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Krankheit

Auch im häuslichen Leben sollte es dem Dichter nur so lange gut gehen, als unumgänglich notwendig zu seinem geistigen Tagewerk auf Erden war. Zuerst betrübten ihn, noch vor der Hochzeit, traurige Nachrichten von zuhause. Seine Mutter war schon im Jahr 1789 sehr krank gewesen. Im Januar des Jahres 1790 glaubte er diese Leiden mit der Quelle gehoben. „Seine Seele war von Rührung und Dank gegen die gütige Vorsicht bewegt“, denn es hatte sein Herz zerrissen, dass die teuerste Mutter das Glück ihres Sohnes, die bevorstehende Verbindung mit Lottchen von Lengefeld nicht mehr erleben sollte. Im Februar wurde er aufs Neue beunruhigt und verschrieb, der gute Doktor Med., von Jena aus, der Mutter Chinarinde, falls ein schleichendes Fieber hinzugetreten wäre. Die Kranke scheint sich sehr langsam erholt zu haben, denn noch spätere Äußerungen Schillers sprechen mit Besorgnis von ihr. Inzwischen wurde seine eigene Gesundheit in ihren Grundfesten erschüttert. „Ein harter Schlag traf ihn und die Seinen“, erzählt Frau von Wolzogen, „in dieser sich so glücklich gestaltenden Zeit. Während eines Besuchs, den er dem Coadjutor in Erfurt machte, wurde er beim Abendessen, bei einem Konzert im Stadthaus, wozu uns jener eingeladen, von einem heftigen Fieber angefallen.“ Doch schien nur eine Erkältung der Grund zu sein; kaum aber nach Jena zurückgekehrt, wurde er aufs Neue darnieder geworfen und eine Brustkrankheit ergriff ihn, die nach der Versicherung der Schwägerin seinen körperlichen Zustand für seine ganze Lebenszeit zerrüttete. Die augenblickliche Gefahr fand die herbeigeeilte Freundin zwar durch seinen Hausarzt Starke abgewendet, aber Rückfälle waren zu fürchten. Jetzt zeigte sich die allgemeine Hochachtung und Liebe, die Jena für den Dichter im Stillen gehegt. Die edelsten Zuhörer erboten sich voll Jugendeifer zu Pflege und Nachtwachen. Gustav von Adlerskron, ein in Jena Familienverhältnisse halber unter angenommenem Namen studierender Jüngling, wurde durch die unsichtbare Wartung Schillers Hausfreund; Hardenberg, der später gefeierte, herrliche Novalis, damals schon durch Talent für die Dichtkunst ausgezeichnet, kam durch die innigste Teilnahme dem Meister vertraulich nahe. Schiller, dem er vom Vater gebracht worden, sollte den Jüngling (welch ein Auftrag für einen Dichter!) von der Poesie ab und den Brotstudien zuweisen, und seine notgedrungenen Ermahnungen hatten anfangs Erfolg. Aber andere Umgebungen und der Tod seiner Braut kehrte den Jüngling frühzeitig von allem irdischen Glück ab und versenkten ihn in Fichtes Idealismus, dessen religiös-poetische Apotheose durch den wunderbaren Sänger gefeiert wurde.

Schiller genas; aber beängstigende Brustkrämpfe waren von dieser Krankheit zurückgeblieben, und wer ihn damals sah, erschrak an ihm: Sein Körper war abgemagert, sein Gesicht bleich und verfallen; nur in das noch immer helle Auge schien sich das Leben zurückgezogen zu haben. Die öffentlichen Vorlesungen mussten unterbrochen werden; er versammelte in seinem Zimmer so viele Zuhörer, als es fassen konnte, zu Privatvorträgen über Ästhetik1).

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1) Fr. v. Wolz. II, 78. ­

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