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Protokollvernehmung, das Geburtshaus des Friederich v. Schiller betreffend.

(Mitgetheilt von Herrn Rooschüz.)

Actum Marbach.

den 10. Jun. 1812.

   Herr Gürtlermeister Franke von Marbach hat das Oberamt ersucht, diejenigen Inwohner von Marbach, welche über das Haus, worinn der vor einigen Jahren in Weimar gestorbene und von Marbach gebürtige Dichter, Hofrath Friederich v. Schiller, zur Welt gekommen, Auskunft geben können, zu vernehmen, um dieses Haus in Erfahrung zu bringen, und mit einem bereits gefertigten Denkmal zieren zu können.

   Es werden daher die von Herrn Franke selbst genannten Personen vernommen und zur Angabe der Wahrheit ernstlich erinnert:

1) Margaretha Mühlbachin, ledige Tochter des verstorbenen Joseph Mühlbach, Bauern zu Marbach, im J. 1758 geboren.

   Sie gibt an:

   Von ihrem Vetter, Sekler Ulrich Schölkopf von Marbach, welcher ungefähr vor 6 Jahren verstorben, wisse sie, daß der Vater des Friederich Schiller in seinem, des Schölkopfs Hause, welches nunmehr dem Sekler Günther, einem Stiefsohn des Schölkopfs, gehöre, gewohnt habe, und die zwei Schiller'schen Kinder, wovon eines, wenn ihr recht sey, Louise und das andere Friz geheißen, geboren seyen.

   Sie erinnere sich auch noch, den Friz Schiller, der ein rothes Haar und Roßmucken [Sommerflecken] gehabt, wenn er von Ludwigsburg, wo nachher sein Vater gewohnt, zu seien Großeltern, den Friz Kodweisischen Eheleuten, nach Marbach gekommen, gesehen zu haben; er möge damals in einem Alter von 10-12 Jahren gestanden seyn.

   So lange ihr Vetter Schölkopf gelebt, habe sie öfters in seinem haus gesponnen, und in dieser Zeit habe ihr Schölkopf manches von den Hauptmann Schiller'schen Eheleuten erzählt, und unter anderm auch, daß die angegebenen beiden Schiller'schen Kinder in seinem Hause geboren worden; sonst wisse sie weiter nichts mehr von dem Friz Schiller anzugeben, und könne sie die Wahrhaftigkeit ihrer Angabe jederzeit verantworten.

T. (kann nicht schreiben.)                   

2) Christine, Jakob Koelens, Stadtknechts zu Marbach, Ehefrau, 75 Jahr alt. Sie gibt an:

   Sie wisse noch, daß sie den 9. Nov. 1759 (wie solches auch auf dem Papier, daß sie vorzeigte, und worauf sie damals ihre Familien-Angelegenheit geschrieben, enthaltne sey, erhelle) in Abwesenheit ihres damaligen Ehemanns Mart. [oder Matth.] Hornung, der unter dem von Gablenzischen Regiment gestanden, niedergekommen. Ihr Mann habe sich während dem damaligen siebenjährigen Krieg, [sie] so wie auch der nachmalige Hauptmann Schiller, in Würzburg befunden. Ihr Mann und Hauptmann Schiller seyen an Simon und Judä desselben Jahrs aus dem Lande abmarschirt. Da ihr damals gebornes Kind nur 19 Tage alt geworden, so sey sie ungefähr im Jan. 1760 zu ihrem Manne abgereist, und habe, da sie vorher durch Frau Hauptmännin Schiller einen Brief von ihrem Mann erhalten, auch einen Brief von dieser an ihren Mann mitgenommen.

   Aus Veranlassung der Entfernung ihres Ehemanns und dieser Briefschaften, sey sie damals zur Frau Hauptmännin Schillerin in's Haus gekommen, und zwar in das nunmehr Sekler Güntherische Haus, wo die Schillerischen Eheleute noch gewohnt. Das Haus habe damals dem Sekler Schölkopf gehört.

   Ob Frau Hauptmännin Schiller damals in der Kindbett gewesen, erinnere sie sich nicht mehr, nachher sey sie nicht mehr in's Haus gekommen.

   Die Wahrhaftigkeit ihrer Angabe könne sie mit bestem Gewissen behaupten.

T. Koelen.                   

3) Magdalene, Gottlob Schönemaiers, Saifensieders zu Marbach, Ehefrau, 77 Jahr alt.

