Friedrich
Schiller

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Briefe von Friedrich Schiller

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      Schiller, Friedrich
         Briefe
            1795

Friedrich Schiller an Friedrich Cotta.

Jena den 9. Januar [Freitag] 95.

Die 4 ersten Bogen sind nun in meinen Händen, und der Zeit nach wird wohl jetzt das Ganze schon in den Händen des Buchbinders seyn. Ich habe vergessen zu erinnern, daß die Exemplare nicht beschnitten werden; Sie werden solches aber wohl von selbst unterlassen haben. Für diese erste Lieferung senden Sie mir ein Dutzend Exemplarien über die, welche ich gratis erhalte, noch auf Abrechnung zu, und zwar bald, weil ich sie zu versenden habe. Auch habe ich für Hofrath Schütz (außer dem Exemplar was er ohnehin erhält) noch eins in Postpapier zu bestellen, welches er bezahlt. Herr Professor Klein in Halle subscribiert auch auf ein Exemplar. Beyde gelten für den ganzen Jahrgang und Sie können solche jedesmal im Einschluß an mich schicken.

Ich höre noch von mehreren Bestellungen, die ohne Zweifel auf der Post gemacht werden.

Was die Abänderung des Drucks betrift, so ist diese bloß so zu verstehen, daß 1) künftig alle Hexameter und Verse von derselben Länge ohne Unterschied gebrochen werden. Dieß ist vorzüglich der Symmetrie wegen nöthig, weil es einen übeln Eindruck aufs Auge macht, wenn ein Vers bald eine, bald zwey Zeilen einnimmt. Auf dieser Einrichtung besteht Göthe namentlich. 2) Daß alle Anmerkungen, sowohl, was die einzelnen Worte als was ganze Zeilen betrifft, durchschossen werden, weil sie sich so besser lesen und auch schöner ins Auge fallen.

Das Honorar betreffend, so wird Göthe nach Erscheinung des ersten Stücks seine Bedingungen machen. Ihn müssen wir ja fest zu halten suchen, weil er viel in petto hat und auch überaus viel Eifer für die Horen zeigt. Ein Mann, wie Göthe, der in Jahrhunderten kaum einmal lebt, ist eine zu kostbare Acquisition, als daß man ihn nicht, um welchen Preiß es auch sey, erkaufen sollte.

Was die jedesmaligen Honorars für die andern, und die Zahlungstermine betrifft, so ist meine Meinung, daß die letztern MeßWeise geschehen. Jeder der von Ihnen bezahlt wird erhält von mir eine Assignation an Sie, worauf steht, wieviel an ihn bezahlt wird. Wohin es geschickt wird, muß jeder einmal für allemal bestimmen.

Was mich betrifft, so erkenne ich Ihr gütiges Anerbieten mit verbindlichem Dank. Sie haben mir nie mehr als 6 alte Ldors für den Bogen zu bezahlen, wie wir ausgemacht haben, und 60 Ldors oder 300 Rthlr. Sächs. für die Redaction. Verträgt es Ihr Beutel und sind Sie mit dem Gang des Journals zufrieden, so können Sie zu der letztern Summe alsdann noch etwas zulegen. Aber ich werde es nie verlangen. Da ich meine ästhetischen Briefe nicht ganz in die Horen setze, so sollen sie in einigen Jahren besonders und als ein vollständiges Ganze mit Eleganz gedruckt werden, und alsdann werden sie namentlich an den Prinzen von Augustenburg gerichtet. Diese Briefe, welche sich über die ganze Kunsttheorie noch verbreiten werden, muß ich für das beßte erklären, was ich je gemacht habe und was ich überhaupt hervorbringen kann; daß es das beßte ist, was wir in diesem Fache haben, ist kein großer Ruhm. Diese Briefe nun, mit denen ich hoffe zur Unsterblichkeit zu gehen, sollen Sie mir verlegen, wenn Sie Lust dazu haben.

Den MusenAlmanach konnte ich Ihnen nicht anbiethen, weil die Entreprise gar nicht mein Einfall sondern ein Gedanke des Buchhändlers Michaelis in Neu-Strelitz war, dem ich also den Verlag überlassen mußte, sobald ich mich zu dem Buche entschloß. Auch gestehe ich würde ich Ihnen jetzt nicht gerne etwas, wobey Geld gewagt wird, anbiethen, weil Sie Sich gegenwärtig doch zu den Horen zusammennehmen müssen. Dieser MusenAlmanach ist eine ziemlich theure Sache, weil man den Preiß des Buchs durchaus nicht erhöhen darf, und doch die Honorarien sehr beträchtlich sind. Es ist berechnet, daß 1500 abgehen müssen, ehe der Verleger Profit hat. Auch hat ihn der Verleger bloß gewünscht, um etwas zu haben, womit er, da er jetzt erst seinen Buchhandel anfängt, seinen Nahmen bekannt machen kann.

