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Der erste Musenalmanach

Alle diese Tätigkeit war durch die Horen und den Almanach hervorgerufen. Der Plan zu dem letztern wurde von Schiller schon im Sommer 1794 entworfen und bei seinem Besuch in Weimar Goethe mitgeteilt. Im Oktober dieses Jahres hatte er auch schon einen jungen Buchhändler aus Neustrelitz, Herrn Michaelis (jetzt zu Tübingen als Professor emeritus lebend), gewonnen, und der Almanach sollte für 1796 auf die Herbstmesse 1795 erscheinen1). „Auf ihre Güte“, schreibt er darüber (20. Okt. 1794) an Goethe, „zähle ich dabei sehr. Mir ist diese Entreprise dem Geschäft nach, eine sehr unbedeutende Vermehrung der Last, aber für meine ökonomischen Zweck desto glücklicher, weil ich sie auch bei einer schwachen Gesundheit fortführen und dadurch meine Unabhängigkeit sichern kann.“

Dieser Sache nahm sich Goethe sogleich an; er tat schon jetzt den Vorschlag ein Büchelchen Epigramme ein- oder anzurücken.“ Getrennt bedeuten sie nichts; wir würden aber wohl aus einigen hunderten, die mitunter nicht produkibel sind, doch eine Anzahl auswählen können, die sich aufeinander beziehen und ein Ganzes bilden. Das nächste Mal dass wir zusammenkommen, sollen Sie die leichtfertige Brut im Nest beisammen sehen.“ (26. Okt. 1794) Damit sind aber nur erst Goethesche Distichen, auf „die schönen Bettinen und Lazerten“ in Italien, und noch nicht die Xenien gemeint.

Am 21. Mai des folgenden Jahres erschien nun der Almanachsverleger mit einem freundlichen Empfehlungsschreiben Schillers bei Goethes in Weimar. Schiller wünschte von seinem Freund Beiträge von kleinen Gedichten, Romanzen und dergleichen, was Stoff zu Vignetten gäbe, die vielleicht Unger skizzieren würde. Der Almanach sollte bei dem letztern elegant gedruckt werden.

Zur Michaelismesse 1795 erschien das Büchlein, dessen Druck Humboldt von Tegel, seinem Landgute, aus in Berlin besorgt zu haben scheint. Im Dezember schickte der Musenalmanach Goethe durch Schiller ein kleines epigrammatisches Honorar. „Es wird nicht hinreichen die Zechinen zu ersetzen, die über den Epigrammen draufgegangen sind“, sagte er dabei lächelnd zu dem einstigen Wanderer durch Italien. Nach Humboldts Versicherung aus Berlin, um dieselbe Zeit, wurde der Almanach dort „entsetzlich gekauft“, und man fand ihn in allen Häusern. „Die Vernünftigen sind natürlich ganz und entschieden für ihn, aber dieser gibt es nur wenige. Bei den Übrigen muss man sich begnügen, wenn sie seinen offenbaren Vorzug über seine Brüder anerkennen. – Unter Ihren Stücken höre ich die Ideale am meisten, den Tanz am wenigsten loben. An der Würde der Frauen hörte ich Mangel an eigentlichem Plan und Notwendigkeit des Zusammenhangs tadeln, in der Macht des Gesanges die letzten Strophen den ersten schlechterdings nachsetzen, und was des Geschwätzes mehr ist.“ –

Dass der Musenalmanach durch den schnellen und großen Absatz eine dauernde Unternehmung und Einnahme zu werden versprach, war unserem Dichter besonders deswegen zu gönnen, weil er schon im Anfang des Jahres 1795 einen vorteilhaften Ruf nach Tübingen entschieden abgelehnt hatte. „Meine Landsleute“, heißt es in einem Brief an Goethe vom 19. Febr., „haben mir die Ehre angetan, mich nach Tübingen zu votieren, wo man sich jetzt sehr mit Reformen zu beschäftigen scheint. Aber da ich doch einmal zum akademischen Lehrer unbrauchbar gemacht bin, so will ich lieber hier in Jena, wo ich gern bin und womöglich leben und sterben will, als irgend anderswo müßig gehen. Ich hab’ es also ausgeschlagen, und mache mir daraus kein Verdienst; denn meine Neigung entschied schon allein die ganze Sache, so dass ich gar nicht nötig hatte, mich der Verbindlichkeiten zu erinnern, die ich unserm guten Herzog schuldig bin, und die ich ihm am liebsten vor allen andern schuldig sein mag. Für meine Existenz glaube ich nichts besorgen zu dürfen, solange ich noch einigermaßen die Feder führen kann; und so lasse ich den Himmel walten, der mich noch nie verlassen hat.“

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1) Die spätern Musenalmanache Schillers 1797-1801 erschienen sämtlich bei Cotta in Tübingen. ­

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