   Sie habe ehmals als Magd bei den Schillerschen Eheleuten gedient, könne aber schlechtedings nicht mehr angeben, wie alt sie damals gewesen, oder in welchen Jahrgang die Zeit falle! sie sey auch nachher, um auszuhelfen, öfters in's Haus gekommen, sie wisse noch, daß nach einem geendigten Feldzug - der Jahrgang sey ihr unbekannt, - Hauptmann Schiller mit dem Regiment wozu er gehörte, in Vaihingen im Quartier gelegen. Um ihm eine Freude zu machen, sey sie mit Frau Hauptmännin Schillerin und zwei Kindern, wovon eines ein Mädchen und das andere ein Söhnchen, das noch nicht habe laufen [gehen] können, nach Vaihingen gegangen. Hauptmann Schillerin habe damals in dem Schölkopfischen nunmehr Sekler Güntherischen Hause gewohnt; so viel sie wisse, haben die Schiller'schen Eheleute einige Jahre in diesem Hause gewohnt, und sey die Frau in diesem Hause in der Kindbett [sie] gelegen. Auch erinnere sie sich noch, daß vorher kurze Zeit die Schiller'schen Eheleute in dem jetzigen Bek Schmids Haus gewohnt.

   Bei ihrem Alter, und da die Schiller'schen Eheleute schon lange von Marbach wegekommen, wisse sie übrigens nichts weiter anzugeben, könne hingegen auf ihren bisherigen Angaben mit bestem Gewissen beharren.

T. Magdalene.                   

4) Maria Magdalena, Wilhelm Schmids, Richters und Bäckers zu Marbach, Ehefrau, 68 J. alt.

   In dem Haus ihres Vaters, Conrad Weigle, worin sie mit ihrem Mann gegenwärtig wohne, habe der Vater der Frau Schillerin, Namens Kodweis, ehemaliger Löwenwirth von hier, miethsweise gewohnt, während einem Feldzug [sie] habe nun auch die Kodweisische Tochter, Frau Hauptmännin Schillerin, eine sehr schöne Frau in ihrem Haus gewohnt, und sey mit einem Mädle [sie] niedergekommen, das sie in die Kirche zur Taufe getragen. Nachher seyen die Schiller'schen Eheleute in's Schölkopfen Haus gezogen, und habe daselbst die Frau Schillerin ein Büble [sie] geboren, deß Vorname sie nicht wisse, und das, wenn sie nicht irre, die Tochter eines damaligen Spezials in Marbach, Namens Volzin, in die Kirche getragen, die Jahrgänge könne sie übrigens nicht angeben, beharre hingegen mit bestem Gewissen bei ihrer Angabe.

T. Magdalena Schmidin.                   

5) Erhard Friedrich Günther, Sekler von Marbach, 68 J. alt, verheirathet.

   Er sey als Stiefsohn des Seklers Schölkopf noch in diesem Hause, das nunmehr ihm gehöre, gewesen, als Frau Hauptmännin Schiller in solchem mit dem Sohn Friederich niedergekommen: er deponirt, sie sey bis zum Jahr 1764 im Haus geblieben und er habe den Friederich Schiller als Kind oft auf seinen Armen getragen. Ein oder zwei Jahre vor der Geburt des Fr. Schiller sey Frau Hauptmann Schillerin ins Haus gezogen. Hauptmann Schiller selbst sey, da er den Feldzügen angewohnt, wenig nach Marbach gekommen.

   Auf die Wahrheit seiner Angabe, und insbesondere daß Friederich Schiller in seinem Haus geboren, könne er leben und sterben, und könne er sein Vermögen daran setzen, daß solches wahr sey.

T. Erhardt Fried. Günther.                   

6) Friedrich Theilaker, Schmid zu Marbach, 63 J. alt.

   Er habe bis zu seinem ungefähr 19ten Jahr im nunmehrigen Schmid Daiberschen Haus gewohnt, das ganz in der Nähe des Güntherischen Hauses sey, und wisse er daher, daß ungefähr in dem 1750er Jahrgang die Schillerschen Eheleute in solchem gewohnt, und die Frau Hauptmännin Schillerin in dem Güntherischen Haus mit einem Buben, den man Friz geheißen, niedergekommen, er habe der Frau Hauptmännin oft Wasser, Zucker und andere Waaren holen müssen, und erinnere sich daher noch ganz von der ersten Kindheit des Friederich Schiller, den er auch manchmal gewiegt habe. Er sey auch mit seinem Vater sehr häufig in die Schiller'sche Wohnung gekommen.

   Seine Angabe könne er mit bestem Gewissen behaupten.

T. Theilaker.                   

7) Regine Catharine, des verstorbenen Gottfried Caspar Stollpen, Buchbinders, Ehefrau, von Marbach, 57 J. alt, geborne Glockerin.

   Ihre Mutter und Frau Hauptmännin Schillerin hätten gemeinschaftliche Groß-Eltern gehabt, und wegen dieser Verwandschaft sey sie mit ihrer Mutter manchmal in die Wohnung der Frau Hauptmännin Schillerin mitgenommen worden. Von ihrer Kindheit wisse sie noch, daß sie einmal in das nunmehr Günther'sche Haus zu Frau Hauptmännin Schiller, und nachher in das nunmehr Andrasische Haus gekommen, und die Frau Schillerin ihrer Mutter erzählt habe, daß, als sie einmal 2 Kinder gehabt, ihr die Schölkopfische Wohnung zu klein geworden, und sie daher habe ausziehen müssen.