Da Sie, Ihrem letzten Briefe nach, den 5ten Aufsatz für dieß erste Stück nicht brauchen, so lassen Sie ihn solange ungedruckt liegen, biß Sie einen neuen Brief von mir erhalten. Ich hoffe daß der Verfasser noch das dritte Stück hinzuthun und ihn dadurch vollenden wird. In künftiger Woche gewiß erhalten Sie Manuscript zu dem IIten Stück. Es wäre mir lieb, wenn Sie mir jetzt genau bestimmen könnten, wie viel Zeit zum Drucken und binden eines Stücks erfodert wird. Ich könnte mich dann pünktlich danach richten, und Ihnen vielleicht desto eher das Manuskript für ein ganzes Stück auf einmal senden. Wir wollen es immer so einrichten, daß am 20sten jedes Monats die nach entlegenen Provinzen bestimmten Exemplarien gebunden seyn können. Wann müßte also das ganze und complette Manuscript in Ihren Händen seyn. Um diesen Zweck zu erreichen?

Das abgedruckte Manuscript sind Sie so gütig, jedesmal sobald ein Stück fertig ist, an mich zurückzuschicken. Vergessen Sie nicht, bey dem nächsten größern Transport solches beyzulegen.

Was die Druckfehler betrifft, so habe ich deren sehr wenige bemerkt. Diese wenigen müssen aber, weil sie nicht ohne Bedeutung sind, im 2ten Stück angezeigt werden. Einer davon ist sehr wahrscheinlich ein Schreibfehler, und ein anderer vielleicht auch. Der eine ist auf der 2ten Seite des 1sten Bogens, wo statt glänzet glänzend steht. Der andere ist auf der ersten Seite des 2ten Bogens, wo es statt aufdrückte ausdrückte heißt. Weil ich Göthen, der in diesem Punkt sehr pointilleux ist, gerne überzeugen möchte, daß der erste Fehler auf Rechnung des Abschreibers kommt, so senden Sie mir das Manuscript der Epistel gleich im nächsten Brief. Was ich aber in Ansehung des Drucks noch zu erinnern habe, das ist die Nachläßigkeit des Setzers, die Zeilen nicht gerade genug zu setzen. Verschiedene darunter sind ganz krumm und geben einen übeln Anblick. Seyen Sie so gut, ihm hierinn mehr Strenge zu empfehlen.

Was ich in Ansehung der Enge des Drucks bemerkte, das sollte kein Vorwurf des Eigennutzes gegen Sie seyn, denn wir wissen hier alle recht gut, daß Sie dabey nichts gewinnen, sondern bloß das Publikum. Wäre es bloß ein Vortheil für Sie, so würde ich es vielleicht nicht berührt haben, denn Ihr Vortheil ligt auch mir sehr nahe. Meine Idee war bloß, nicht auf Unkosten der Mitarbeiter genereux gegen das Publikum zu seyn.

Von dem Exemplar des Ferdiner, welches Sie mir schickten fehlt der erste Theil des 3ten Bandes. Wenn Sie mir bey Gelegenheit diesen nachsenden wollen, und wo möglich auch die verlangten französischen Werke. An meinen Vater und an Herrn LegationsRath von Wolzogen meinen Schwager seyen Sie so gut ein Exemplar der Horen jedesmal zu schicken, und mir diese 2 Exemplare weniger nach Jena zu senden. Empfehlen Sie mich Herrn Zahn. Ganz der Ihrige.

Schiller.


Bemerkungen

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Empfangs- und Beantwortungsvermerk:
18. Jan.
19. Jan.

 

Empfangs- und Beantwortungsvermerk:
25. Jan.
eod.

 

Empfangs- und Beantwortungsvermerk:
28. Jan.
eod.

1 Zu S. 98. Z. 12. Gemeint ist der bedeutende Jurist Ernst Ferdinand Klein, der 1791-1800 der Universität Halle angehörte und später Obertribunalrat in Berlin war. Briefe von ihm an Schiller vom 2. und 29. Juni 1797 bei Urlichs, Brfe. a. Sch. Er soll ein Verwandter Nicolais gewesen sein. Vgl. auch die Allgem. Deutsche Biogr. Zu Z. 27. Vgl. zu Nr. 790.
Zu S. 99. Z. 7. Cotta hatte am 31. Dez. geschrieben: „Was Sie betrifft, so bitte ich ein für allemal immer gef. zu bestimmen, wann und wie viel wir Ihnen senden sollen und auch im erforderlichen Fall geradezu auf uns zu assigniren; die Abrechnung wollen wir sodann jahrweise vornemen.“
Zu S. 100. Z. 3. Der Brief Cottas vom 31. Dez. Zu Z. 28. Es war in der That nach Cottas Antwort ein Fehler es Abschreibers.
Zu S. 101. Z. 8. Die Geschichte Carl Ferdiners (J. J. Dusch) hatte Schiller mit Nr. 753 erbeten. Die französischen Werke hatte er schon mit Nr. 727 bestellt. Zu Z. 26. Von Heinrich Meyer. Z. 30. Der Brief des Postverwalters an Sch. und Schs. an ihn sind mir nicht bekannt.
Zu S. 102. Z. 5. Schiller hat zur Flora außer dem Brief in Nr. 772 nichts beigesteuert. Zu Z. 27. Der Schreiber des beiliegenden Briefes wie der Brief selbst ist mir nicht bekannt.

 
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