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RückfallDie Kantianer, welche Reinholds Vorlesungen nach Jena gezogen, sammelten sich jetzt auch um Schiller und fanden sich bei ihm zu philosophischen Gesprächen ein, darunter der uns seitdem trefflich geschilderte Erhard, und ein Baron Herbart, den noch im Mannesalter Liebe zur Philosophie aus Steiermark nach Jena gezogen. Aber Anfälle von schweren Brustkrämpfen störten dieses heitre geistige Leben, und auf einem Besuche in Rudolstadt führte den Dichter ein harter Anfall dem Tod nahe. Er verlangte die Freunde der Familie zu sehen, damit sie lernten, wie man ruhig sterben könne. Mit männlicher Fassung hieß er die Seinigen sich beruhigen und das Unvermeidliche ertragen. An seinem Bett saß die Schwägerin, und las ihm Stellen aus Kants Kritik der Urteilskraft, die auf Unsterblichkeit deuten, vor. „Den Lichtstrahl aus der Seele des ruhigen Weisen, und den tröstenden Glauben meines Herzens“, schreibt sie, „dass solch ein Wesen in der Blüte seiner Kraft nicht enden, und uns nicht für immer entzogen werden könne, – nahm er ruhig auf.“ „Dem allwaltenden Geist der Natur müssen wir uns ergeben“, sagte er, „und wirken, solange wir’s vermögen.“ Als ihm die Sprache schwer zu werden anfing, griff er nach dem Schreibzeug und schrieb – „Sorget für eure Gesundheit, man kann ohne das nicht gut sein.“ Noch verwahrt die Freundin diese rührenden Worte der Liebe. Es ist unleugbar, dass das Studium von Kants Kritik der Urteilskraft den Glauben an den persönlichen Gott und an Unsterblichkeit, dem wir ihn zwei Jahre früher genähert sahen, bei Schiller eher wieder in den Hintergrund treten ließ, und das System der bloßen Immanenz Gottes in der Welt seiner Seele wieder vorführte, sonst hätte er die Todesmahnung in andrer Haltung aufgenommen. Die Worte, welche er seiner Geistesfreundin erwiderte, – es könnte sie nicht nur ein Spinozist, es könnte sie auch ein Encyklopädist gesprochen haben1). 1) Im April 1827 ging der Verfasser dieser Biografie im Krankensaal des Pariser Invalidenhauses, von einem Arzt begleitet, an dem Bett eines zweiundneunzigjährigen Kapitäns vorüber, der von Steinschmerzen gemartert, seinem Ende entgegensah. „Je meurs de douleurs, messieurs“, rief er uns mit fester Stimme zu; „mias que faire? La nature le veut: il faut obéir.“ |
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