Friedrich Schiller @ www.Wissen-im-Netz.info
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   Literatur
      Schiller, Friedrich
         Biografien
            Schwab - Schillers Leben
               Vorwort
               Inhalt
               Buch 1
                  Geschlecht
                  Bei den Eltern
                  Karlsakademie
                  Regungen der Poesie
                  Verhalten z. Akademie
                  Medizin. Studien
                  Die Räuber
                  Austritt aus Akademie
                  Druck der Räuber
                  Schillers erste Lyrik
                  Aufführung Räuber
                  Folgen
                  Schillers Flucht
                  Ankunft in Mannheim
                  Gericht über Fiesko
                  Aufe. in Bauerbach
                  Lotte von Wolzogen
                  Poetische Arbeitenh
                  Aufe.in Mannheim
                  Aufführung des Fiesko
                  Kabale und Liebe
                  Auszeichnung
                  Dramatische Arbeiten
                  Don Carlos. R. Thalia
                  Liebe, Freundschaft
                  Rückblick
               Buch 2
               Buch 3
               Urkunden

Sein Verhalten zur Akademie

Dennoch machte sich Schiller, wie sein Freund von Hoven versichert, während des Aufenthalts im Institut keines Vergehens gegen die strengen Gesetze schuldig, so viel Selbstüberwindung es ihn kostete, sich immer in die Ordnung zu fügen. Zuweilen freilich brauste sein feuriges Temperament, dem pädagogischen Eigensinn seiner Erzieher und der methodischen Härte der Inspektoren gegenüber, plötzlich auf, doch wusste er den Streit gewöhnlich durch einen witzigen, oft sarkastischen Einfall, den nicht jene stumpfen Aufseher, wohl aber die Mitzöglinge zu ihrer Belustigung verstanden, schnell abzubrechen. Um ungestört dichten zu können, nahm er manchmal Zuflucht zu einer erheuchelten Krankheit, wo ihm dann gestattet wurde, während die Zöglinge nur bis zu einer bestimmten Stunde des Abends Licht brennen durften, im Krankensaal sich einer Lampe zu bedienen. Wenn denn ein Aufseher oder gar der Herzog selbst, der den Acker der Wissenschaft durch das Auge des Herrn fett machen wollte, den Saal visitierte, so bedeckte schnell ein medizinisches Werk das angefangene Manuskript. Die Peiniger seines Talents entdeckten indessen auch diesen Kunstgriff, und als ihm in einer solchen erdichteten Unpässlichkeit als zweckmäßigste Kur von den Inspektoren starke Pensa aus seiner Brotwissenschaft zugemutet wurden, übermannte ihn der Unmut und er warf dem Überbringer die zerrissene Aufgabe mit den Worten vor die Füße: „Ich muss bei der Wahl meiner Studien den freien Willen haben!“ Er wurde für diesen Ausbruch seines Freiheitssinns für einige Zeit degradiert und musste sich nur umso schweigender ins Joch schmiegen. Zuweilen gelang ihm jedoch in unbewachten Abendstunden die Flucht in eine heitere Gesellschaft, zu Freunden und Verwandten in die Stadt. Aber ein schon im Jahr 1775 mit einigen seiner besten Kameraden entworfener Plan, sich durch Entweichung aus der Akademie immerwährende Freiheit zu verschaffen, misslang gänzlich, ohne dass derselbe jedoch verraten worden wäre. „Die Inspektoren“, scherzte er nach einigen Jahren darüber, „würden von dieser Flucht keine Zeitrechnung eingeführt haben!“

Aus seinem Kerker heraus blickte Schiller mit neugierigen und sehnsüchtigen Augen nach der Bühne der wirklichen Welt, wo er (nach einem Briefe vom 25. September 1776) „ganz andere Dekorationen, Souffleurs und Akteurs“ zu ahnen begann, als er und seine Mitgefangenen sie sich in ihrer Idealwelt dachten. „Mich interessiert“, schrieb er, „alles, was ich von freien, selbständigen Männern über eine Laufbahn erfahre, die ich bald selbst betreten werde! Nicht so ganz von wirklichen Erfahrungen entblößt, wünschte ich in die wirkliche Welt überzutreten. Denn alles, was ich bisher von ihr weiß, folgerte ich aus dem Handeln und Wandeln in derselben, worüber mich die Geschichte, die treue Leiterin und Führerin auf meiner wissenschaftlichen Laufbahn, mehr als alles Geschwätz mancher Erzieher über Lebens- und Erziehungs-Prinzipe, belehrt.“

In recht trüben Augenblicken fühlte er sich ganz verlassen von den Menschen, denn „die Vierhundert, die ihn umgaben“, erschienen ihm dann „wie ein einziges Geschöpf.“ Auch bemerkte er im reiferen Alter, dass die Vielseitigkeit der Ausbildung, die sich viele andere Zöglinge in der Akademie erworben, gerade für ihn verloren gegangen sei. „Ein Kommandowort konnte den innern Kreislauf seiner Ideen nicht fesseln.“ In Wahrheit aber übte gewiss die Umgebung von so vielen Jünglingen allen Standes und der verschiedensten Nationen einen ihm selbst wohl unbewusste, bildenden Einfluss auf seinen Dichtergeist, und auch der Vorteil ist nicht gering anzuschlagen, dass er aus einer so großen Anzahl von Altersgenossen eine seltene Auswahl geistreicher, talentvoller, charakterguter Freunde durch das beginnende Leuchten seines Talents, wie durch seine Herzensgüte um sich zu vereinigen imstande war. Zu seinen vertrauten Freunden gehörten außer den genannten noch der berühmt gewordene Bildner und Schöpfer der Schillerschen Büste, der im hohen Greisenalter (1839) lebende Dannecker, und der als königl. Württembergischer Geheimrat verstorbene Lempp. „Bei der Wahl dieser Freunde, sah er“, nach Hovens Zeugnis, „ebenso sehr, ja beinahe mehr, auf die Güte des Herzens und Haltung im Charakter, als auf ausgezeichnete Geistestalente. Wen er für gemein, unzuverlässig, niedrig, bösartig hielt, den verachtete er; und wenn er nähere Berührungen nicht vermeiden konnte, so betrug er sich gegen ihn mit zurückschreckender Kälte; beschränkte Menschen ertrug er; Beschränktheit, mit Dünkel gepaart, wurde von ihm geneckt, während eben diese, mit Güte des Herzens verbunden, gegen die Neckereien anderer an ihm immer einen Beschützer fand.“

Der Herzog behandelte den jungen Schiller mit besonderer Auszeichnung, und weil der Vater als Hauptmann eine adelige Charge begleitete, wurde dem Sohn die hohe Ehre zuteil, gleich den adeligen Kavalieren, mit gepuderten Haaren bei feierlichen Paraden erscheinen zu dürfen. Wahrscheinlich war diesem die Distinktion so verhasst, wie jeder andere Zwang. Der künftige Dichter war ein Sohn der Natur und Freiheit: Nur ungerne fügt sich ein solcher in die konventionellen Fesseln, die dem Mann früh genug die Laufbahn im Staat anzulegen pflegt. Schiller aber war dazu verurteilt, schon die Knabenjahre in einem Treibhaus zuzubringen, das in peinlicher Miniatur alle Formen und selbst alle Naturwidrigkeiten des Staates an den Zwergbäumchen seiner Pflege zur frühesten Reife brachte.

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