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Wallensteins Tod

„Das dritte Stück wird durchbrechen, wie ich hoffe“, schreibt Schiller am 7. März vertrauensvoll an Goethe. „Ich habe es endlich glücklicherweise arrangieren können, dass es auch fünf Akte hat, und den Anstalten zu Wallensteins Ermordung ist eine größere Breite sowohl als theatralische Bedeutung gegeben. Zwei resolute Hauptleute, die die Tat vollziehen, sind handelnd und redend eingeflochten; dadurch kommt auch Buttler höher zu stehen, und die Präparatorien zu der Mordszene werden furchtbarer.“

Goethe fand die zwei ersten Akte „fürtrefflich“; sie machten beim ersten Lesen auf ihn eine so lebhafte Wirkung, dass sie gar keinen Zweifel zuließen, „wenn sich der Zuschauer bei den Piccolominis“, sagt er, „aus einem gewissen künstlichen und hier und da willkürlich scheinenden Gewebe nicht gleich herausfinden, mit sich und andern nicht völlig eins werden kann, so gehen diese neuen Akte nun schon gleichsam als naturnotwendig vor sich hin. Die Welt ist gegeben, in der das alles geschieht, die Gesetze sind aufgestellt, nach denen man urteilt, der Strom des Interesses, der Leidenschaft findet sein Bett schon gegraben, in dem er hinabrollen kann.“ Mit „wahrem Anteil und inniger Rührung“ hat er diese Akte in der Frühe des 9. März gelesen. Schiller aber hoffte, voll Freude über dieses Urteil, dass die drei letzten Akte, wenn er sie auch nicht ganz so genau auszuführen Zeit hätte, wenigstens dem ganzen Effekt nach nicht hinter den ersten zurückbleiben werden.

Schillers Arbeit, in sicherer Begeisterung, ging so schnell, dass der Freund in Weimar schon am 16. März recht herzlich zum Tod des theatralischen Helden gratulieren konnte. Schiller hatte sich schon lange vor dem Augenblick gefürchtet, den er doch so sehr wünschte: Vor dem Augenblick, wo er seines Werkes los sein würde. Er versicherte, sich in seiner jetzigen Freiheit schlimmer zu befinden, als in der bisherigen Sklaverei. „Die Masse, die mich bisher anzog und festhielt, ist nun auf einmal weg, und mir dünkt, als wenn ich bestimmungslos im luftleeren Raum hing. Zugleich ist mir, als wenn es absolut unmöglich wäre, dass ich wieder etwas hervorbringen könnte; ich werde nicht eher ruhig sein, bis ich meine Gedanken wieder auf eine bestimmten Stoff mit Hoffnung und Neigung gerichtet sehe.“ Andere Dichter hören mit Lust, dass es auch dem größten Dichter nach Vollendung eines Hauptwerkes zumute war, wie es ihnen jedes Mal in solchem Fall zumute ist.

Die Antwort Goethes auf Wallensteins Tod wurde leider mündlich abgegeben. Sie lässt sich denken. Bis an sein Lebensende stellte er das Stück über die Piccolomini. Die letztern waren ihm gleichsam nur des Hergangs der Sache willen da, nur als Expositionsstück. Sie werden auch, wie er bemerkte, auf dem Theater nicht wiederholt, aber Wallensteins Tod wird immerfort gern gesehen1).

Das erste Mal wurde dies Schlussstück zu Weimar in der Mitte April und wieder im Sommer vor dem König von Preußen und seiner Gemahlin, es erhellt nicht genau wann, aufgeführt. Schiller wurde der liebenswürdigen Königin Louise vorgestellt, und fand, dass sie sehr geist- und gefühlsvoll in den Sinn seiner Dichtungen eingegangen. In Berlin war es am 17. Mai gut gegeben und aufgenommen worden. Auch in Rudolstadt wurde der Wallenstein im August unter vielem Zulauf dargestellt.

Der Geist des alten Feldherrn führte sich außerdem noch als ein würdiges Gespenst auf, wie Schiller lächelnd erzählte; er half ihm Schätze heben. Am 27. August wurde er durch ein schweres Packet sehr angenehm überrascht, und sah durch den Wallenstein einen Geldstrom in seine Besitzungen geleitet2).

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1) Eckermann. ­
2) Schiller an Goethe V, S. 173.
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