1) Margaretha Mühlbachin, ledige
Tochter des verstorbenen Joseph Mühlbach, Bauern zu Marbach, im J. 1758 geboren.
Sie gibt an:
Von ihrem Vetter, Sekler Ulrich
Schölkopf von Marbach, welcher ungefähr vor 6 Jahren verstorben, wisse sie, daß
der Vater des Friederich Schiller in seinem, des Schölkopfs Hause, welches
nunmehr dem Sekler Günther, einem Stiefsohn des Schölkopfs, gehöre, gewohnt
habe, und die zwei Schiller'schen Kinder, wovon eines, wenn ihr recht sey,
Louise und das andere Friz geheißen, geboren seyen.
Sie erinnere sich auch noch, den
Friz Schiller, der ein rothes Haar und Roßmucken [Sommerflecken] gehabt, wenn er
von Ludwigsburg, wo nachher sein Vater gewohnt, zu seien Großeltern, den Friz
Kodweisischen Eheleuten, nach Marbach gekommen, gesehen zu haben; er möge damals
in einem Alter von 10-12 Jahren gestanden seyn.
So lange ihr Vetter Schölkopf
gelebt, habe sie öfters in seinem haus gesponnen, und in dieser Zeit habe ihr
Schölkopf manches von den Hauptmann Schiller'schen Eheleuten erzählt, und unter
anderm auch, daß die angegebenen beiden Schiller'schen Kinder in seinem Hause
geboren worden; sonst wisse sie weiter nichts mehr von dem Friz Schiller
anzugeben, und könne sie die Wahrhaftigkeit ihrer Angabe jederzeit verantworten.
T. (kann nicht schreiben.)
2) Christine, Jakob Koelens,
Stadtknechts zu Marbach, Ehefrau, 75 Jahr alt. Sie gibt an:
Sie wisse noch, daß sie den 9.
Nov. 1759 (wie solches auch auf dem Papier, daß sie vorzeigte, und worauf sie
damals ihre Familien-Angelegenheit geschrieben, enthaltne sey, erhelle) in
Abwesenheit ihres damaligen Ehemanns Mart. [oder Matth.] Hornung, der unter dem
von Gablenzischen Regiment gestanden, niedergekommen. Ihr Mann habe sich während
dem damaligen siebenjährigen Krieg, [sie] so wie auch der nachmalige Hauptmann
Schiller, in Würzburg befunden. Ihr Mann und Hauptmann Schiller seyen an Simon
und Judä desselben Jahrs aus dem Lande abmarschirt. Da ihr damals gebornes Kind
nur 19 Tage alt geworden, so sey sie ungefähr im Jan. 1760 zu ihrem Manne
abgereist, und habe, da sie vorher durch Frau Hauptmännin Schiller einen Brief
von ihrem Mann erhalten, auch einen Brief von dieser an ihren Mann mitgenommen.
Aus Veranlassung der Entfernung
ihres Ehemanns und dieser Briefschaften, sey sie damals zur Frau Hauptmännin
Schillerin in's Haus gekommen, und zwar in das nunmehr Sekler Güntherische Haus,
wo die Schillerischen Eheleute noch gewohnt. Das Haus habe damals dem Sekler
Schölkopf gehört.
Ob Frau Hauptmännin Schiller
damals in der Kindbett gewesen, erinnere sie sich nicht mehr, nachher sey sie
nicht mehr in's Haus gekommen.
Die Wahrhaftigkeit ihrer Angabe
könne sie mit bestem Gewissen behaupten.
T. Koelen.
3) Magdalene, Gottlob Schönemaiers,
Saifensieders zu Marbach, Ehefrau, 77 Jahr alt.
Sie habe ehmals als Magd bei den
Schillerschen Eheleuten gedient, könne aber schlechtedings nicht mehr angeben,
wie alt sie damals gewesen, oder in welchen Jahrgang die Zeit falle! sie sey
auch nachher, um auszuhelfen, öfters in's Haus gekommen, sie wisse noch, daß
nach einem geendigten Feldzug - der Jahrgang sey ihr unbekannt, - Hauptmann
Schiller mit dem Regiment wozu er gehörte, in Vaihingen im Quartier gelegen. Um
ihm eine Freude zu machen, sey sie mit Frau Hauptmännin Schillerin und zwei
Kindern, wovon eines ein Mädchen und das andere ein Söhnchen, das noch nicht
habe laufen [gehen] können, nach Vaihingen gegangen. Hauptmann Schillerin habe
damals in dem Schölkopfischen nunmehr Sekler Güntherischen Hause gewohnt; so
viel sie wisse, haben die Schiller'schen Eheleute einige Jahre in diesem Hause
gewohnt, und sey die Frau in diesem Hause in der Kindbett [sie] gelegen. Auch
erinnere sie sich noch, daß vorher kurze Zeit die Schiller'schen Eheleute in dem
jetzigen Bek Schmids Haus gewohnt.
