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            Wolzogen
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Einleitung

Die Nachrichten von Schillers Leben, die der vertrauteste Freund des unsterblichen Dichters den sämtlichen Werken desselben vorausschickte, dienen folgenden Blättern zur Grundlage; ja, sie sind größtenteils wörtlich in dieselben aufgenommen worden. Jenem Umriss sollten diese nur eine weitere Ausführung geben.

In dem Nachlass meiner Schwester, der Witwe Schillers, fanden sich viele Notizen über sein Leben, meistens Erinnerungen aus Gesprächen mit ihm, welche sie selbst in ein Ganzes zu fassen gedachte, als sich manche ihr unerfreuliche Äußerungen in das Publikum drängten. Diese Nachklänge der Leibe, Erinnerungen aus Schillers Jugendzeit, von seiner ältern Schwester mitgeteilt, Nachrichten an die siebzehn Jahre, die ich in innigster Freundschaft mit ihm und größtenteils in seiner Nähe verlebte, lieferten manche Züge zur Vollendung der Darstellung eines Lebens, das der Welt lieb und wichtig geworden ist.

Wahrheit und Naivität geben allen Memoiren und Biographien an anziehendes Leben. Wenn absichtliches Gestalten oder Verbergen der Umstände hervorblickt, werden Lebensbeschreibungen zu einem kalten, toten Machwerk. Wohl trägt jeder Maler eines Bildnisses etwas von seiner Individualität in dasselbe über, und jeder Geist fasst die Form eines andern anders auf. Aber mit der Selbsttäuschung des Darstellers finden wir uns leichter ab, und sein Wahrseinwollen befreundet uns schon mit ihm.

Dieses Gefühl wünschte ich zu erzeugen. Wahrheit allein sollte mich leiten im Entwurf und möglichst klare Einsicht in die Umgebung und die Zeit unsers großen Dichters; das Kolorit der Billigkeit und Leibe wird Gleichfühlende ansprechen.

Die unermesslicke Lücke, die das Verschwinden seiner Persönlichkeit in den Kreis der Freunde und der Familie riss, hielt sie lange im Abgrunde stummen Schmerzes versenkt. Nur der allbeherrschende Genius ergoss sich in ernster, männlicher Klage zu einem würdigen Totenopfer für den Freund. Dannecker, Schillers Jugendfreund, sprach begeistert seinen Schmerz in der Bildung seiner kolossalen Marmorbüste aus, die in Großartigkeit und zarter Ausführung eines der merkwürdigsten Monumente deutscher Kunst bleiben wird. Körners treue Freundeshand entwarf die Nachrichten von Schillers Leben.

Der Zeit tröstete die Seinen nicht; denn tief und wahr ist Schillers Wort: „Das ist eine gemeine Seele, die eine Heilung annimmt von der Zeit;“ aber sie lehrte uns mit dem Schmerz um seinen Verlust leben. Die Bilder der schönen Vergangenheit mit ihm gingen über der trostlosen Öde, als wir ohne ihn dastanden, auf, wie die ewigen Sterne durch das Dunkel umhüllender Gewölke dringen; sie sind immer da und glänzen uns unerwartet an aus dem nächtlichen Blau des Äthers. Diese Bilder, wie sie in meiner Seele leben, auch andern darzustellen, war die Aufgabe, die ich mir machte.

Das deutsche Publikum, an dessen Herz sich seine Jugend warf und das sein Vertrauen so schön rechtfertigte, empfange auch diese, Schillers Andenken gewidmeten Blätter mit Liebe.

Karoline von Wolzogen,                
geborne von Lengefeld.               

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