Friedrich
Schiller

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Briefe von Friedrich Schiller

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      Schiller, Friedrich
         Briefe
            1795

Friedrich Schiller an Wolfgang von Goethe.

Jena den 2. Jenner. [Freitag] 95.

Meine besten Wünsche zu dem neuen Jahre, und noch einen herzlichen Dank für das verfloßene, das mir durch Ihre Freundschaft vor allen übrigen ausgezeichnet und unvergeßlich ist.

Ich habe es mit vielem Fleiße beschloßen, und um etwas vollendet zu haben, wenn Sie kommen, habe ich mir in diesen lezten Tagen etwas zugemuthet. Nun bin ich mit dieser Arbeit zu Ende, und sie kann Ihnen, wenn Sie kommen, vorgelegt werden.

Die Epistel, für die ich Ihnen beßtens danke, liegt noch bey mir; denn da das andre, was zunächst darauf folgen sollte, noch nicht fertig war, so konnte ich sie allein nicht abschicken. Auch pressierte es weniger, weil mir noch mehr Mscrpt zum 1sten Stück der Horen abgefodert wurde, da selbst die Fichtische Abhandlung nicht reichte, und also die Erscheinung dieses Stücks um vierzehn Tage verzögert wird.

H. Prof. Meyer wird mich entschuldigen, daß ich einen Theil seines Aufsatzes ohne seine specielle Erlaubniß noch für dieses Erste Stück abgeschickt habe. Es war nicht möglich, ihm solchen nach meiner Bearbeitung wieder vorzulegen, weil ich ihn noch an demselben Posttag mußte abgehn lassen. Indeßen glaube ich ihn im Voraus versichern zu können, daß er damit zufrieden seyn werde, weil meine Aenderungen sich schlechterdings nur auf das Aeusere beschränkten. Dieser Aufsatz hat mir sehr viel Freude gemacht, und er wird ein sehr schätzbares Stück für die Horen seyn. Es ist etwas so äuserst seltenes, daß ein Mann wie Meyer Gelegenheit hat, die Kunst in Italien zu studieren, oder daß einer der diese Gelegenheit hat, gerade ein Meyer ist.

Die Klopfstockische Ode, von der Sie schreiben habe ich nicht gelesen, und wenn Sie solche noch haben, bitte ich sie mitzubringen. Der Titel läßt schon eine solche Geburt erwarten.

Auf die Fortsetzung Meisters, die Sie doch auch mitbringen werden, freue ich mich gar sehr, und ich kann sie jetzt recht genießen, da ich nach einer individuellen Darstellung ordentlich lechze.

Möchten Sie uns doch einige Scenen aus dem Faust noch zu hören geben. Frau von Kalb, die etwas davon wußte, hat mich neuerdings äuserst begierig darnach gemacht, und ich wüßte nicht, was mir in der ganzen dichterischen Welt jetzt mehr Freude machen könnte.

Ihre Aufträge wegen Obereit werden besorgt. Gegenwärtig hat er noch zu leben, weil ihm von Meiningen Geld geschickt worden ist. Etwas von den 4 Ldor wird man nothwendig auf seine Bekleidung wenden müssen, besonders, da man ihm dadurch die Möglichkeit verschafft, fremde Tische zu besuchen, von denen ihn bißjetzt sein philosophischer Cynismus ausgeschlossen hat.

Ich hoffe in wenigen Tagen entweder Sie selbst zu sehen, oder doch von der Zeit Ihrer Ankunft Nachricht zu erhalten.

Alles empfiehlt sich Ihnen aufs beßte.

Schiller.


Bemerkungen

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1 Zu S. 93. Z. 2. Die Arbeit waren die Briefe über die ästhetische Erziehung. Vgl. Nr. 794.
2 Zu Z. 5. Die 2. Epistel, die Goethe am 23. Dez. an Sch. gesandt hatte, mit dem Bemerken, daß ihre zweite Hälfte die dritte Epistel werden möge.
3 Zu Z. 9. Cotta hatte in den Briefen vom 22. u. 23. Dezember noch weiteres Manuskript für das erste Horenstück erbeten. Nach Schillers Brief vom 22. Dez. hatte er dann das erste Heft abgeschlossen, und der erste Teil des Meyerschen Aufsatzes, den Schiller nach Empfang der Cottaschen Briefe vom 22. und 23. Dez. noch für das erste Heft eingesandt hatte, war nun für das zweite Heft frei.
4 Zu Z. 24. Es muß ein Brief Goethes an Sch. fehlen, denn in den erhaltenen findet sich nichts über die Klopstocksche Ode. Nach Düntzer, Schiller und Goethe S. 67, war er vom 27. Dezember.
5 Zu Z. 25. Goethe hatte für den Anfang des Jahres 1795 seinen Besuch in Jena angekündigt.
6 Zu S. 94. Z. 1. Goethe hatte Geld an Schiller geschickt, mit der Bitte, es für den aus Arbon stammenden Theosophen und Alchymisten Jacob Hermann Obereit zu verwenden, der 1782 nach Weimar gekommen war und nach einem Zwischenaufenthalt in Meiningen (1785 bis 1791) mit einem Jahrgehalt der Herzogs von Meiningen seit 1791 in Jena die neuere Philosophie studierte. Er starb 1798 im Alter von 72 Jahren. Vgl. über den wunderlichen Schwärmer den Artikel in der Allgem. Deutschen Biogr.

 
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