Bei ihrem Alter, und da die
Schiller'schen Eheleute schon lange von Marbach wegekommen, wisse sie übrigens
nichts weiter anzugeben, könne hingegen auf ihren bisherigen Angaben mit bestem
Gewissen beharren.
T. Magdalene.
4) Maria Magdalena, Wilhelm Schmids,
Richters und Bäckers zu Marbach, Ehefrau, 68 J. alt.
In dem Haus ihres Vaters, Conrad
Weigle, worin sie mit ihrem Mann gegenwärtig wohne, habe der Vater der Frau
Schillerin, Namens Kodweis, ehemaliger Löwenwirth von hier, miethsweise gewohnt,
während einem Feldzug [sie] habe nun auch die Kodweisische Tochter, Frau
Hauptmännin Schillerin, eine sehr schöne Frau in ihrem Haus gewohnt, und sey mit
einem Mädle [sie] niedergekommen, das sie in die Kirche zur Taufe getragen.
Nachher seyen die Schiller'schen Eheleute in's Schölkopfen Haus gezogen, und
habe daselbst die Frau Schillerin ein Büble [sie] geboren, deß Vorname sie nicht
wisse, und das, wenn sie nicht irre, die Tochter eines damaligen Spezials in
Marbach, Namens Volzin, in die Kirche getragen, die Jahrgänge könne sie übrigens
nicht angeben, beharre hingegen mit bestem Gewissen bei ihrer Angabe.
T. Magdalena Schmidin.
5) Erhard Friedrich Günther, Sekler
von Marbach, 68 J. alt, verheirathet.
Er sey als Stiefsohn des Seklers
Schölkopf noch in diesem Hause, das nunmehr ihm gehöre, gewesen, als Frau
Hauptmännin Schiller in solchem mit dem Sohn Friederich niedergekommen: er
deponirt, sie sey bis zum Jahr 1764 im Haus geblieben und er habe den Friederich
Schiller als Kind oft auf seinen Armen getragen. Ein oder zwei Jahre vor der
Geburt des Fr. Schiller sey Frau Hauptmann Schillerin ins Haus gezogen.
Hauptmann Schiller selbst sey, da er den Feldzügen angewohnt, wenig nach Marbach
gekommen.
Auf die Wahrheit seiner Angabe,
und insbesondere daß Friederich Schiller in seinem Haus geboren, könne er leben
und sterben, und könne er sein Vermögen daran setzen, daß solches wahr sey.
T. Erhardt Fried. Günther.
6) Friedrich Theilaker, Schmid zu
Marbach, 63 J. alt.
Er habe bis zu seinem ungefähr
19ten Jahr im nunmehrigen Schmid Daiberschen Haus gewohnt, das ganz in der Nähe
des Güntherischen Hauses sey, und wisse er daher, daß ungefähr in dem 1750er
Jahrgang die Schillerschen Eheleute in solchem gewohnt, und die Frau Hauptmännin
Schillerin in dem Güntherischen Haus mit einem Buben, den man Friz geheißen,
niedergekommen, er habe der Frau Hauptmännin oft Wasser, Zucker und andere
Waaren holen müssen, und erinnere sich daher noch ganz von der ersten Kindheit
des Friederich Schiller, den er auch manchmal gewiegt habe. Er sey auch mit
seinem Vater sehr häufig in die Schiller'sche Wohnung gekommen.
Seine Angabe könne er mit bestem
Gewissen behaupten.
T. Theilaker.
7) Regine Catharine, des verstorbenen
Gottfried Caspar Stollpen, Buchbinders, Ehefrau, von Marbach, 57 J. alt, geborne
Glockerin.
Ihre Mutter und Frau Hauptmännin
Schillerin hätten gemeinschaftliche Groß-Eltern gehabt, und wegen dieser
Verwandschaft sey sie mit ihrer Mutter manchmal in die Wohnung der Frau
Hauptmännin Schillerin mitgenommen worden. Von ihrer Kindheit wisse sie noch,
daß sie einmal in das nunmehr Günther'sche Haus zu Frau Hauptmännin Schiller,
und nachher in das nunmehr Andrasische Haus gekommen, und die Frau Schillerin
ihrer Mutter erzählt habe, daß, als sie einmal 2 Kinder gehabt, ihr die
Schölkopfische Wohnung zu klein geworden, und sie daher habe ausziehen müssen.
