Friedrich Schiller @ www.Wissen-im-Netz.info
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            Hoffmeister - Schillers Leben

            Vorwort
            Inhalt

            1. Teil
            2. Teil
            3. Teil
               1.  Kapitel
               2. Kapitel
                  Tod des Vaters, Schwester
                  Geburt des zweiten Sohnes
                  Die Xenien
                  Die Votivtafeln
               3. Kapitel
                  Balladen
               4. Kapitel
               5. Kapitel
               6. Kapitel
               7. Kapitel
               8. Kapitel
               9. Kapitel
               10. Kapitel
               11. Kapitel
               12. Kapitel
               13. Kapitel
               14. Kapitel

Geburt des zweiten Sohnes

   Wie aber im menschlichen Leben Entgegengesetztes leicht und seltsam ineinander spielt, so wurde unserem Freund in demselben Jahr, wo er Vater und Schwester verlor, ein zweiter Sohn geboren, und in dieser Zeit war es auch, wo sich seine Schwägerin Caroline mit Schillers Jugendfreund, Wilhelm von Wolzogen, vermählte. Dieser war bei einem Aufenthalt des Herzogs Carl in Paris vom Studium der Architektur zur diplomatischen Laufbahn übergetreten, und während der Zeit der Hinrichtung des Königs, wo er als Legationsrat das Hotel des abwesenden württembergischen Gesandten bewohnte, den Gräueln der Revolution durch Mut und Gewandtheit glücklich entgangen. Nach seiner Rückkehr wurde er dem Herzog von Weimar bekannt, der ihn als Kammerherrn anstellte. Als das französische Heer Schwaben überschwemmte und nach Franken vordrang, lebte das junge Ehepaar in dem einsamen Bauerbach, und sich auch hier nicht mehr für sicher haltend, begaben sich die Neuvermählten nach Rudolstadt und später nach Jena. Die Jugendträume eines innigen Zusammenlebens waren erfüllt, und die Zukunft lachte die so eng verbundenen Menschen freundlich an. Es fehlte unserem Schiller zum schönsten Glück nur noch Gesundheit, freilich die Bedingung jedes Glücks. Über die ganz besonders leichte Entbindung seiner Frau am 11. Juli 1796 war er sehr erfreut. „Meine Wünsche sind in jeder Hinsicht erfüllt“, schreibt er, „denn es ist ein Junge, frisch und stark, wie das Ansehen es gibt. Jetzt also kann ich meine kleine Familie zu zählen anfangen, und der Schritt von eins zu zwei ist viel größer, als ich dachte.“ Goethe hob den kleinen Ernst zur Taufe. Die Mutter konnte das Kind nicht selbst stillen, es litt viel an Säure und Krämpfen, und machte den Eltern Bekümmernis. „Man sollte nicht denken“, bemerkt er hierbei, „dass man bei so viel Sorgen von Innen und von Außen einen leidlichen Humor hätte, oder gar Verse machen könnte. Aber die Verse sind vielleicht auch darnach.“

   Von allen diesen Privatverhältnissen schweigt die Muse unseres lyrischen Dichters. Seine eigenen Zustände erschienen ihm viel zu geringfügig, als dass er es der Mühe wert gehalten hätte, sie poetisch zu gestalten – wie wenn nicht beinahe jeder Zustand eines edeln und gebildeten Menschen einen idealen Keim in sich fasste. Er suchte seine meisten Stoffe in der Gedankenwelt, und erhielt sie hier nur ärmer und schwächer aus der zweiten Hand.

   Dessen ungeachtet schloss sich in diesem Jahr seine Dichtkunst eng an sein Leben an – aber nicht an das, was ihn in seinen Privatverhältnissen betrübte oder erfreute, sondern an seine literarische Tätigkeit und deren geringe Erfolge im Publikum. Das Gebiet der sich im Allgemeinen haltenden Ideenpoesie war durchlaufen. Er musste sich wieder in Verbindung mit dem Leben setzen, sich eines realen Gehaltes bemächtigen. Da traf er mit dem Treiben der Tagesliteratur feindlich zusammen, und nahm aus ihr Stoff zu einer neuen polemischen Dichtung.

   Ich erinnere daran, dass die Aufnahme des ersten Jahrganges der Horen den Erwartungen ihres Herausgebers keineswegs entsprach. Freilich waren diese Hoffnungen übertrieben gewesen, und standen vielleicht mehr im Verhältnis zum aufgebotenen großen Kraftaufwand, als zur durchgängigen Güte der Zeitschrift, und zur wirklichen Kultur des Publikums. Der Anfang zwar schien alles zu versprechen: Es wurden so viele Bestellungen gemacht, dass Cotta auf einen recht großen Absatz rechnete; was im Mund eines Verlegers, nach Schillers Wort, eine glaubwürdige Versicherung ist. Einer gleich großen Anzahl Abonnenten konnte sich keine andere Zeitschrift rühmen. Aber dem Herausgeber kamen eine Menge schiefer Urteile zu Ohren. In seinen ästhetischen Briefen fand man noch eine schlimmere Undeutlichkeit, als bei Kant; wenn auch das Einzelne ziemlich beifällig erschien, so wusste man doch mit dem Ganzen nicht fertig zu werden. Ein erfahrener Buchhändler äußerte, die Horen müssten schon mit dem ersten Jahrgang aufhören, weil, die Schuld liege, an wem sie wolle, alle Welt mit ihnen unzufrieden sei. Von allen Seiten her ließen sich abgeneigte feindliche Stimmen hören, und wer auch mit der Zeitschrift zufrieden war, der stieß sich an der Lob posaunenden Allgemeinen Literaturzeitung, der man es ansah, dass sie sich verkauft hatte. Kurz, die Horen hatten die Epoche machende Wirkung, die man beabschichtigte, ganz verfehlt; die Verheißungen, die ihr Herausgeber in der Anzeige ausgesprochen hatte, waren nicht in Erfüllung gegangen.

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