   Diese Angabe könne sie mit bestem Gewissen behaupten.

T. Stollppin.                   

8) Ludwig Friedrich Imanuel, Peruckenmacher, 45 J. alt, verheurathet zu Marbach.

   Der vor mehreren Jahren verstorbene Sekler Schölkopf sey ehmals öfters in sein Haus gekommen und habe unter anderm erzählt, daß Friederich Schiller in dem untern Stüble seines Hauses zur Welt gekommen, ebenso habe die ungefähr 80jährige Cath. Nußbergerin, ledig, die ehmals bei Schölkopf gedient haben soll, nunmehr aber nichts mehr höre, es öfters erzählt.

   Daß er solches mit angehört, könne er mit bestem Gewissen behaupten.

T. Fried. Imanuel.                   

9) Alt Friederich Rußberger, Weingärtner zu Marbach, verheurathet, 70 J. alt.

   Er, Deponent, sey im Jahr 1759 Soldat geworden, und wisse er noch, daß damals in dem Schölkopfischen Hause Frau Hauptmännin Schillerin, und in des Bek Hehren Haus Fähndrich Klozen und Fähndrich Hämmerlin logirt haben, das damalige königl. Regiment sey in denen 4 Städten: Marbach, Laufen, Großbotwar und Besigheim gelegen, und zu diesem Regiment sey er, Deponent, damals einrangirt worden.

   Diese seine Angaben und daß er sich noch ganz bestimmt erinnere, daß an. 1759 Frau Hauptmännin Schillerin noch im Schölkopfischen Haus gewohnt, könne er mit gutem Gewissen behaupten.

T. Nußberger.                   

10) Friederich Hammer, Metzger zu Marbach, 74 J. alt. Wittwer.

   Er könne von den Hauptmann Schiller'schen Eheleuten nicht weiter angeben, als daß er wisse, das sie in des Schölkopfen - nunmehrigem Günther'schen Haus gewohnt.

T. Friederich Hammer.                   

11) Sibylle Ekstein, ledige Tochter des verstorbenen Hansjörg Ekstein, Pflästerers in Marbach, 68 J. alt

   Sie erinnere sich der Schiller'schen Eheleute und des Vaters der Frau Schillerin noch sehr wohl, ferner, daß Frau Schillerin in dem Schölkopfischen, nunmehr Günther'schen Haus ein Kind geboren. Ob die Hauptmann Schiller'schen Eheleute auch einmal in des Bek Hehren Haus gewohnt, davon wisse sie nichts.

T. Sibylle Eksteinin.                   

12) Alt Johannes Andreas Maier, Schreiner zu Marbach, verheirathet, 70 Jahr alt.

   Er habe den Hauptmann Schiller wohl gekannt, und wisse, daß solcher im Günther'schen Haus gewohnt, daß er auch im Bek Hehr'schen Haus gewohnt, und wo seine Kinder zur Welt gekommen, solches wisse er nicht.

T. And. Maier.                   

13) Regine Barbara, Johannes Hauflers, Weingärtners, Eheweib, 62 J. alt.

   Sie habe zwar wohl die Eltern der Frau Hauptmännin Schillerin gekannt, wisse hingegen von den Schiller'schen Eheleuten, und wo sie gewohnt, nichts anzugeben.

T. Hauflerin.                   

14) Michel Hammer, Schneider zu Marbach, 68 J. alt.

   Er wisse nichts anzugeben, als daß Hauptmann Schiller einmal im Günther'schen Haus gewohnt, allein wo seine Kinder geboren, und ob Schiller auch im Hehr'schen Haus gewohnt, wisse er nicht.

T. Michael Hammer.                   

15) Heinrich Hehr, Bek zu Marbach, 31 Jahr alt, geboren zu Lautenbach, Winnender Ober-Amts.

   Er wisse von der Schiller'schen Geburt und Schillers Eltern nichts anzugeben, als daß Bäckermeister Stolpp von hier, ein naher Anverwandter des Dichtes, von seiner verstorbenen Mutter es wissen wolle, und letztere es schriftlich hinterlassen haben soll daß Dichter Schiller in seinem, des Dep., Hause geboren sey, und dessen Eltern daselbst gewohnt haben, während das Haus einem Bek Preßel in Marbach gehört habe.

T. Heinrich Hehr.                   

Die Richtigkeit der Abschrift beurkundet

Marbach, 21. Sept. 1828.

Oberamtsrichter Rooschüz.                   

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