Friedrich Schiller @ www.Wissen-im-Netz.info
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      Schiller, Friedrich
         Biografien
            Hoffmeister - Schillers Leben

            Vorwort
            Inhalt

            1. Teil
               1 Kapitel
               2. Kapitel
               3. Kapitel
               4. Kapitel
               5. Kapitel
               6. Kapitel
               7. Kapitel
               8. Kapitel
               9. Kapitel
                  Unschlüssigkeit in Stoffwahl
                  2. Entscheidung für Don Carlos
                  Finanzielle Bedrängnis
                  Ankündigung der rhein. Thalia
                  Bewerbung um L. v. Wolzogen
                  Margaretha Schwan
                  Frau von Kalb
                  Paket von Leipzig
                  Weimarscher Rat
                  Stellung zum Theater
                  Aufbruch nach Leipzig
               10. Kapitel
            2. Teil
            3. Teil

Frau von Kalb

   Erfreulich und fördernd für unsern Dichter war auch die Bekanntschaft mit der von Kalbschen Familie. Herr von Kalb, der als Offizier in französischen Diensten den nordamerikanischen Befreiungskrieg mitgefochten hatte, wählte etwa im August 1784 Mannheim zu seinem Aufenthalt. Schillers Bekanntschaft mit Frau von Kalb verwandelte sich blad in eine Freundschaft, die für das ganze Leben Bestand hatte. Sie war, nach dem Urteil der Frau von Wolzogen, die erste geistvolle und vielseitig ausgebildete Frau, mit welcher er in ein näheres Verhältnis trat. Eine sonderbare Laune des Zufalls war es, dass diese neuen Freunde gerade den Namen führten, unter welchem er in Kabale und Liebe eine „gewisse Narrenart“ lächerlich gemacht hatte. Schiller wollte bei der Wiederaufführung dieses Trauerspiels den Namen des Hofmarschalls umändern, aber Herr und Frau von Kalb widersetzten sich dem Vorhaben aus einem richtigen Urteil oder Gefühl. Als er der neu gewonnenen Freundin eines Nachmittags die ersten Szenen seines Don Carlos vorlas, wiederholte sich ein Missgeschick, das er schon früher einmal erfahren hatte. Die Blicke der Zuhörerin waren unverwandt auf den mit Pathos deklamierenden Dichter geheftet, ohne dass der leiseste Ausdruck ihre Empfindung verraten hätte. Als er geendigt hatte, und sie über ihr Urteil um das Gedicht bat, suchte sie zuerst einer Erklärung schonend auszuweichen, endlich aber sagte sie laut lachend: „Lieber Schiller, das ist das Schlechteste, was Sie noch gemacht haben!“ – „Nein, das ist zu arg!“, erwiderte dieser, griff nach Hut und Stock, und entfernte sich augenblicklich. Kaum aber hatte die fein gebildete Dame das Gedicht für sich gelesen, als sie schnell entgegen gesetzter Meinung ward, und den Dichter z sich laden ließ, um ihm eine abbittende Ehrenerklärung zu tun. Sie fügte aber auf eine schonende Weise bei, dass seine Dichtungen durch die heftige, stürmende Art, wie er sie vortrüge, notwendig verlieren müssten.

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