Friedrich
Schiller

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Briefe von Friedrich Schiller

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      Schiller, Friedrich
         Briefe
            1795

Friedrich Schiller an Gottfried Körner.

Jena den 5 Jenner [Montag] 95.

Dein Brief, den ich so eben erhalte, hat mich herzlich gefreut, da Du eine muthige und fröhliche Stimmung darin zeigst, und mir Hofnung machst, bald etwas von Dir zu erhalten. Um Dir wenigstens zu zeigen, wie gern ich Dir dafür dankbar seyn möchte, sende ich Deiner Neugier einen Theil meiner Briefe. Ich sage einen Theil: den ich habe schon die 3 folgenden Briefe fertig; aber da, wie Du finden wirst, diese Lieferung bey dem 17ten Briefe am allerschicklichsten schließt, so behalte ich das, was darüber fertig ist, zu dem IIIten Stücke zurück.

Aus dem, was Du jetzt lesen wirst, kannst Du meinen ganzen Plan übersehen und prüfen. Ich läugne nicht, daß ich sehr davon befriedigt bin, denn eine solche Einheit, als diejenige ist, die dieses System zusammen hält, habe ich in meinem Kopf noch nie hervorgebracht und ich muß gestehen, daß ich meine Gründe für unüberwindlich halte. Laufe also recht ernstlich darauf Sturm und suche, wo Du eine Blöße daran findest: jeder Deiner Eingriffe wird mir jetzt herrliche Dienste thun, und die Klarheit meiner Ideen erhöhen.

Die abstrakte Darstellung, die gewiß für ein solches Thema noch viel Fleisch und Blut hat, mußt Du mir nachsehen, denn ich glaube, ich bin an der Grenze gestanden, und ohne Die Bündigkeit der Beweise zu schwächen, hätte ich von der Strenge der Schreibart nicht wohl etwas nachlassen können. Fändest Du indessen ein Wort oder eine Wendung, die mit etwas vulgarerem ausgetauscht werden könnte, so mache mich ja darauf aufmerksam. Ich will alles thun, was meine Menschheit erlaubt. Zwey auch drey Tage magst Du das Mscript behalten; alsdann aber sende es mir ja pünktlich zurück, weil der Drucker nicht länger warten würde.

Du wirst auch Humboldts ersten Aufsatz erhalten. Findest Du Zeit dazu, und Du darfst ihn einen Posttag länger zurückbehalten, als meine Briefe, so kritisiere ihn etwas scharf: Du wirst ihm und auch den Horen dadurch sehr nützlich werden. Die Weiber grüße herzlich von uns, und empfiehl mich Schlegeln. Auch von ihm1 erwarte ich mit der Zeit, wenn seine Ideen, an denen er sehr reich ist mehr Klarheit erhalten haben, und die Form über den Stoff erst Meisterin geworden ist, viel vortreffliches. Lebe wohl.

Sch.

Göthe wird in einigen Tagen hier seyn, und vielleicht 3 Wochen bleiben. Es wird eine sehr angenehme Zeit für uns seyn. Möchtest Du sie theilen!


1 Gemeint ist Friedrich Schlegel.


Bemerkungen

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Nach Nr. 796 ist dieser Brief erst am 6. Jan. abgesandt.
1 S. 94. Z. 30. a. Eingriffe. So hatte Schiller erst geschrieben, dann Angriffe übergeschrieben.
2 Zu S. 94. Z. 18. Die Briefe über die ästhetische Erziehung, die in den Horen erschienen.
3 Zu S. 95. Z. 8. Den auffallenden Ausdruck, „was meine Menschheit erlaubt“, erkläre ich mir so: was mein Ich, meine Persönlichkeit erlaubt.
4 Zu Z. 112. Vgl. zu Nr. 792.
5 Zu Z. 16. Friedrich Schlegel.

 
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