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Auszug aus einem Schreiben des Herrn Diakonus Palmer zu Marbachan den Mitherausgeber und Verleger Liesching. Okt. 1839. - - Auf Ihr werthes Schreiben vom 16., welches mir gestern Abend zukam, habe ich das Vergnügen, nach Durchsicht der Kirchenbücher Folgendes zu erwiedern: Laut hiesigem Ehebuch hat sich am 6. Aug. 1715 allhier Johann Caspar Schiller (nicht Schillers Vater), Bürger und Bäcker allhier, verehelicht mit Maria Dorothea, des Jodocus Müller, Bürgers und Tuchmachers, ehelicher Tochter. Das erste Kind aus dieser Ehe kam nun erst 12 Jahre nach der Verheirathung der Eltern zur Welt (welcher Umstand auch mich beim Rückwärtssuchen anfangs irre machen wollte) nemlich am 27. Mart. 1727 wurden besagten Eltern Zwillinge geboren, Christoph Friederich und Sophie Heinrike. Das zweite Kind erschien am 15. Jul. 1731, und dies ist Johann Friedrich Schiller, ohne allen Zweifel der Vetter, von dem S. 15 die Rede ist. Nun wäre der freilich, da er im Jahre 1759 als Studiosus philosophiae im Taufbuch unter den Pathen des Dichters auftritt, zu der Zeit ein alter Knabe gewesen; doch ist ein 28jähriger Student nicht gerade etwas Unmögliches. - Allein es fragt sich, wie er mit Schiller verwandt ist. Sein Vater, der obengenannte Bäcker Joh. Caspar Schiller, wird im Ehebuch angegeben als Sohn von Johann Georg Schiller, Bürger und Bäcker zu Waiblingen. Diese Spur zeigt, daß die Verwandtschaft doch nicht von der Mutter, sondern dem Vater abgeleitet werden muß; ohne Zweifel ist jener Johann Georg ein Bruder vom Großvater des Dichters; denn jener hat im J. 1715 einen heirathsfähigen Sohn, nehmen wir nun etwa das Alter des Vaters zu 50 Jahren, so käme das Jahr 1665 als Geburtsjahr desselben heraus, wovon das Geburtsjahr von Schillers Großvater, 1682 nicht so weit absteht, daß sie nicht Brüder seyn könnten. Möglich wäre es aber auch, daß dieser Johann Georg ein Bruder von Schillers Urgroßvater wäre, was fast noch wahrscheinlicher ist, da dieser, der Johann Caspar, im Jahr 1750 geboren ist, und jene angenommenen 50 Jahre leicht auch 60 gewesen seyn können, so daß im letztern Fall das Alter dieses Johann Caspar und des Johann Georg nur um 5 Jahre differirt. Dadurch wird freilich der Enkel dieses Joh. Georg, der fragliche Johann Friedrich, ein gar weitläuftiger Vetter, nemlich auf diese Weise.
Oheim kann er wohl nur zum Scherz genannt worden seyn; und zu einer spaßhaften Ansicht von seiner Person würde der 28 jährige Stud. phil. wohl taugen. Uebrigens sollte das Waiblinger Ehebuch den Johann Georg enthalten, mit Beisetzung des Namens seines Vaters; und würde derselbe der S. 3 in Heppach gefundene Hans Schiller seyn, so wäre die Verwandtschaft constatirt. Dies dürfte vielleicht auch dadurch wenigstens um ein Quentchen an Wahrscheinlichkeit gewinnen, daß der Vater jenes Hans ein Georg ist, wornach dann der Enkel, jener Waiblinger Bäcker, auch Georg genannt worden seyn könnte. - Aus späterer Zeit ist über den Johann Friedrich hier keine Silbe zu finden, überhaupt hat es nicht allzulange Schiller hier gegeben; im Seelenregister von 1788 (die erste rohe Zusammenstellung der Familien) habe ich schon keinen Schiller mehr gefunden. Nur eine Schwester von Schillers Vater, Eva Margaretha, verheirathet an Georg Caspar Stolpp, Fischer, (†) hat 3 Söhne hinterlassen, Johann Stephan (geb. 26. Dec. 1762,) Fischer allhier; Christian (ehmal. kk. österr. Militärverpflegungs-Bäckermeister, geb. 8. Jan. 1757); und Gottfried Caspar, Buchbinder, (geb. 14. Febr. 1752.) Sollte Ihnen über die weiteren Nachkommen irgend einmal eine Notiz erwünscht seyn so stehe ich mit allem Vergnügen zu Dienste. - - - Diak. Palmer. |
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