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Brief von Johann Friedrich Schiller

an den

Cand. Theol. Waiblen in Halle.

d. d. 2. März 1760.

(Mitgetheilt von Herrn Oberamtsrichter Rooschütz in Marbach.)

Stuttgart, den 2. März 1760.

   Mein lieber Herr Weiblen, wenn ich Ihnen sage, daß ich seit dem September in Holland geweßen, daß ich in Affairen an den Herzog nach Heßen, von diesem nach Stuttgart, von Stuttgart wieder nach Heßen, und vom Herzog zum zweiten Male nach Stuttgart geschcikt worden, so sage ich Ihnen viel, aber doch den wenigsten Theil meiner Geschäfte. Ich habe in meinen Unternemungen reussirt. Das ist Alles, was ich Ihnen sagen kann. Ich genieße vorzüglich Zutritt und gnade; ich weiß noch nicht, ob ich wieder auf Reißen gehen werde, oder hier bleiben muß. Heute oder Morgen werde ich es erfahren. Wie viel habe ich Ihnen zu sagen, und wie sehr werden Sie erstaunen.

   Wollen Sie zu mir kommen, so sende ich Ihnen hierbey 20 Rchsthl. zur Erleichterung Ihrer Reißekosten. aber Sie müßen ohnverzüglich nach Empfang dieses abreißen. Gehe ich wieder auf Reißen, so werde ich Sie mitnehmen. Sie sollen mir als Vorleßer und Secretair dienen. Es verstehet sich, daß ich die Briefe an den Herzog, an die Ministers und an Standespersonen selbst schreiben, und solche nur durch Sie werde copiren laßen; die übrige Briefe werde ich Ihnen dictiren. Sobald ich wieder nach Hauße kommen werde, sollen Sie versorgt seyn, Sie mögen geistlich oder weltlich bleiben wollen. Das aber sage ich Ihnen zum Vorauß, was ich von Ihnen verlange, muß ohne Widerrede, Untersuchung oder Verzögerung geschehen. Alles, was ich unterneme, wenn es gleich bisweilen allzukühn scheinet, hat seinen Grund, muß honnet seyn, und ich weiß, wie weit ich gehen kann und darf. Die Verantwortung überlaßen Sie mir. Bisher habe ich keine Ursache gehabt, mich um Cabalen zu bekümmern. Ich bin mit meiner dermaligen Lage vollkommen zufrieden, und werde mich darin zu behaupten wißen.

   Geben sie Herrn Gebauern innliegendes Billet, und entschuldigen Sie mich, daß ich nicht mehr habe schreiben können.

   Ich empfehle Ihnen nochmals, wann Sie bei mir seyn wollen, unverzüglich abzureißen, Sie werden in Nürnberg weiter Adresse finden, wenn ich allzuplötzlich wieder fortgeschickt würde. Und sollte Ihnen woran manglen, so werde ich davor sorgen.

   Ich versichere Ihnen, daß Sie Ihr Schicksal keinen beßern Händen als den meinigen anvertrauen können. Verschwiegen müssen Sie seyn können, wenn Sie sich der Ahndung des Herzogs, unsers liebsten Carls, und meiner Rache nicht aussetzen wollen. Es haben es angesehene Personen empfunden, daß man mich lieber zum Freund als zum Feinde haben muß.

   Bringen Sie mir von Herrn oder Madame Gebauer Briefe mit, so wird es mir, je länger Sie sind, desto angenehmer seyn. Nur halten Sie sich nicht lange auf, indem ich geschwind reiße, und es verdrießlich seyn würde, Sie nachkommen zu laßen.

   Melden Sie bei Gelegenheit Herrn Professor Meier meine gehorsamste Empfehlung.

   Entschließen Sie sich kurz und gut; und zaudern Sie nicht. Ich umarme Sie und verbleibe, wie Sie mich kennen,

Johann Friedrich Schiller.

 

         à Monsieur
    Monsieur Weiblen,
Candidat en Theologie
           à present
                  à

                      Halle,
                   en Saxe.

   Verbotenus concordare cum vero suo originali
testatur Stuttgardiae d. 16. Jan. 1761.

                          Andreas Hermann Schweppe,
             (L. S.)       Imper. Author. Notarius publi-
                              cus juratus in fidem subscr.

                                               m.p.

Ü   Þ

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