Diese Angabe könne sie mit
bestem Gewissen behaupten.
T. Stollppin.
8) Ludwig Friedrich Imanuel,
Peruckenmacher, 45 J. alt, verheurathet zu Marbach.
Der vor mehreren Jahren
verstorbene Sekler Schölkopf sey ehmals öfters in sein Haus gekommen und habe
unter anderm erzählt, daß Friederich Schiller in dem untern Stüble seines Hauses
zur Welt gekommen, ebenso habe die ungefähr 80jährige Cath. Nußbergerin, ledig,
die ehmals bei Schölkopf gedient haben soll, nunmehr aber nichts mehr höre, es
öfters erzählt.
Daß er solches mit angehört,
könne er mit bestem Gewissen behaupten.
T. Fried. Imanuel.
9) Alt Friederich Rußberger,
Weingärtner zu Marbach, verheurathet, 70 J. alt.
Er, Deponent, sey im Jahr 1759
Soldat geworden, und wisse er noch, daß damals in dem Schölkopfischen Hause Frau
Hauptmännin Schillerin, und in des Bek Hehren Haus Fähndrich Klozen und
Fähndrich Hämmerlin logirt haben, das damalige königl. Regiment sey in denen 4
Städten: Marbach, Laufen, Großbotwar und Besigheim gelegen, und zu diesem
Regiment sey er, Deponent, damals einrangirt worden.
Diese seine Angaben und daß er
sich noch ganz bestimmt erinnere, daß an. 1759 Frau Hauptmännin Schillerin noch
im Schölkopfischen Haus gewohnt, könne er mit gutem Gewissen behaupten.
T. Nußberger.
10) Friederich Hammer, Metzger zu
Marbach, 74 J. alt. Wittwer.
Er könne von den Hauptmann
Schiller'schen Eheleuten nicht weiter angeben, als daß er wisse, das sie in des
Schölkopfen - nunmehrigem Günther'schen Haus gewohnt.
T. Friederich Hammer.
11) Sibylle Ekstein, ledige Tochter
des verstorbenen Hansjörg Ekstein, Pflästerers in Marbach, 68 J. alt
Sie erinnere sich der
Schiller'schen Eheleute und des Vaters der Frau Schillerin noch sehr wohl,
ferner, daß Frau Schillerin in dem Schölkopfischen, nunmehr Günther'schen Haus
ein Kind geboren. Ob die Hauptmann Schiller'schen Eheleute auch einmal in des
Bek Hehren Haus gewohnt, davon wisse sie nichts.
T. Sibylle Eksteinin.
12) Alt Johannes Andreas Maier,
Schreiner zu Marbach, verheirathet, 70 Jahr alt.
Er habe den Hauptmann Schiller
wohl gekannt, und wisse, daß solcher im Günther'schen Haus gewohnt, daß er auch
im Bek Hehr'schen Haus gewohnt, und wo seine Kinder zur Welt gekommen, solches
wisse er nicht.
T. And. Maier.
13) Regine Barbara, Johannes Hauflers,
Weingärtners, Eheweib, 62 J. alt.
Sie habe zwar wohl die Eltern
der Frau Hauptmännin Schillerin gekannt, wisse hingegen von den Schiller'schen
Eheleuten, und wo sie gewohnt, nichts anzugeben.
T. Hauflerin.
14) Michel Hammer, Schneider zu
Marbach, 68 J. alt.
Er wisse nichts anzugeben, als
daß Hauptmann Schiller einmal im Günther'schen Haus gewohnt, allein wo seine
Kinder geboren, und ob Schiller auch im Hehr'schen Haus gewohnt, wisse er nicht.
T. Michael Hammer.
15) Heinrich Hehr, Bek zu Marbach, 31
Jahr alt, geboren zu Lautenbach, Winnender Ober-Amts.
Er wisse von der Schiller'schen
Geburt und Schillers Eltern nichts anzugeben, als daß Bäckermeister Stolpp von
hier, ein naher Anverwandter des Dichtes, von seiner verstorbenen Mutter es
wissen wolle, und letztere es schriftlich hinterlassen haben soll daß Dichter
Schiller in seinem, des Dep., Hause geboren sey, und dessen Eltern daselbst
gewohnt haben, während das Haus einem Bek Preßel in Marbach gehört habe.
T. Heinrich Hehr.