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Homepage Literatur Schiller, Friedrich Biografien Hoffmeister - Schillers Leben Vorwort Inhalt 1. Teil 2. Teil 1. Kapitel 2. Kapitel 3. Kapitel 4. Kapitel 5. Kapitel 6. Kapitel 7. Kapitel 8. Kapitel Philosophische Schriften Über den Grund des Verg... Über die tragische Kunst Über Anmut und Würde Über das Pathetische Zerstreute Betrachtungen... Briefe über die ästhetische... Über das Erhabene Über die notw.Grenzen... Über den moralischen Wert... 9. Kapitel 10. Kapitel 3. Teil |
Über Anmut und WürdeHatte sich Schiller in den beiden genannten Aufsätzen über sein dramatisches Geschäft verständigen wollen, so suchte er in den folgenden Abhandlungen, sich zum Allgemeinen erhebend, über das Sittlichschöne und Erhabene Aufschluss zu gewinnen. Als er nach leidlicher Genesung von der schweren Krankheit im Jahr 1791 in Kants Theorie des Schönen und Erhabenen eingedrungen war, gelang ihm eine Arbeit, die an Umfang und Wert alles übertraf, was er bisher über Ästhetik geschrieben hatte: Die Abhandlung „Über Anmut und Würde“. Sie erschien zuerst im zweiten Heft der Neuen Thalia vom Jahr 1793. Die Fundamentalgedanken derselben sind etwa folgende: Der menschliche Körper zeigt uns zwei Arten der Schönheit. Die eine entspringt aus seiner sinnlichen Natur und heißt die fixe, architektonische oder die Schönheit des Baues. Da aber die Gestalt auch unter dem Einfluss der Person oder der Freiheit steht, so gibt es auch eine Schönheit des Spiels oder Ausdrucks, eine bewegliche Schönheit, die Anmut, welche auf den willenstätigen, sich dem Körper mitteilenden Bewegungen der Seele beruht. Die anmutige Bildung gehört zur sprechenden, mimischen Bildung, sie unterscheidet sich aber von dieser dadurch, dass sie auch zu ihres Eigentümers Vorteil spricht, d.h. dass sie auch zu ihres Eigentümers Vorteil spricht, d.h. dass sie eine moralische Empfindungsart und Fertigkeit ausdrückt. Sie erfolgt nämlich, wenn freie Willensbewegung und sinnliche Affekte, wenn Pflicht und Neigungen, Vernunft und Sinnlichkeit in uns zusammenstimmen. Diese Harmonie unserer sittlichen und sinnlichen Kräfte bildet die schöne Seele, und deren unabsichtlicher Ausdruck in der Erscheinung ist die Anmut oder Grazie. Aber wenn dagegen die Gesetzgebung der Natur mit der der Vernunft in Widerstreit gerät und der Mensch seine Neigung dem Pflichtgebot unterwirft, so handelt er moralisch groß oder erhaben. Der Ausdruck dieser sittlichen Geisteskraft in der Erscheinung ist Würde. Wir haben diese Grundgedanken der Schrift in unserem größeren Werk näher beleuchtet und namentlich auf einiges aufmerksam gemacht, was unserer vorgeschrittenen Zeit als fehl gegriffen erscheinen muss. Aber dieser Ausstellungen ungeachtet muss man das Zeugnis unterschreiben, welches Kant, der vollgültigste Gewährsmann, der Schrift erteilt, „dass sie mit Meisterhand verfasst sei1).“ Um die Anmut und Würde in ihren Geburtsstätten aufzusuchen und sie gleichsam vor unseren Augen entstehen zu lassen, entwickelt Schiller die wichtigsten Begriffe unserer Natur, den Begriff der Schönheit, der Freiheit, der Naturnotwendigkeit und vieler anderer und enthüllt die Ökonomie unserer sittlichen Kräfte, die Gesetzgebung unserer praktischen Vernunft. Indem er in der Anmut und Würde die entferntesten Spuren des Persönlichen im Menschen, der Pflicht und Freiheit, anerkennt, macht er, von jenen Endpunkten bis zum Übersinnlichen vordringend, einen langen Weg durch das ganze Gebiet des Geistes, und lässt auf dieser großen Strecke auch das selten unberührt, was ihm nur zur Seite liegt. Die Abhandlung ist daher mit eben dem Rechte eine moralische, wie eine ästhetische zu nennen; denn ihr Verfasser schöpft ja das Schöne, von dem hier die Rede ist, nur aus sittlicher Quelle. Indem aber alles so sorgfältig erörtert und so tief untersucht ist, und in dem Aufsatz, bei aller Strenge der Forschung, bei seinem systematischen Gang und seiner schönen Abrundung, dennoch so viele Ausbeugungen nach allen Seiten hin vorkommen: Ist derselbe geschmückt mit einem großen Reichtum von Ideen, mit schönen Ausführungen, scharfsinnigen Unterscheidungen und einer Fülle freier, mit dem zartesten Gefühl aus dem Leben gegriffener Bemerkungen. Namentlich muss die vergleichende Charakteristik der Anmut und Würde nebst beiden Abarten gegen das Ende der Darstellung als unübertrefflich gepriesen werden. Suchen wir für diese Schrift die Quelle in Schillers innerem Leben, so sehen wir unleugbar, dass sich in dieser Theorie der Würde sein Freiheitsprinzip, und in der Theorie der Anmut sein zweites Lebenselement, die Humanität seines Herzens, eine wissenschaftliche Form suchte. Er erkannte aber nach dieser vorläufigen Orientierung über sich selbst das Schwierige, sich über sein ganzes sittliches Leben zugleich aufzuklären; deswegen hielt er sich in den nächstfolgenden Aufsätzen allein an sein Freiheitsprinzip, auf welches er mit Kant das Erhabene gründete, und kehrte erst in den Briefen über ästhetische Menschenerziehung zur wissenschaftlichen Auffassung der Humanität zurück, aus welcher er die Theorie des Schönen hervorgehen ließ. Es war natürlich, dass er das Element, welches sich in seinem leben am frühesten und stärksten ausgebildet hatte, im Besondern auch zuerst wissenschaftlich zu begreifen suchte. Wir legen daher im Folgenden zunächst die Aufsätze vor, worin er sich über das Erhabene und sein Freiheitsprinzip zu verständigen suchte. 1) Kants Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft. S. 10. |
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