil Sie doch einmal zu der Horenfamilie gehören, so bin ich so frey, Ihnen ein kleines Geschäft dabey zu geben. Wir brauchen, der Posten wegen, ein unterscheidendes Siegel, welches der junge Künstler in Weimar stechen könnte. Wollen Sie so gütig seyn und ihn zu sich kommen laßen, um diese Sache mit ihm aesthetisch sowohl als merkantilisch abzumachen. Es bedarf übrigens keiner weitern Erfindung, denn da es eigentlich nur zum Behuf der Postsecretairs ist, so muß es ohne Sagacitaet zu verstehen seyn. Meine Idee ist, die drey Worte

Siegel
der
Horen

Mit lateinischer Schrift, in einen Kranz zu setzen. Uebrigens sey Ihnen alles überlassen, wenn nur der Nahme der Horen lesbar darauf angebracht ist. Bitten Sie ihn aber, die Sache bald zu machen. Das Ganze darf ohngefähr die Größe eines 8groschenstücks haben.

Leben Sie wohl und die Arbeit gedeyhe Ihnen.

Der Ihrige Schiller.


Bemerkungen

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1 Zu S. 112. Z. 9. Im 9ten Heft der Horen erschien ein Aufsatz Meyers: Beiträge zur Geschichte der neueren Kunst.
2 Zu Z. 22. Meyer hatte mit X. an Schiller Bemerkungen über Corregio und Carracci geschickt.
3 Zu Z. 28. Vgl. zu Nr. 803.
4 Zu S. 113. Z. 3. Meyer entwarf ein solches Siegel.
5 Zu Z. 4. Der junge Künstler ist Goethes Schützling, der spätere weimarsche Hofmedailleur und Professor Facius. Vgl. die Allg. Deutsche Biographie.

 
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