Friedrich
Schiller

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Briefe von Friedrich Schiller

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      Schiller, Friedrich
         Briefe
            1795

Friedrich Schiller an Wolfgang von Goethe.

Jena den 25. Jan. [Sonntag] 95.

Wären Sie einen Tag länger bei uns geblieben, so hätten wir den Advent der Horen zusammen feyern können. Gestern kamen sie, und hier übersende ich Ihnen die gebührenden Exempl. nebst einem für unsern Freund Meyer. Es stehen Ihnen mehrere zu Dienst, sobald Sie deren benöthigt seyn sollten. Ich wünschte nur, daß die äußre Gestalt Ihrer beyder Beyfall haben möchte.

Cotta schreibt sehr zufrieden. Es sind bereits so viele Bestellungen gemacht worden, daß er sich einen recht großen Absatz verspricht; welches im Mund eines Verlegers eine glaubwürdige Versicherung ist.

Da ich diese Tage ein Paquet an Jacobi zu schicken habe, so bitte ich Sie, mir den bewußten Brief an ihn zum Einschluß zu senden, weil ich Sie mit meinem Paquet nicht belästigen mag. Auch wünschte ich zu wissen, ob Sie etwa schon eins von Ihren Exemplarien dem Herzog zugedacht haben, in welchem Fall ich es unterlassen würde, ihm eins zu praesentieren.

Aus dem überschickten Göttinnen habe ich mit Vergnüg ersehen, daß Sie und unser großer Ofenfreund die kalte Region glücklich passiert sind. Die Colossalische Frau freut mich sehr, und ich werde ihr oft gegenüber stehen, und auch der göttlichen Jungfrau, welche, den Kummer über die Sterblichkeit abgerechnet, ganz vortrefflich ist.

Alles empfiehlt sich Ihrem Andenken beßtens. Ganz d. Ihrige

Sch.


Bemerkungen

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1 Zu S. 109. Z. 3. Goethe war vom 11.-23. Januar in Jena gewesen.
2 Zu Z. 9. Cottas Brief vom 15. Januar.
3 Zu Z. 13. Goethe ließ sich das Packet an Jacobi zusenden und begleitete es mit einem Briefe vom 2. Febr.
4 Zu Z. 20. Offenbar hatte Meyer, der Ofenfreund, im Schloß in Jena, wo er mit Goethe vom 11.-23. Januar gewohnt hatte, es besonders kalt gefunden. Nun sandte Meyer gleich nach der Rückkehr nach Weimar am 23. oder 24. Januar „nach Abrede das Haupt der Juno“ und eine Abdruck der Minerva. Es wird ein Bild der Pallas Albani gewesen sein, die auch wie die Juno Ludovisi in seinem Aufsatz besprochen worden war. Die Übersendung der Bilder und der leider nicht vollständig bekannte Begleitbrief Meyers (Urlichs, Brfe. a. Sch. S. 208) gaben Schiller die Gewißheit, daß Goethe und Meyer zu Hause wieder im Warmen säßen und ohne Schaden die Kälte in Jena überstanden hätten. So wenigstens deute ich mir Schs. Worte, daß sie die kalte Region glücklich passiert hätten.

 
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