Friedrich
Schiller

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Briefe von Friedrich Schiller

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      Schiller, Friedrich
         Briefe
            1795

Friedrich Schiller an den Herzog Friedrich Christian von Augustenburg.

Jena den 20. Jan. [Dienstag] 1795.

Durchlauchtigster Herzog, gnädigster Herr,

Mit dem lebhaftesten Antheil, den alles mir einflößt, was auf das Wohl der Menschheit Beziehung hat, habe ich die glückliche Veränderung vernommen, welche Euer Durchlaucht einen Ihrem hohen Verdienste gebührenden und Ihrem wohlthätigen Triebe so angemessenen Wirkungskreis eröfnet hat. Das Wohl vieler Menschen ist jetzt in Ihren Händen, und Ihr großes und edles Herz, welches von jeher aus eigener freyer Neigung für das Beßte der Menschheit thätig war, hat nunmehr auch von dem Schicksal einen äußern Beruf und eine würdige Sphäre dazu erhalten. Wie würde ich das Geschick meiner deutschen Mitbürger preisen, wenn es überal einer solchen Fürstenhand anvertraut wäre, und mit welcher Sicherheit könnte man sich alsdann für die Erfüllung aller der Volksglückseligkeit verbürgen, welche bis jetzt leider nur eine Idee der Philosophen und eine Phantasie der Dichter gewesen ist.

Die Achtung, die ich der Bescheidenheit Ihres Herzens schuldig bin, verstattet mir nicht, das Bild auszumahlen, das meine prophetische Einbildungskraft sich von der Regierung eines eben so gefühlvollen, als philosophisch denkenden Fürsten verspricht. Aber ich habe in dem Character des Don Karlos und Posas mein Herz reden lassen, und was ich dort nur als Dichter träumte, das spreche ich hier als der Zeitgenosse Friedrich Christians mit der gegründeten Ahndung aus, daß alles das Gute, was nur immer die Umstände möglich machen durch Sie und in Ihrer Sphäre realisirt werden wird.

Längst schon war es mein Wunsch, den Gefühlen der Ehrfurcht und Dankbarkeit, die mir in so hohem Grade von Eurer Durchlaucht sind aufgelegt worden, einen öffentlichen Ausdruck zu gestatten; aber ich wollte solches nur an der Spitze eines Werkes thun, das Ihres verehrten Nahmens nicht unwürdig wäre. Alle meine Kräfte verwende ich schon seit langer Zeit auf diese Arbeit, und wenn es mir nicht ganz mißlingt sie dem Ideal gemäß auszuführen, das ich mir vorzeichnete, so bitte ich eure Durchlaucht um Ihre gnädigste Beystimmung, daß ich solche mit Ihrem Nahmen kröne.

Als ich im vorigen Jahre damit umging, eine Abschrift meiner in Kopenhagen verunglückten Briefe zu besorgen, drangen sich mir so viele Unvollkommenheiten darinn auf, daß ich mir nicht mehr erlauben konnte, solche in ihrer ersten Gestalt wieder in die Hände eurer Durchlaucht zu geben. Ich unternahm deßwegen eine Verbesserung, welche mich weiter führte, als ich dachte, und der Wunsch etwas hervorzubringen, das ihres Beyfalls würdig wäre, veranlaßte mich, jenen Briefen nicht nur eine ganz neue Gestalt zu geben, sondern auch den Plan derselben zu einem größern Ganzen zu erweitern.

Von dieser neuen Ausführung sind in der Schrift, die ich Eurer Durchlaucht ehrfurchtsvoll überreiche, einige Briefe abgedruckt, um darüber das Urtheil der Kenner zu vernehmen, ehe ich die letzte Hand an das Ganze lege. Möchten Sie, gnädigster Herr, in dieser kleinen Probe mein aufrichtiges Streben nicht verkennen, einer Schrift, die ich an Sie zu richten wage, alle Vollkommenheiten zu ertheilen, die mir erreichbar sind.

Mit tiefster Devotion und Ehrfurcht ersterbe ich
         Euer Herzoglichen Durchlaucht
                  unterthänigster

F. Schiller.


Bemerkungen

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1 Das Datum wird falsch sein. Die Horen trafen erst am 24. Januar bei Schiller ein. Ich vermute, daß zu lesen 26. Jan. Vgl. Nr. 803. Bilder aus der Schillerzeit S. 210.
2 Zu S. 105. Z. 6. Der Herzog war zum dänischen Unterrichtsminister berufen worden.
3 Zu S. 106. Z. 9. Vgl. zu Nr. 716.

 
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