Friedrich Schiller @ www.Wissen-im-Netz.info
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      Schiller, Friedrich
         Biografien
            Hoffmeister - Schillers Leben

            Vorwort
            Inhalt

            1. Teil
               1 Kapitel
               2. Kapitel
               3. Kapitel
               4. Kapitel
               5. Kapitel
               6. Kapitel
               7. Kapitel
               8. Kapitel
               9. Kapitel
                  Unschlüssigkeit in Stoffwahl
                  2. Entscheidung für Don Carlos
                  Finanzielle Bedrängnis
                  Ankündigung der rhein. Thalia
                  Bewerbung um L. v. Wolzogen
                  Margaretha Schwan
                  Frau von Kalb
                  Paket von Leipzig
                  Weimarscher Rat
                  Stellung zum Theater
                  Aufbruch nach Leipzig
               10. Kapitel
            2. Teil
            3. Teil

Margaretha Schwan

   Aber das Herz nimmt keine Rücksicht auf unsere äußere Lage und Schillers Gemüt war besonders so sehr für die Liebe geschaffen, dass es ihm Bedürfnis war, an jedem Ort, wo er länger verweilte, einen Gegenstand seiner Neigung zu suchen. Er hatte sich in Mannheim schon längst an den wackeren Buchhändler Schwan eng angeschlossen, und pflegte wohl aus den Schauspielen die eben fertig gewordenen Szenen ihm vorzulesen, mit besonderem Nachdruck, wenn seine Tochter zugegen war. Margaretha Schwan wird als ein sehr schönes Mädchen geschildert, mit großen, ausdrucksvollen Augen, von sehr lebhaftem Geist und ausgezeichneter Bildung, mehr zur Welt, Literatur und Kunst, als zur stillen Häuslichkeit hingezogen. In dem gastfreien, von Literaturfreunden viel besuchten Haus ihres Vaters hatte sie die Kunst gelernt, ihre Vorzüge geltend zu machen. Sie war damals neunzehn Jahr alt, und besorgte das Hauswesen, da ihre Mutter kurz vorher gestorben war. Durch jene literarischen Unterhaltungen, bei denen aber der Vater immer zugegen war, oder auf Lustpartien in die Umgegend, lernten sich die jungen Leute näher kennen. Als nun Schillers Phantasie für Lotte von Wolzogen allmählich verschwunden war, da trat, aber erst im Herbst 1784 und dem folgenden Winter, die interessante „Schwanin“ seinem Herzen nahe und immer näher. Es traf sich glücklich, dass sein neues Drama mit einer neuen Liebe zusammenfiel; die letztere diente dem ersteren.

   Mit diesem Dichten und Lieben bildeten dann die täglichen kleinen Quälereien seines Lebens einen sonderbaren Gegensatz. Es war ihm unmöglich, Kleider, Wäsche, Bücher, Schriften in Ordnung zu halten. Die Verwirrung in seinem Zimmer übertraf, nach Streichers Versicherung, alle Vorstellung; nichts Bewegliches war an seinem Platz, selbst das nicht, was sonst immer dem Auge entzogen wird. Es würde eine, des Pinsels eines Hogarth würdige Aufgabe gewesen sein, das Zimmer dieses von immerwährender Begeisterung trunkenen Musensohnes recht getreu darzustellen. Dazu kam, dass, trotz seines Vorsatzes, klug zu wirtschaften, seine finanzielle Lage täglich eher schlimmer als besser wurde. Er ließ sich das kärgliche Mittagessen, wovon für den Abend etwas zurückgehalten werden musste, aus einem Wirtshaus holen. Dessen ungeachtet reichte seine Einkommen nicht aus, besonders auch wegen der so genannten Ehrenausgaben, die ihm aus seinen geselligen Verbindungen erwuchsen und seine Kasse war so schlecht bestellt, dass er oft für die nächste Woche, ja für den nächsten Tag, in Sorge war. Nimmt man dazu noch mancherlei andere Unannehmlichkeiten, lästige Besuche, Geschäfte als Theaterdichter, Konflikte mit schauspielern: So begreift man leicht seine sehnsüchtige Rückerinnerung an das stille Bauerbach, die sich in damals geschriebenen Briefen ausspricht. Der sorgenlose, behagliche Zustand, den er dort genossen hatte, war ihm so unvergesslich, dass er, wie seine Schwester versichert, nach vielen Jahren noch die damalige Zeit als die glücklichste seines Lebens rühmte.

   Zwischen diese Leiden trat aber auch wieder manches Erfreuliche. Seine älteste Schwester, Christophine, besuchte ihn, von seinem Freund Reinwald begleitet, in Mannheim. „Die blühende Jungfrau“, berichtet Streicher, „schien entschlossen, ihr künftiges Schicksal mit einem Mann zu teilen, dessen geringe Einkünfte und wankende Gesundheit wenig Freude zu versprechen schienen.“ Ein erklärtes Verhältnis aber, wie Schwab annimmt, war es damals noch nicht. Schiller scheint sogar, nach einem Brief seines Vaters vom 12. Januar 1785 zu urteilen, anfangs Bedenken bei der Sache gefunden zu haben. Der Vater schrieb ihm: „Jetzt habe ich wegen Seiner Schwester noch etwas anzumerken. Da Er, mein Sohn, teils für sich selbst geradezu, und teils durch die Frau von Kalb, Reinwald von einer Seite geschildert hat, die sowohl mich als Seine Schwester im Raten und Handeln von dem vorgehabten Weg abbringen müssen, so scheint die Sache ganz rückgängig geworden zu sein, denn Reinwald hat seit zwei Monaten nicht mehr geschrieben. Ob Er, mein Sohn, wohl daran getan hat, eine für das Alter und die mangelhaften Vermögensumstände Seiner Schwester nicht unschickliche Partie zu hindern, das weiß Gott, der in die Zukunft sieht. Da ich schon einundsechzig Jahre zurückgelegt habe, wenig Vermögen hinterlassen kann, wenn ich sterbe, da Er, mein Sohn, so glücklich auch seine Hoffnungen erfüllt werden, dennoch Jahre zu tun hat, sich aus allem Gedränge zu retten und anständig zu arrangieren, da Seine dereinstige Verheiratung immer mehr Seine eigenen Vorteile zu besorgen fordert, als sich viel um Seine Schwestern bekümmern zu können, so wäre es auf allen Seiten nicht übel gewesen, wenn Christophie versorgt worden wäre, und sie hätte sich, bei ihrer anscheinlich wahren Liebe zu Reinwald, ganz gewiss in ihn und seine Verfassung umso besser schicken können, als sie Gottlob von Großtun und Übertreibung noch nicht angesteckt ist, und sich in alle Umstände schicken kann.“ Die Sache gestaltete sich nach des Vaters Wünschen, und Christophine wurde später Reinwalds glückliche Gattin.

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