Friedrich Schiller @ www.Wissen-im-Netz.info
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      Schiller, Friedrich
         Biografien
            Hoffmeister - Schillers Leben

            Vorwort
            Inhalt

            1. Teil
               1 Kapitel
               2. Kapitel
               3. Kapitel
               4. Kapitel
               5. Kapitel
               6. Kapitel
               7. Kapitel
               8. Kapitel
               9. Kapitel
                  Unschlüssigkeit in Stoffwahl
                  2. Entscheidung für Don Carlos
                  Finanzielle Bedrängnis
                  Ankündigung der rhein. Thalia
                  Bewerbung um L. v. Wolzogen
                  Margaretha Schwan
                  Frau von Kalb
                  Paket von Leipzig
                  Weimarscher Rat
                  Stellung zum Theater
                  Aufbruch nach Leipzig
               10. Kapitel
            2. Teil
            3. Teil

Paket von Leipzig

   Noch vor der Ankunft der von Kalbschen Familie hatte ihm seine Muse in der Ferne andere Freunde gewonnen, die ihn noch mehr anzogen. Im Anfang des Juni 1784 bekam er ein Paket von Leipzig geschickt, worin er Briefe voll Wärme und Begeisterung für ihn und seine Gedichte von vier ganz unbekannten Personen fand. Sie waren von einer geschmackvoll gestickten Brieftasche, der Komposition eines Liedes aus seinen Räubern, und den Portraits der vier Verehrer des Dichters begleitet, worunter zwei schöne Frauenzimmergesichter sich befanden. Es waren C.G. Körner, der Vater Theodor Körners, nicht ganz drei Jahre älter als Schiller, der damals in glücklicher Muße der Wissenschaft und Kunst lebte, ehe er als Appellationsrat nach Dresden berufen wurde, seine Verlobte, Minna Stock, und deren Schwester Dora, und L.F. Huber, der nachmalige Gatte der Schriftstellerin Therese Huber. Die Schwestern hatten die freundliche Gabe ausgearbeitet, der musikverständige Körner das Lied komponiert. Es ist kaum zu sagen, welchen Eindruck diese ehrende Überraschung auf Schiller machte. Er sprach sich offen darüber aus; aber noch mehr als seine Gespräche bezeugte seine erhöhte Heiterkeit, wie erfreulich es ihm war, sich in weiter Ferne von gebildeten Menschen innig verstanden, hoch geachtet und geliebt zu fühlen. Nun mochte er die teilnahmslose Kälte seiner Umgebung, in der nur Wenige seine Dichtungen zu würdigen verstanden, schon gleichmütiger erdulden, da er wusste, dass in der Fremde unbekannte Herzen mit dem seinigen harmonisch zusammenschlugen, und leichter trug er seine Dürftigkeit in dem Herz erhebenden Genuss eines so schönen Glückes. Er konnte nicht umhin, diese Überraschung, die angenehmste und schmeichelhafteste, die ihm je widerfahren war, seiner mütterlichen Freundin in Bauerbach zu berichten. „Wenn ich mir denke“, schrieb er der Frau von Wolzogen, „dass in der Welt vielleicht mehr solche Zirkel sind, die mich unbekannt lieben, und sich freuten, mich kennen zu lernen, dass vielleicht in hundert und mehr Jahren, wenn auch mein Staub schon lange verweht ist, man mein Andenken segnet, und mir noch im Grab Tränen und Bewunderung zollt, – dann, meine Teuerste, freue ich mich meines Dichterberufes und versöhne mich mit Gott und meinem oft harten Verhängnis.“

   Der glückliche Gedanke dieser eng verbundenen Menschen, dem edeln Dichter eine kleine Freude zu bereiten, war von dem größten Einfluss auf sein ganzes Leben, und erwarb ihm in Körner einen Geistes- und Herzensfreund, wie er keinen bisher besessen hatte, und später kaum einen zweiten wieder fand. Ein Briefwechsel wurde mit den neuen Freunden eingeleitet und lebhaft fortgesetzt, der zugleich Schillers Produktivität in lebhaften Schwung zu setzen schien. Bald wurde in ihm die Hoffnung rege, dass die Leipziger Freunde auch wohl alles zu tun bereit sein würden, um ihn aus seinem trostlosen Zustand zu erlösen und in bessere Verhältnisse zu bringen. Indes gewährten ihm diese neuen Verbindungen für den Augenblick doch nur eine ideale Zuflucht, keine reelle Verbesserung seiner Lage, wie er sie vor allem bedurfte.

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